Martin Wentz

Mit einer Bürgerstiftung will der frühere Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz eine neue Oper für Frankfurt bauen. Das sanierungsbedürftige Gebäude der Städtischen Bühnen würde er abreißen.

Ein Besuch der Frankfurter Oper ist für Martin Wentz immer wieder auch Teil eines vorweihnachtlichen Familienrituals. Denn jedes Jahr am 23. Dezember trifft sich das Ehepaar Wentz mit den erwachsenen Kindern zum Opernbesuch. Als die Doppelanlage von Oper und Schauspiel in Frankfurt Anfang der Sechzigerjahre gebaut wurde, ging Wentz dort immer auf seinem Schulweg vorbei.

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Doch trotz solch intensiver persönlicher Beziehungen – das heute marode Gebäude würde der Stadtplaner und frühere Frankfurter Planungsdezernent nicht erhalten wollen: "Da sind mindestens fünf Generationen von Architekten am Bauen gewesen und es wurde nicht besser dadurch. 900 Millionen in dieses Haus reinzustecken, darf man nicht machen!"

Sanierung genauso teuer wie Neubau

900 Millionen Euro würde eine Sanierung der Städtischen Bühnen kosten, genauso viel ein Neubau – das hat ein Gutachten ergeben, das Martin Wentz für plausibel hält. Was also tun? Eine neue Oper bauen, sagt Wentz. Und dafür will der Sozialdemokrat mit einer Bürgerstiftung Geld sammeln: "Wir kennen Kreise, die sind bereit, bis zu fünf Millionen hinzulegen. Wenn Sie 50 Millionen in 200-Euro-Scheinen sammeln wollen, dann wird das nicht funktionieren."

Ein Entwurf für den Neubau der Oper Frankfurt.

Mit einem Eigenkapital aus Spenden von 50 Millionen könnte die Stiftung Kredite aufnehmen und ein Opernhaus an anderer Stelle bauen, um es dann an die Stadt zu vermieten. Das Schauspiel könnte im Anschluss auf dem Gelände der bisherigen Oper am Willy-Brandt-Platz neu gebaut werden. So müssten für die Bühnen keine Zwischenlösungen gefunden werden und die Stadt wäre auch einen großen Teil der finanziellen Sorgen los, meint Wentz.

Eine Stiftung könne vieles kostengünstiger machen als die Stadt, weil sie nicht an öffentliches Vergaberecht gebunden sei und weil sie leichter Geld sammeln könne. Potentielle Spender seien eher bereit, einer Bürgerstiftung Geld zu geben als der Stadt.

Bürgerschaftliches Engagement hat in Frankfurt Tradition

Schon für 250 Millionen Euro wäre ein Opernneubau realisierbar, meint Wentz, und hat mit seinem eigenen Architekturbüro bereits einen Entwurf dafür gemacht. Den zu realisieren, sei für die Bürgerstiftung aber keine Bedingung, betont der Stadtplaner. Die Unterstellung, er wolle seinem eigenen Büro den Auftrag zuschanzen, weist er zurück: "Wir haben als Stiftung nichts gegen einen Architektenwettbewerb", stellt er klar, "daran würde sich das Büro Martin Wentz dann auch beteiligen."

Zitat
„Wir sind keine Konkurrenten der Stadt und keiner von uns ist böse, wenn die Stadt alles selber machen will.“ Zitat von Martin Wentz
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Privates und bürgerschaftliches Engagement habe in Frankfurt Tradition, sagt Wentz – etwa bei der Gründung von Zoo und Palmengarten. Dennoch gebe es Vorbehalte gegen die Stiftung bei Kommunalpolitikern, die Angst hätten, ihnen würde etwas weggenommen. Wentz betont daher: "Wir sind keine Konkurrenten der Stadt und keiner von uns ist böse, wenn die Stadt alles selber machen will."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 25.1.19, 19:35 Uhr

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