Lucia Puttrich, Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten

Als Annegret Kramp-Karrenbauer überraschend ihren Rückzug als CDU-Chefin verkündet hat, war Lucia Puttrich erstmal sprachlos. Das komme selten vor, immerhin ist sie seit gut 40 Jahren CDU-Mitglied. Puttrich glaubt: Mit einfachen Rezepten wird sich die Krise der CDU nicht lösen lassen.

Sie habe einmal ganz kurz die Lust verloren, erzählt Lucia Puttrich, als sie einige Tage nach dem angekündigten Rückzug der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin zu Gast ist. Im ersten Moment habe sie gedacht: „Meine Güte, musst du dir das antun, im politischen Geschäft zu sein? Zwei Stunden später war es aber schon wieder gut“. Die anfängliche Sprachlosigkeit und das Entsetzen hat die 58-Jährige Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund schnell abgehakt und blickt jetzt nach vorne.

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Lucia Puttrich, CDU (rechts) mit Franka Welz von hr-iNFO
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Die Probleme der CDU lassen sich ihrer Ansicht nach nicht mit einem einfachen Personalwechsel an der Spitze lösen, in der Partei müsse jetzt über „das Grundsätzliche“ gesprochen werden, „über Inhalte, über Miteinander, aber auch über Loyalität, über Solidarität in einer Partei“. Die CDU habe immer ausgezeichnet, dass „wir, wenn Entscheidungen getroffen waren, zusammengestanden haben und diesen Corpsgeist, den brauchen wir wieder“.

Anderer Maßstab für Frauen

Mangelnder Rückhalt in – oft männlichen – Teilen der Partei war über Monate eines der größten Probleme der Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, doch Puttrich will das Scheitern der Saarländerin nicht auf innerparteilichen Sexismus reduzieren. Es sei „nicht fair“ zu sagen, Kramp-Karrenbauer sei gescheitert, weil sie eine Frau sei und Männer sie „bekämpft“ hätten, sagt sie, hält kurz inne und fügt dann hinzu „alleine“. Denn der „Maßstab, der an ihr angelegt wurde“, sei doch ein anderer, als der, „der an Männer angelegt wurde“. Frauen würden das häufig erfahren, dass sie anhand von Äußerlichkeiten beurteilt würden, was „bei Männern gar keine Rolle spielen würde“. Für Frauen sei es nach wie vor noch schwerer in der Politik und „auch nicht immer fair“.

Sich selbst habe Puttrich aber nie die Frage gestellt, ob sie es als Frau schwerer habe, das habe es ihr vielleicht auch leichter gemacht. Womöglich hat aber auch ihre direkte Art geholfen. Als sie Mitte der 1990er Jahre Bürgermeisterin der Stadt Nidda wurde, habe mal einer, der es „besonders gut“ gemeint habe, zu ihr gesagt, er habe kein Problem damit, dass sie eine Frau sei. Sie habe ihm dann geantwortet „ich hab‘ kein Problem damit, dass Sie ein Mann sind“. Das sei die Grundregel gewesen und damit sei sie immer ganz gut durchgekommen.

Quo vadis, CDU?

Trotzdem bedauert Puttrich, dass jetzt der „eine oder andere Mann“ in der CDU sage, die Frauen hätten versagt, jetzt müssten „die Männer das Ruder übernehmen“. Das sei „vollkommen falsch“, weil diese Frage umgekehrt nie gestellt werden würde. Überhaupt sollten momentan andere Fragen im Mittelpunkt stehen, als Geschlechter- oder Personalfragen, findet Puttrich.

„Es geht in der Tat um die Frage, welche Rolle spielt eine Christlich Demokratische Union zukünftig in Deutschland? Wie können wir erreichen, dass uns wieder mehr Menschen wählen und wie geschlossen verfolgen wir das Ziel?“ Also Zukunfts- anstatt Personalfrage. Wenn die CDU das schaffe, dann stehe sie für den nächsten Bundestagswahlkampf gut da. Wenn nicht, dann sei das Risiko hoch, „dass wir uns selbst demontieren“.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 14.2.2020, 19:35 Uhr

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