Konzerveranstalter Marek Lieberberg (Live Nation Germany)

Seine Branche sei "suspendiert" und mit einem "Berufsverbot" belegt worden: Marek Lieberberg, Deutschland-Chef des Konzertveranstalters Live Nation, wählt drastische Worte, um die Situation zu beschreiben. Er spricht von einer Diskriminierung der modernen Kultur und fordert die Politik zum Handeln auf.

Das Konzert mit Brian Adams und Sarah Conner in Düsseldorf hatte Marek Lieberberg als Leuchtturm-Projekt geplant, als Zeichen für einen Neustart für die Festival-Macher und Konzertveranstalter: "Give Live a Chance". Doch daraus wurde nichts. Wegen steigender Infektionszahlen und grundsätzlichen Bedenken im Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalens musste das Konzert erstmal abgesagt werden. Vielleicht klappt es im Spätherbst. Lieberberg empfindet das als Rückschlag und ist bedrückt: "Weil man sich fühlt wie in einem Gefängnis! Um es literarisch zu kleiden: wie der Graf von Monte-Christo. Man versucht, mit einem Esslöffel sich freizugraben, sieht einen Lichtstreifen, dann wird das Ganze entdeckt und wieder zugeschüttet. So komme ich mir vor."

Seine Branche sei seit Mitte März suspendiert und mit einem Berufsverbot belegt worden, sagt Lieberberg und beziffert die Verluste mit 3,5 Milliarden Euro. Insgesamt seien 150.000 Konzerte und Events von diesem auf das nächste Jahr verschoben worden. "Wenn es uns nicht gelingt, diese Events in den verkauften Kapazitäten im kommenden Jahr durchzuführen, ich will hier kein Doomsday-Szenario an die Wand malen, aber das wäre der Super-Gau." Dann, sagt Lieberberg, müsse sich die gesamte Branche neu aufstellen.

Den "Super-Gau" verhindern

Um den "Super-Gau" zu verhindern, brauchen die Konzertveranstalter aus Sicht Lieberbergs mehr Unterstützung seitens der Politik, die er klar in der Verantwortung sieht: "Wenn jemand Verbote verfügt, wenn jemand eine normale Situation verbietet, die Normalität verbietet, auch das Recht auf Kultur und Meinungsäußerung einschränkt, dann hat er die verdammte Pflicht, sich zu überlegen, wie er das wieder zurückführt oder zumindest dann den Betroffenen eine entsprechende Kompensation anzubieten."

Marek Lieberberg mit Mariela Milkowa

Aus dem Rettungspaket "Neustart Kultur" der Bundesregierung soll es 80 Millionen für Livemusik und Festivals geben. 80 Millionen aus einem einer Milliarde schweren Hilfsprogramm. Für Lieberberg ein "Tropfen auf den heißen Stein", um den nicht weniger als 9.000 Veranstalter konkurrieren müssten. Das sei "eine Diskriminierung der modernen Kultur", meint Lieberberg. "Wieso kann es sein, dass subventionierte Institutionen, Theater, Opern, Ausstellungshäuser noch mal Geld obendrauf kriegen und wir nur ein Gnadenbrot, zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben?"

Klassik wird privilegiert

Einmal mehr sieht der Frankfurter Konzertveranstalter, der seit 50 Jahren im Geschäft ist, dass die Popkultur vernachlässigt und die Klassik privilegiert wird. "Wenn die Elbphilharmonie mit 800 Zuschauern und die Salzburger Festspiele mit 1.000 Besuchern stattfinden können – also mit rund 40 Prozent der Kapazität –, und wir arbeiten nur mit einem Viertel der Kapazität, wieso soll das nicht möglich sein?"

Lieberberg wird nicht aufgeben. Er will, dass es wieder losgeht und er will beweisen, dass auch ein Großkonzert mit einem guten Hygienekonzept machbar ist. Und er will, dass seine Branche, die Events und Festivals, endlich die Wertschätzung bekommen, die sie aus seiner Sicht verdienen: "Das ist im Moment meine größte Aufgabe, das Bewusstsein dafür zu schärfen und die Politik hier endlich zu sensibilisieren für die Not und das Elend dieser Branche. Das ist meine Aufgabe, das habe ich mir zum Ziel gesetzt und dafür werde ich kämpfen!"

Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 28.8.2020, 19:35 Uhr

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