Marco Politi

In der Corona-Pandemie habe die katholische Kirche die Menschen im Stich gelassen, sagt der renommierte Vatikankenner Marco Politi. Gleichzeitig zollt er Papst Franziskus Respekt.

Als Marco Politi beginnt, über den Vatikan zu berichten, ist Willy Brandt deutscher Bundeskanzler. Der Vietnam-Kriegt tobt. Und die "Sendung mit der Maus" wird zum ersten Mal ausgestrahlt. Man kann also durchaus sagen, Marco Politi ist ein „erfahrener“ Vatikankorrespondent. Einer der renommiertesten „Vaticanisti“, wie die Vatikanexperten in Italien genannt werden.

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Vatikan-Kenner Marco Politi
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Das merkt man auch schnell in hr-iNFO "Das Interview". Politi ist mit seinen 74 Jahren schnell im Kopf, verknüpft Geschichte und Gegenwart, blickt analytisch in die Zukunft - im Interview wie in seinem neuen Buch „Im Auge des Sturms – Franziskus, die Pest und die Heilung der Welt“.

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Buch-Tipp

Marco Politi: "Im Auge des Sturms" - Franziskus, die Pest und die Heilung der Welt. Verlag Herder, 192 Seiten, 18,- Euro.

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Schweigsame Kirche in der Pandemie

Corona? Für ihn die Pest. Eine Seuche wie im Mittelalter. Doch mit einem großen Unterschied: Die Kirche – insbesondere die katholische – sei diesmal öffentlich kaum präsent. Politi spricht von „ohrenbetäubendem Schweigen“.

Nicht die Schuld von Papst Franziskus, so sieht es Politi. „Einerseits war die Kirche als Struktur vom Geschehen verschwunden. Andererseits hat der Papst das Wort denen gegeben, die verzweifelt waren“. Franziskus habe aus Überzeugung den Katholiken empfohlen, in der Corona-Pandemie die Ratschläge der Wissenschaft zu befolgen. Nur so lasse sich die Pandemie überwinden. „Entweder ist man rebellisch – gegen den Lockdown oder gegen die Impfungen. Da hat Papst Franziskus gewählt: Nein! Diese Epidemie muss bekämpft werden. Und man muss eben das tun, was die Experten sagen“.

Verschlossener Kirchenstaat

Was die Position des Vatikan zu aktuellen politischen Themen ist, das sei nicht immer leicht herauszufinden. Schließlich sei der Kirchenstaat kein normaler Staat. „Der Vatikan ist ein Staat der Mauer“, sagt Politi. Statt Pressekonferenzen brauche es da ein gutes Netzwerk, um an Informationen zu kommen. Intransparenz, Verschlossenheit – damit kann der 74-Jährige gut umgehen. Schließlich war er Korrespondent in Moskau zur Zeit des Kalten Krieges. Und so gelingen Politi heute Einblicke in den Vatikan wie kaum einem anderen.

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