Leslie Mandoki

Mit "Dschingis Khan" landete Mandoki vor 40 Jahren einen Nummer-1-Hit. Heute ist er von der Hitparade weit entfernt. Mit seinem neuen Album will er sich politisch einmischen, denn die Gesellschaft brauche wieder mehr Achtsamkeit statt Gier.

Wilde Mähne, markanter Oberlippenbart, Goldketten um den Hals und Oberkörper frei: Dieses Bild von Leslie Mandoki hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt, seitdem er 1979 mit der Band "Dschingis Khan" einen Nummer-1-Hit landete.

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Heute, 40 Jahre später, trägt der Musiker immer noch diesen enormen Schnauzer. Aber inzwischen ist Mandoki  weit weg von der ZDF-Hitparade. Sein neues Album "Living in the Gap + Hungarian Pictures", das er zusammen mit seiner All-Star-Band "Soulmates" eingespielt hat, ist politisch.

Spaltung der Gesellschaft als zentrales Thema

Mandoki will sich einmischen. Ein Song heißt "Young Rebels" und soll Brücke schlagen zwischen jungen und alten Rebellen: zwischen denen, die nach Woodstock die Freiheit lebten, denen die 1989 die Berliner Mauer eingerissen haben und denen, die heute an den  "Fridays für Future" auf die Straße gehen.

"Wir haben zusammen mit einer Menge junger Musiker eine musikalische Botschaft gesendet von den 'old Rebels' zu den 'young Rebels'", sagt Mandoki. "Und wir sagen: 'Hey Leute, nehmt wieder die Achtsamkeit als Leitmotiv der Gesellschaft und nicht die Gier!'" Für Leslie Mandoki ist die Spaltung unserer Gesellschaft ein zentrales Thema: die tiefen Gräben zwischen den politischen Lagern, zwischen Jung und Alt, zwischen Armen und Reichen, zwischen Ost und West.

"Wir müssen vieles wieder in Ordnung bringen"

"Meine Generation hat es zu verantworten, dass wir diese Spaltung, die wir täglich spüren, zugelassen haben", meint er. Denn sie habe die Gier in die Mitte der Gesellschaft eingeladen anstatt die Achtsamkeit. Sein gesamtes, neues Album beschäftige sich damit, "dass wir vieles, was jetzt schiefgelaufen ist, wieder in Ordnung bringen müssen. Und da müssen wir zwischen den alten und den jungen Rebellen eine Brücke schlagen."  

Jetzt Verantwortung zu übernehmen, ist auch deswegen wichtig für Mandoki, weil er Deutschland sehr schätzt. Es ist das Land, in das er 1975 als junger Musiker geflohen war, weil er zu Hause im kommunistischen Ungarn nicht frei arbeiten konnte. Das Land, das den musikalischen Rebellen aufnahm und ihm die Chance gab, als Musiker und Produzent erfolgreich zu arbeiten. Es ist das Land, in dem seine drei Kinder aufwachsen.

Seiner Tochter Julia engagiert sich für den Klimaschutz, hat im Hambacher Forst gegen die Abholzung und gegen den Braunkohle-Tagebau gekämpft. Die junge Rebellin aus dem eigenen Haus hat Mandoki beeindruckt. All das ist auf seinem Album zu hören.

Stachel im Fleisch der Gesellschaft

"Wir Rockmusiker haben nur eine Daseinsberechtigung: nämlich die Stimme unseres Publikums und somit der Stachel im Fleisch der Gesellschaft zu sein", sagt er. Und wir können den Soundtrack für ein gesellschaftliches Momentum schaffen, so wie das mein Freund Klaus Meine von den Scorpions mit 'Wind Of Change' gemacht hat."     

Ende der 80er Jahre war das der Soundtrack für die politische Wende in der Sowjetunion, für die Verständigung zwischen Ost und West. Ob Mandokis Rock-Album mit seinen musikalischen Wurzeln im Progressiv-Rock der 70er Jahre es heute schafft, auf die Playlists der jungen Rebellen zu kommen, bleibt abzuwarten.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 11.12.2019, 19:35 Uhr

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