Professor Martin Schröder

Wie wirken sich Aussehen, Geld oder soziale Kontalte auf unsere Zufriedenheit aus? Das hat der Marburger Soziologe Martin Schröder mithilfe eines riesigen Datensatzes untersucht. Drei Dinge erwiesen sich als besonders wichtig. Und eins überraschte den Wissenschaftler.

"Wenn Menschen zufrieden sind, dann sind sie in einer Situation in ihrem Leben, die zu ihnen passt und die zu dem passt, was Menschen zum Leben brauchen." So definiert Professor Martin Schröder sein Forschungsthema.

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Am zufriedensten fühlt sich der Wissenschaftler, wenn er sich in eine Arbeit vertiefen kann, die ihn fordert, aber nicht überfordert, wenn sich der sogenannte Flow einstellt: "Das funktioniert bei mir ganz gut", lacht der 37-Jährige und sagt, dass gebildete und gut ausgebildete Menschen wie er selbst generell zufriedener seien, weil sie die interessanteren Jobs haben.

Ausreichend Schlaf "unfassbar wichtig"

Auf einer Zufriedenheits-Skala von eins bis zehn schätzt Schröder sich bei sieben ein – das sei Durchschnitt in Deutschland: "Die meisten Menschen sind auch wirklich ganz zufrieden mit ihrem Leben." Der Soziologe, der an der Philipps-Universität in Marburg lehrt und forscht, hat für seine Zufriedenheitsstudie eine riesige Datenmenge ausgewertet: das Sozio-oekonomische Panel, in dem seit den 80er Jahren regelmäßig 30.000 Menschen nach ihrer Lebenssituation befragt werden.

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(auf Basis der größten Langzeitstudie mit über 600.000 Befragungen)

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Drei Effekte sind extrem wichtig, sagt Schröder: gute Gesundheit, gutes Aussehen und viel Schlaf. Menschen, die sich als ungesund einschätzen, sind deutlich unzufriedener als Menschen, die sich für gesund halten. Wer denkt, dass andere Menschen einen für attraktiv halten, ist dagegen zufriedener. Und ausreichend Schlaf scheint "unfassbar wichtig" zu sein, sagt Schröder: Menschen, die angeben, in der Regel nur vier Stunden Schlaf zu brauchen, sind auf einer Skala von 1 bis 100 ganze 18 Punkte unzufriedener als Menschen, die immer schon neun Stunden schlafen.

Wir gewöhnen uns an vieles - aber nicht an alles

Kann man an der eigenen Zufriedenheit etwas verändern? Nicht so viel, sagt Schröder, das liege an der Set Point-Theorie. Selbst ein Lottogewinn sorgt demnach nur kurzfristig für mehr Zufriedenheit, und auch Unfallopfer mit Querschnittslähmung sind schon nach einigen Jahren wieder genauso zufrieden mit ihrem Leben wie der Rest der Bevölkerung. Die Erklärung? Wir gewöhnen uns schlicht an fast alles.

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Das Interview führte Uli Höhmann.

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Es gibt allerdings Effekte, von denen erholt man sich kaum, erklärt Schröder: "Männer erholen sich nie davon, arbeitslos zu sein. Es gibt sogar Narbeneffekte. Selbst wenn sie einen Job haben, scheint sie die Arbeitslosigkeit ein Stück weit so traumatisiert zu haben, dass sie den Rest ihres Lebens eine stärkere Unzufriedenheit mittragen."

Erstaunliche Ergebnisse

Manchmal ergeben Schröders Datenauswertungen Ergebnisse, die dem Wissenschaftler eigentlich nicht gefallen: zum Beispiel, dass Menschen in traditionellen, nicht gleichberechtigten Partnerschaften erstaunlich zufrieden sind. Dass Männer und Frauen zufriedener sind, wenn die Männer länger arbeiten, mehr Geld verdienen und weniger Hausarbeit übernehmen.

Diese Daten seien so erstaunlich, sagt Schröder, "wie es mir als Gesellschaftswissenschaftler, wenn ich sozusagen den Hebel umlegen könnte und mir eine andere Gesellschaft wünschen könnte, gar nicht unbedingt immer passen würde." Aber das sei egal, es gehe schließlich darum, was in den Daten stecke und nicht um das, was er persönlich für richtig oder falsch halte.

Weniger Hausarbeit, besserer Sex?

Es sei "völlig verrückt", aber es gebe Untersuchungen, wonach Paare, in denen sich beide die Hausarbeit gleicher aufteilen, weniger Sex hätten, mit dem sie dann auch noch unzufriedener seien: "Die Zufriedenheit scheint oft höher zu sein, wenn wir den Geschlechterstereotypen entsprechen."

Was folgt nun aus diesen Forschungsergebnissen? Sagen wir: Die Emanzipation ist gescheitert, die Frauen fühlen sich wohl am Herd und die Männer im Job? Oder folgern wir, dass hier noch großer handlungsbedarf ist? Martin Schröder will will niemandem etwas vorschreiben: "Meine Aufgabe ist es, mit den Daten zu zeigen, wie die Welt ist."

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Das Interview führte Uli Höhmann

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Das Sozio-oekonomische Panel

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert.

Das SOEP läuft seit 1984, aktuell werden jedes Jahr rund 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Das Besondere ist, dass jedes Jahr dieselben Menschen befragt werden und Kinder, die in den Haushalten der Befragten leben, ab dem 16. Lebensjahr in die Befragung "nachrücken". Dadurch können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

(Quelle: DIW)

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