Francesca Torricelli

Ist die Wiederwahl von Donald Trump noch zu verhindern? Die bei Berlin lebende US-Autorin Nell Zink ist skeptisch. In ihrem neuen Roman "Das Hohe Lied" aber trotzt eine Familie den politischen und persönlichen Katastrophen.

Auf die Frage, wie die US-Wahl am 3. November ausgehen wird, möchte Nell Zink gar nicht antworten. Aus dem Berliner Studio ist von ihr nur noch ein Wimmern zu hören. Sie fürchtet, dass Donald Trump wiedergewählt wird, genauso wie sie schon 2016 frühzeitig seine erste Wahl voraussah.

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Francesca Torricelli
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In ihrem neuen Roman "Das Hohe Lied" (erscheint am 18. August bei Rowohlt) erzählt sie von einer Familie, die den privaten und den politischen Katastrophen trotzt – von 9/11 in New York über den Tod eines Musiker-Freundes bis zur Wahl von Donald Trump. Zink sagt, sie wolle ganz bewusst keine zwischenmenschlichen Konflikte zeigen, sondern "Menschen, die sich zusammenschließen gegen eine Macht von außen, die sie zermalmen will." Das tut sie in einem rasanten Roman mit viel Witz und Liebe zum Detail auf über 500 Seiten.

"Wie Frösche in einem Kochtopf"

Seit zwanzig Jahren lebt die 1964 in Kalifornien geborene Nell Zink in Deutschland, seit sieben Jahren in Bad Belzig. Das hippe Berlin war ihr damals zu teuer und so ist die Kleinstadt in Brandenburg bis heute der Ort, von dem aus sie schreibend auf die USA blickt. Vieles sehe sie aus der Ferne und bei ihren regelmäßigen Besuchen in den USA schärfer als die Amerikaner selbst, sagt Nell Zink. "Die sind wie Frösche, die man in einen Kochtopf mit kaltem Wasser schmeißt - und merken nicht, wie es immer wärmer wird."

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Buchtipp

Nell Zink, "Das Hohe Lied"
Rowohlt, 25 Euro

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Den Durchbruch als Schriftstellerin erlebte Nell Zink erst mit 50 – und es klingt wie ein Märchen: Wegen ihrer gemeinsamen Leidenschaft für das Beobachten von Vögeln hatte sie sich in einem Brief an den US-Bestseller-Autor Jonathan Franzen gewandt. Der war begeistert und förderte Nell Zink, die bisher nur für Freunde und für den Papierkorb geschrieben hatte. Jetzt erscheint mit "Das Hohe Lied" ihr vierter Roman in deutscher Übersetzung.

Das Schreiben für ein großes Publikum sei immer wieder eine Herausforderung, sagt Nell Zink. Und immer sei ihr Schreiben auch politisch. "Ohne politische Botschaft ist jedes Buch langweilig", sagt sie, "denn unser Zusammenleben als Menschen ist nun mal politisch geregelt." Das könne man nicht ausblenden.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 12.8.2020, 19.35 Uhr

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