Markus Feldenkirchen
Markus Feldenkirchen Bild © Maurice Weiss

Martin Schulz hat ein wechselvolles Jahr hinter sich: vom "Gottkanzler" ins politische Abseits. Der Journalist Markus Feldenkirchen hat ihn begleitet und darüber ein Buch geschrieben. Im Interview erklärt er, was bei Schulz schiefgelaufen ist und was dieser von dem Buch hält.

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Martin Schulz – erst Hoffnungsträger der SPD, dann nach der Wahl-Niederlage und einer Serie aus Pleiten, Pech und Pannen von Parteifreunden vom Hof gejagt. Diese Entwicklung hat der "Spiegel"-Journalist Markus Feldenkirchen aus der Nähe miterlebt. Er hat Martin Schulz vergangenes Jahr im Kampf ums Kanzleramt über Monate begleitet – und daraus ein Buch gemacht.

Martin Schulz
Martin Schulz (SPD) hat nach der Bundestagswahl mehrere Niederlagen hinnehmen müssen. Bild © picture-alliance/dpa

Spannende und frappierende Beobachtungen des Berliner Politbetriebs liefert Markus Feldenkirchen. Genauso wie einen unverstellten Blick auf einen Politiker, der zunehmend den Glauben an sich zu verlieren und an der Härte des politischen Berlins zu verzweifeln scheint. Parteifreunde, die Schulz mehr schaden als der politische Gegner. Ein System, das fast hörig auf die nächste Meinungsumfrage und die Medienberichte schielt. Ungeschickte Berater, Werbeprofis, die ihm am Ende noch nicht mal seinen rheinischen Dialekt lassen wollen.

"Er weiß, dass ich mich an alle Absprachen gehalten habe"

"Das ist Abschleifen und das Werk von Imageberatern in Reinform, das woran die Politik aus meiner Sicht auch stark krankt", sagt Feldenkirchen. Und: "Insgesamt war ich überrascht von dem Maß an Unprofessionalität, das dort im Willy-Brandt-Haus herrschte." Am Ende ein oft fast traurig und hilflos wirkender Kandidat. All das fängt Feldenkirchen ein und zeigt sich als ein Autor, der die Rolle des Journalismus und die eigene Rolle genauso auf den Prüfstand stellt wie die Wirkmechanismen im politischen Berlin.

Weitere Informationen

Buch

Markus Feldenkirchen: Die Schulz-Story. Ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz, DVA 2018. 320 Seiten. 20 Euro.

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Viele fanden es mutig, dass Schulz sich dem Projekt geöffnet hat. Andere sagen, das hätten sie nie gemacht. Wie aber hat Martin Schulz selbst auf das Buch reagiert? Feldenkirchen: "Er hat gesagt, dass es ihn sehr, sehr aufgewühlt hat, das Buch zu lesen. Und ich meine, wenn man dieses große Drama liest, dann ist man, selbst wenn man nicht betroffen ist, schon berührt davon. Wenn man selber dieser Protagonist ist und so dieses glaube ich dramatischste Jahr, dass zumindest ein Einzelner in der Bundesrepublik erlebt hat, das wühlt auf." Gleichzeitig sei Schulz versöhnt mit dem Projekt. "Weil er weiß, dass ich mich an alle Absprachen gehalten habe", sagt Feldenkirchen. "Es wühlt ihn auf und trotzdem findet er's ok, glaube ich."

Sendung, hr-iNFO, 28.3.2018, 19:35 Uhr

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