Der neue Bischof von Fulda Michael Gerber
Michael Gerbers Bischofsstab ist aus dem Kastanienholz seiner Heimat geschnitzt. Bild © hr

Mit 49 Jahren ist Michael Gerber ab Sonntag der jüngste Bischof, der in Deutschland eine Diözese leitet. Dann wird er in sein Amt als neuer Bischof von Fulda eingeführt. hr-iNFO hat den gebürtigen Badener zum Interview getroffen.

Heimatverbunden zeigt er sich zum Einstand in Fulda: Zur Amtseinführung am Sonntag reicht Michael Gerber den Gästen badischen Wein aus Oberkirch im Schwarzwald, wo er 1970 zwischen Weinbergen und Kastanienbäumen seine Kindheit verbrachte. Sein Bischofsstab ist aus diesem Kastanienholz seiner Heimat geschnitzt. Bis heute geht er einmal im Jahr in der Heimat "herbsten", wie es heißt, und hilft mit bei der Weinlese.

Bis in seine Sprache wird deutlich, dass Gerber nicht von da kommt, wo er jetzt hin berufen wurde. "Ich hatte den Eindruck, diejenigen, die mich zum Bischof gewählt haben, die haben das sehr bewusst getan, dass sie jemand von außen holen, dass jemand neue Erfahrungen, neue Ideen mitbringt und das einbringt", sagt der Badener.

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Begegnungen auf Augenhöhe

Der schmale und ein wenig asketisch wirkende junge Bischof überragt mit seinen 1,92 Meter viele. Als er dazu einlud, mit ihm in zwei Etappen zu seiner Amtseinführung nach Fulda zu pilgern, zeigte sich: Er will die Begegnung auf Augenhöhe, das gemeinsame Glaubenserlebnis mit Menschen. Mit dem Pilgern verbindet er intensive Erfahrungen bereits aus der Arbeit mit Jugendlichen.

"Die Begegnungen, die sich dann spontan ergeben haben, mit Menschen, die uns mit Schlafsack und Isomatte Quartier gegeben haben, das hat uns immer wieder auch ins Nachdenken gebracht: Ist alles Zufall? Wer sorgt wie für uns? Und da ist die Frage nach Gott neu lebendig geworden", erzählt Gerber. In solchen Momenten sei ihm klar geworden, worum es ihm in seinem priesterlichen Dienst geht: "Nämlich Menschen zu helfen, solche Erfahrungen zu machen."

Was wäre wenn ...?

Für die Kirche begeistert haben Gerber zuerst seine Eltern, die selbst in der Gemeinde engagiert waren, später junge Kapläne, die ihm neue Horizonte eröffneten. Er wurde Messdiener, leitete bald selber Freizeiten. Nur ein Tal weiter gab es damals einen der deutschlandweit schlimmsten Fälle sexuellen Missbrauchs durch Kleriker.

Daran muss Bischof Gerber heute oft denken, wenn er Opfern von Missbrauch begegnet: "Ich habe mich ein paar Mal gefragt: Was wäre passiert, wenn meine Eltern damals nach ihrer Hochzeit nicht in meinen Heimatort, sondern in den anderen Ort gezogen wären? Und ich wäre genau in der Altersgruppe gewesen wie die damaligen Ministranten, und das lässt einen nicht so einfach los."

Keiner, der am System rüttelt

Dennoch ist Gerber keiner, der unter dem Eindruck der Missbrauchsfälle am System rüttelt. Den Beruf des Priesters inklusive Ehelosigkeit kann er jungen Menschen auch heute noch guten Gewissens empfehlen. Daher sei es auch ein Ziel für ihn, Initiativen zu starten, um Menschen neu für diesen Dienst zu motivieren. Er berge Herausforderungen und sei einfach "ein sehr schöner Beruf", so Gerber.

Den Vorschlag des Limburger Nachbarbischofs Georg Bätzing, Priester auch heiraten zu lassen, macht er sich nicht zu eigen. Wichtiger als Strukturen ist ihm die Lebendigkeit des Glaubens. Davon habe stets die Zukunft der Kirche abgehangen, meint Bischof Gerber: "Dass es in ihrem Kern Menschen gab, die auf die 'Karte Jesus' gesetzt haben."

Mögen einige, wie der Limburger Bischof, sagen, die Kirche müsse sich nach den Missbrauchsfällen "quasi neu erfinden", oder wie der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer behaupten, der Machtmissbrauch stecke in der DNA der Kirche und fordere deutliche Veränderungen. So starke Worte oder schlagzeilenträchtige Reformvorstellungen hat der neue Bischof von Fulda nicht im Gepäck.

Sendung: hr-iNFO, 29.3.2019, 19:35 Uhr

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