Leonie Bierent

Corona treibt Menschen auseinander und bringt sie zusammen. Weil Alte und Kranke ihr Zuhause nicht verlassen sollen, hat sich die Eschweger Parteienjugend verbunden, um zu helfen. Sie versorgen jene, die es selbst nicht können. Für Mit-Initiatorin Leonie Bierent ist das gerade wichtiger als Uni-Prüfungen und Parteiengrenzen.

Eine betagte alte Dame, selbst aus der Hochrisiko-Gruppe, war einer der ersten Fälle, in denen die Parteijugend aus Eschwege helfen konnte. Die Frau hatte bereits für ihren pflegebedürftigen Sohn eingekauft, wollte mit ihren Einkäufen aber nicht mehr aus dem Haus gehen, erzählt Leonie Bierent. "Da haben wir einen Helfer hingeschickt, der hat das eben gerade abgeholt und hingebracht, innerhalb von 20 Minuten war das koordiniert."

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Leonie Bierent
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Vor einigen Tagen hatte Leonie Bierent die Idee, etwas für die Menschen zu tun, die wegen Corona zu Hause bleiben müssen. Sie dachte an ihre eigene Oma und wie es wohl anderen alten oder vorerkrankten Menschen geht, die keine Unterstützung haben.

Uni ist jetzt nachrangig

Leonie selbst ist 25 Jahre alt, lebt in Eschwege und studiert Jura in Göttingen. Auch wenn der Unibetrieb gerade gestoppt ist, sei trotzdem viel zu lernen für die nächsten Prüfungen. Aber das ist jetzt erst einmal nachrangig, sagt sie. Leonie ist in der Jungen Union im Landkreis Werra-Meißner aktiv und hat zusammen mit anderen Parteijugend-Organisationen des Kreises 60 Leute zusammengetrommelt, die von nun an Einkäufe und Besorgungsgänge erledigen.

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"Wir gegen Corona! Wir für unsere Mitbürger"

Informationen zur Nachbarschaftshilfe-Aktion im Werra-Meißner-Kreis gibt es unter folgender Telefonnummer: 0157/30 75 32 46

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Auf ihre Nothilfe-Aktion bekommt sie rührende Reaktionen: "Ich habe heute mit einer Klinik telefoniert, die entlassen gerade Patienten und rufen uns an, um für die Patienten schon mal einen Einkauf zu organisieren. Die Patientin saß daneben und die Ärztin meinte, dass sie Tränen in den Augen hätte, weil ihr geholfen wird."

Querschnitt durch die Bevölkerung

Die Helfer sind ein Querschnitt durch die Bevölkerung, erzählt Leonie, Eltern, Studenten, Jugendliche: "Von 18 bis 55 ist alles dabei." Dass neben der Jungen Union auch die JuSos, die Links-Jugend, die Grüne Jugend und die Jungen Liberalen dabei sind, erklärt sie so: "Wir haben bei diesem Projekt nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, aus welcher Partei wir kommen. Wir verstehen uns alle sehr gut, wir kennen uns alle durch Schulen und Vereine und sind auch befreundet." Eine Nachricht in die gemeinsame WhatsApp-Gruppe und schon waren die Helfer am Start.

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hessenschau vom 16.03.2020
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Leonie sitzt für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung von Eschwege. Normalerweise ist der Umgang der Parteien miteinander nicht gerade zimperlich. Hat sich in den letzten Tagen daran etwas geändert? "Das Ding in der Politik ist ja, dass viele Leute, die politisch hohe Ämter haben und politisch sehr engagiert sind, selber ins Hochrisikoalter fallen", sagt sie. "Wenn ich mir bei uns in der Stadtverordnetenversammlung mal den Querschnitt ankucke, dann fallen da einige drunter."

Aus politischen Gegnern werden Partner

Weil Corona jeden einzelnen bedrohe, habe sie schon den Eindruck, dass man gemeinsam gute Lösungen suchen wolle: "Ich würde sagen, das Miteinander bei uns im Werra-Meißner-Kreis zwischen den Mutterparteien ist aktuell auch ziemlich gut." Die Kreisvorsitzenden von Union und SPD wollen sich der Parteijugend anschließen. Aus politischen Feinden werden Partner in der Not.

Leonie Bierent will aus der Corona-Krise auf jeden Fall etwas für ihr eigenes politisches Handeln mitnehmen: "Ich habe immer versucht, mich so konstruktiv wie möglich zu zeigen. Dass man in einer Rede mal eine kleine Spitze gegen jemanden bringt, das ist ja die eine Sache. Aber trotzdem versuche ich, immer sachlich zu bleiben." Die aktuellen Erfahrungen bestärken sie darin, das auch weiterhin so zu handhaben und von diesem Weg nicht abzuweichen.

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Das Interview führte Stefan Bücheler.

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Sendung: hr-iNFO Das Interview, 19.3.2020, 19:35 Uhr

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