Martin Patzelt Pressefoto

Wie umgehen mit der AfD? Die Ansage der CDU vor den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen ist eindeutig: keine Kooperation mit der AfD. Martin Patzelt, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Frankfurt (Oder) findet, zumindest ein Gespräch sei man den Wählern der Partei schuldig.

"Geduld, Beharrlichkeit und Dialog" sind für Patzelt die Schlüssel, um bei anderen ein Umdenken anzuregen. Der 72-Jährige hatte viel Gelegenheit, das zu perfektionieren. Immerhin war Patzelt noch zu DDR-Zeiten lange Jahre in der Sozialarbeit tätig. Fast 20 Jahre hat er das katholische Kinder- und Jugendheim St. Elisabeth in Calbe (Saale) geleitet.

Nach der Wende wechselte Patzelt in die Politik, trat 1990 in die CDU ein und arbeitete unter anderem im Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt und als Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt (Oder). Seit 2013 ist er Abgeordneter des Deutschen Bundestags, 2017 konnte er sein Direktmandat erfolgreich gegen AfD-Chef Alexander Gauland verteidigen.

"Angst ist immer ein schlechter Berater"

Der Sozialpädagoge steckt auch heute noch in ihm: "Ich muss aufpassen, dass ich damit mein Gegenüber auch nicht in eine Rolle des zu erziehenden degradiere, das ist wirklich eine Falle." Das wird auch deutlich, wenn er über die AfD spricht. Die Partei sei "schwer erziehbar", ihre zwölf Millionen Wähler würden von einem hohen Maß an Emotionalität und Ängsten und Ideologien geleitet. Nicht die allerbesten Voraussetzungen für Politik, findet Patzelt: "Angst ist immer ein schlechter Berater."

Dialog, den Wählern zuliebe

Dass die Parteilinie der CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausschließt, hält Patzelt aber für den falschen Ansatz. Er setzt auf Dialog mit der AfD. Gerade wenn sie in den Wahlen in Brandenburg und Sachsen so stark abschneidet, wie erwartet - "schon alleine, um der Öffentlichkeit und diesen Sympathisanten oder Wählern der AfD deutlich zu machen, warum ich's nicht mit ihnen kann."

Eine Kooperation oder gar Koalition mit der AfD kommt aber auch für Patzelt nicht in Frage, solange die AfD sich nicht von radikalen Figuren wie Björn Höcke distanziert hat.

Causa Maaßen

Auch zur Kontroverse um Hans-Georg Maaßen, den einstigen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, hat Patzelt eine klare Meinung: Maaßen sei eine "Reizfigur in unseren Reihen", sein Vorgehen "gefährlich, wenn nicht spalterisch ... und wenn Herr Maaßen sagt: Es ist nicht mehr die CDU, in die ich mal eingetreten bin, weiß ich nicht, ob er das Recht hat, diese Partei jetzt zu verändern."

Für die bestehenden Konflikte innerhalb der CDU setzt Patzelt ebenfalls auf parteiinternen Dialog und Diskussion, "vielleicht bis in die Krise hinein", um etwaige Fliehkräfte einzudämmen.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 21.8.2019, 19:35 Uhr

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