Nariman

Die Offizierin Nariman Hammouti-Reinke gehört in der Bundeswehr gleich mehreren Minderheiten an: als Frau, als Tochter von Einwanderern aus Marokko und als Muslima. Wie lebt es sich damit?

"Jawohl, angetreten zum Interview" – so meldet sich Nariman Hammouti-Reinke aus dem Studio Hannover und lacht. Die Offizierin zeigt viel Humor, wenn sie über ihr Leben als Soldatin spricht. Auf ihre Uniform sei sie stolz, sagt sie – und: "Anders als andere  Frauen muss ich nicht dauernd überlegen, was ich anziehe."

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Das Interview Symbolbild
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Buchcover von "Ich diene Deutschland" der Autorin Nariman Hammouti-Reinke

Als Tochter marokkanischer Eltern 1979 in Deutschland geboren, wuchs Nariman Hammouti-Reinke in Hannover auf. Mit 16 ging sie von zuhause weg, lernte Reisekauffrau. "Ich war eine Diva damals", sagt sie rückblickend, "ungeschminkt habe ich noch nicht mal den Müll rausgebracht". Dann sah sie im Kino den Film "Pearl Harbour" und begeisterte sich für "Kameradschaft und Nationalstolz", wie sie da gezeigt wurden. "Dann wollte ich zur Bundeswehr." Im Jahr 2005 wurde sie eingezogen und ist als Berufssoldatin bis heute geblieben. Als Offizierin bildet sie selbst junge Soldatinnen und Soldaten aus, trägt den Dienstrang "Leutnant zur See".

Zweimal hat sie sich freiwillig zum Dienst in Afghanistan gemeldet, war jeweils ein halbes Jahr dort. Dass sie neben Arabisch auch Türkisch, Dari und Farsi spricht, war ein großer Vorteil für ihre Einheit in Kundus. Doch sie übersetzte nicht nur, sondern machte auch als Kommandantin eines Panzerwagens ferngesteuerte Minen unschädlich.

Die Bundeswehr zeigt ihre Vielfalt nicht

Zurück in Deutschland fühlte sie sich wie erschlagen – "von den Farben, von dem riesigen Angebot im Supermarkt und von dem ungewohnten Gefühl, ohne Waffe einfach überall hingehen zu können". Außerhalb der Bundeswehr schaut man sie immer noch überrascht, ungläubig oder gar feindselig an, wenn sie mit ihren langen schwarzen Haaren in Uniform unterwegs ist, erzählt Hammouti-Reinke. Dass eine deutsche Soldatin so aussehen kann, sei für viele noch immer nicht selbstverständlich, "weil die Truppe ihre Vielfalt nicht zeigt".

In der Bundeswehr werde sie aber weder als Migrantin noch als Muslima diskriminiert, sagt Hammouti-Reinke. Und auch die Gleichberechtigung der Frauen mache Fortschritte. "Was Sie als Allererstes lernen bei der Bundeswehr, ist, dass Schubladendenken fehl am Platz ist." Umso mehr schämt sie sich für rechtsextreme Vorfälle in der Bundeswehr, die doch eigentlich für die Werte des Grundgesetzes kämpfe. Dass dazu auch und gerade die Vielfalt der Truppe gehöre, will Nariman Hammouti-Reinke mit dem Verein "Deutscher.Soldat." deutlich machen, dessen Vorsitzende sie ist.

Sendung: hr-iNFO, 15.2.2019, 19:35 Uhr

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