Gerkau und Ristau
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Sie rast mit 100 Kilometern pro Stunde die Hänge herunter - und kann dabei kaum sehen. Mit 14 Jahren ist Ristau fast vollständig erblindet. Jetzt tritt sie zusammen mit ihrem Guide Lucien Gerkau bei allen fünf alpinen Disziplinen der Paralympics an. Im Interview erzählen die beiden, wie das funktioniert.

"Uuuund hopp!" - Das Signal kommt regelmäßig aus dem Ohrhörer, den Noemi Ristau beim Skifahren trägt. Eine Bluetooth-Verbindung überträgt die Kommandos von Lucien Gerkau. Er ist Ihre Guide, er fährt vor ihr her, beim Slalom lotst er sie so um die Stangen. "Hab!" Noemi Ristau bestätigt, dass sie dran ist, die beiden Sportler kommunizieren ununterbrochen. Neben dem Gefühl für den eigenen Körper, die Skier und die Piste sind die akustischen Signale die wichtigste Hilfe beim Rennen.

Denn die 26-Jährige hat nur noch zwei Prozent Ihrer Sehkraft. Wenn Lucien Gerkau seinen grellgelben Skianzug trägt und nicht zu weit vorausfährt, kann sie ihn noch erkennen. Aber das alleine würde nicht ausreichen. "In der Abfahrt kommen wir schon auf bis zu 100 Kilometer pro Stunde", erzählt Ristau. Da sei der Abstand zu Lucien ein bisschen größer, weil es sonst zu gefährlich sei. "Dann sehe ich ihn nicht mehr. Aber beim Slalom kann ich ihn schon ab und zu wahrnehmen. Ich kann nicht fokussiert hinter ihm herfahren, aber ich kann immer mal wieder was aufblinken sehen." 

Ein Traum geht in Erfüllung

Noemi Ristau ist eine mutige Frau und eine leidenschaftliche Skifahrerin. Geboren in Großostheim, steht sie mit drei Jahren zum ersten Mal auf Skiern. Mit 14 erblindet sie durch eine Augenkrankheit fast vollständig. Übrig bleiben nur die zwei Prozent Sehkraft und ein gutes Gefühl für Räume und Abstände. Das hilft Ihr beim Skifahren.

Ristau fährt auf der Pister hinter ihrem Guide Gerkau her.
Noemi Ristau (hinten) und Lucien Gerkau auf der Piste Bild © Imago

In Marburg, wo Ristau an der Deutschen Blinden-Studienanstalt (Blista) ihr Abi machen konnte, fand sie auch wieder zu ihrer alten Leidenschaft zurück: Beim Ski-Club Blau-Gelb Marburg lernte sie Lucien Gerkau kennen, einen ehemaligen Skirennfahrer. Die beiden wurden ein starkes Team, das auch deswegen so gut funktioniert, weil sie ihm vertraut.

"Gerade in der Anfangszeit war es wichtig, dass uns da nicht Großes passiert ist. Ich kann schon Menschen schnell vertrauen - aber auch schnell wieder nicht", sagt Ristau. "Dadurch, dass wir dann angefangen haben, regelmäßig zu fahren und ich mich dann auch ziemlich sicher gefühlt habe bei Lucien, konnte ich das Vertrauen gut aufbauen. Und es wächst natürlich. Je länger wir zusammen Skifahren, wird es auch größer." Vor drei Jahren entschlossen sich die beiden, Leistungssport zu betreiben. Jetzt starten sie als Team in allen fünf alpinen Disziplinen bei den Paralympics in Pyeongchang. Für Noemi Ristau und Lucien Gerkau geht  in Korea ein Traum in Erfüllung.     

Noemi Ristau auf der Piste

Videobeitrag

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zum hessenschau.de Video Mit Vollgas zu den Paralympics

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