"Mein Grundeinkommen"-Initiator Michael Bohmeyer
"Mein Grundeinkommen"-Initiator Michael Bohmeyer Bild © Mein Grundeinkommen e.V.

Es klingt verlockend: Jeden Monat 1000 Euro bekommen, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Michael Bohmeyer ermöglicht das mit seiner Initiative "Mein Grundeinkommen". Und er sagt: Es verändert Menschen positiv.

Sind Menschen bereit, jemand anderem bedingungslos eine Existenzgrundlage zu finanzieren und wie verändert es Menschen? Mit dieser Frage startete Michael Bohmeyer 2014 das erste Grundeinkommens-Experiment in Deutschland. Mit Hilfe eines Crowdfunding-Videos warb der junge Berliner für seine Idee und erhielt bereits in den ersten drei Wochen Spenden in Höhe von 12.000 Euro. Daraufhin gründete er das gemeinnützige Start-Up "Mein Grundeinkommen e.V." und verloste das erste bedingungslose Grundeinkommen. 

Mittlerweile unterstützt ein Team aus 30 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und über eine Million User die junge NGO, die bis heute bereits über 200 Grundeinkommen verlost hat. Und zwar an sehr unterschiedliche Gewinner, zählt Bohmeyer auf: "vom Baby bis zur Rentnerin, vom Obdachlosen bis zum Millionärserben und vom Beamten bis zum prekär Beschäftigten sind alle dabei".

 "Tiefes Gefühl von Entspanntheit und Ruhe"

Michael Bohmeyer, der bereits mit 16 Jahren anfing, Webseiten zu programmieren und Internet-Start-Ups zu gründen, kam vor vier Jahren auf diese Idee, als eines seiner Internet-Start-Ups einen monatlichen Betrag von rund 1000 Euro abwarf und er an sich selbst ein bedingungsloses Grundeinkommen testen konnte. Bohmeyer war damals grade frischgebackener Vater und nahm sich eine Auszeit, um für seine Tochter da zu sein.

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Zunächst konnte er überhaupt nicht umgehen mit der neuen Freiheit, erzählt er, da er ein "total aktionistischer Mensch" sei, der "überhaupt nicht durchatmen und stillsitzen" könne. Erst nach ein paar Monaten habe er ein "tiefes Gefühl von Entspanntheit und Ruhe" und ein "neues Weltinteresse und Schaffensdrang" gespürt, und habe sich gewünscht, dass auch andere diese Erfahrungen machen könnten.

"Neue Form von Eigenverantwortung"

Sein Experiment hat das bestätigt. Diejenigen, die ein Grundeinkommen gewonnen haben, hätten über viele positive Effekte berichtet, so Michael Bohmeyer. Die Menschen entwickelten ein "neues Selbstwertgefühl", weil sie plötzlich Geld geschenkt bekommen. "Das führt zu einer neuen Form von Eigenverantwortung, von Tatendrang, aber auch zu einer neuer Form von Gemeinschaftsgefühl, weil plötzlich muss ich mir auch überlegen: Was kann ich eigentlich Sinnvolles mit dem Geld machen? Was kann ich denn eigentlich gut? Was will ich denn eigentlich?"

Viele, die ein Grundeinkommen gewonnen haben, krempeln ihr Leben um, stellt er fest. Sie trauen sich, auch nein zu sagen zu prekären Jobs oder unglücklichen Beziehungen. Interessant an diesem Experiment: "Alle Menschen hat es verändert", sagt Bohmeyer. "Das Vermögen zur Selbstreflexion ist gestiegen, der Selbstwert und die Gesundheit – wir haben zwei Menschen, deren chronische Krankheiten gestoppt wurden, weil die Existenzängste weg waren."

"Aus dem Hamsterrad rauskommen"

Entgegen vieler Kritiker ist Michael Bohmeyer auch überzeugt, dass das Grundeinkommen für alle finanzierbar ist und für mehr soziale Gerechtigkeit sorgt. "Ich glaube, es gibt ein tiefes Bedürfnis in der Bevölkerung nach Veränderung, und damit meine ich eine fundamental andere Art und Weise, zu leben", sagt Bohmeyer. "Viele Leute sind einfach überfordert mit diesen sich rasant umbrechenden Zeiten – mit der Digitalisierung, mit dem Wegfall von klassischen Familienmodellen, mit dem Wegfall von alten Gewissheiten und Sicherheiten und auch mit Zukunftsängsten. Ich glaube, das Grundeinkommen ist ein schöner Ausdruck davon, weil es ein besseres Leben verspricht."

Im Grundeinkommen, das den Grundsockel von 1000 € garantiere, stecke "die Idee von Zeitwohlstand und Zeitsouveränität" und "dass ich ein bisschen mehr über mein Leben bestimmen kann und aus dem Hamsterrad rauskomme".

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 14.11.2018, 19:35 Uhr

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