Lou-Marleen Appuhn

Lou-Marleen Appuhn ist taurig, dass die Schule geschlossen ist. Hessens Landesschulsprecherin befürwortet die stufenweise Wiedereröffnung, formuliert aber auch eine klare Forderung.

"Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber ich würde tatsächlich gerne nochmal in die Schule gehen. Das ist ja ein kompletter Lebensabschnitt, den man in der Schule verbracht hat. Und jetzt haben wir nicht mal mehr die Gelegenheit, uns von unseren Tutoren zu verabschieden oder von den Mitschülern. Also es ist schon sehr traurig."

Lou-Marleen Appuhn ist klar, dass sie zu einem historisch einmaligen Abi-Jahrgang gehört. Da werde Sie Ihren Enkeln noch von erzählen können, sagt sie halb belustigt, halb bekümmert.

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Unterstützung für das Kultusministerium

Für Hessens Abiturienten hat die Schulzeit ein abruptes Ende gefunden, sie müssen nur noch für Ihre mündlichen Prüfungen erscheinen, alle Abi-Feiern sind abgesagt. Für andere Schülerinnen und Schüler geht es in der kommenden Woche weiter: für die Viertklässler und die 12. Klassen, auch für die Abschlussklassen an Haupt- und Realschule oder in der Berufsschule. Als Landesschulsprecherin unterstützt Appuhn die Entscheidung des Kultusministeriums, die Schulen stufenweise zu öffnen.

"Ich glaube, es ist einfach dringend notwendig. Anders als im Abitur, wo sowieso erwartet wird, dass man sich individuell zuhause vorbereitet, ist das bei den Abschlussprüfungen in Haupt- und Realschule nicht geplant, sondern da läuft die Vorbereitung vollständig in der Schule. Wenn die jetzt einfach wegfällt und von Schülerinnen und Schülern erwartet wird, sich alleine vorzubereiten, dann ist das einfach massiv ungerecht und fördert die Bildungsungerechtigkeit", sagt sie.

Unterschiedliche Voraussetzungen daheim

Die Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem ist ohnehin ein Thema, das die Sprecherin der "Landesschüler*innenvertretung Hessen" umtreibt. Für sie ist eine Öffnung der Schulen auch deshalb wichtig, weil "Homeschooling" den Klassenunterricht nicht ersetzen kann. Apuhn bemängelt, "dass Homeschooling ganz massiv soziale Ungerechtigkeit fördert und zu einer totalen Bildungsungerechtigkeit führt."

Einige Schülerinnen hätten einen eigenen Laptop zum Lernen, andere nicht einmal ein eigenes Zimmer oder einen Schreibtisch. "Wie soll unter solchen Bedingungen qualitativ genau so gelernt werden, als wenn eben all diese Dinge vorhanden sind?", fragt sie rhetorisch. Das sei ein weiterer Grund, die Schulen behutsam wieder zu öffnen. Allerdings ist für die "Landesschüler*innenvertretung" der Start in der kommenden Woche auch an klare Bedingungen geknüpft.

Hygienestandards müssen passen

Sie fordert hohe Hygienestandards an den Schulen: Seife, Einmal-Handtücher, Desinfektionmittel, aber auch ausreichend Waschbecken und warmes Wasser - dazu die gründliche und regelmäßige Reinigung aller Räume. Nur wenn das gewährleistet ist, sagt Landesschulsprecherin Appuhn, könne der Unterricht wieder stattfinden.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 21.04.2020, 19.35 Uhr

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