Norbert Szép
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Als Arzt kennt er die Nebenwirkungen einer luftverschmutzten Stadt nur zu gut. Norbert Szép setzt sich deswegen für das Bürgerbegehren "Radentscheid" ein. Wie sieht seine Vision für die Stadt aus?

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zum Artikel Norbert Szép - Arzt und Fahrrad-Aktivist

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Schönes Frühlingswetter – das ist die Zeit, wo viele ihre verstaubten Fahrräder aus dem Keller holen und ins Grüne radeln. Für andere ist das Fahrrad bei jedem Wetter das tägliche Verkehrsmittel, auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule. Und es werden immer mehr. Wie unsere Städte davon profitieren, wenn viele Menschen aufs Fahrrad umsteigen, und was Architektur und Stadtplanung zu einer fahrradgerechten Stadt beitragen können, das zeigt die Ausstellung „Fahr Rad! – Die Rückeroberung der Stadt“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. Gleichzeitig hat sich eine Initiative gegründet, die mehr und sicherere Radwege in Frankfurt per Bürgerentscheid durchsetzen will. Einer der Initiatoren ist der passionierte Radfahrer und Arzt Dr. Norbert Szép.

Die Stadt würde von mehr Radfahrern profitieren

Am Nibelungenplatz in Frankfurt kreuzen sich die Pendlerströme, die aus Richtung Norden und Richtung Westen in die Innenstadt wollen. Alle, so scheint es, sind hier mit dem Auto unterwegs. Die Luft ist entsprechend. Ausgerechnet hier hat Dr. Norbert Szép seine allgemeinärztliche Praxis. „Wir haben viele Patienten mit Atemwegserkrankungen, Gefäßerkrankungen, auch Krebs“, sagt der Arzt, „all das kann durch Autoabgase verursacht werden.“ Die tägliche Erfahrung mit den tödlichen Folgen der Luftverschmutzung ist einer der Gründe, warum sich Norbert Szép für das Radfahren in der Stadt engagiert. Er selbst radelt täglich in seine Praxis und macht auch die Hausbesuche mit dem Fahrrad – und spart viel Zeit, die ansonsten für Parkplatzsuche draufgehen würde. Doch im Herbst hatte er einen Unfall, bei dem er von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert wurde.

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„Sie erkennen, dass Lebensqualität mit Bewegung auf dem Fahrrad zu tun hat.“ Zitat von Norbert Szép
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Danach fiel der Entschluss: Norbert Szép startete mit Gleichgesinnten ein Bürgerbegehren für mehr und sicherere Radwege in Frankfurt - genannt „Radentscheid“. Denn per Bürgerentscheid soll die Stadt Frankfurt verpflichtet werden, Kreuzungen sicherer zu machen, Nebenstraßen zu beruhigen, und pro Jahr 15 Kilometer neue Radwege zu bauen, plus 5 Kilometer an Trassen für den schnellen Radverkehr: „Wir haben die Vision, dass auf diesen Radwegen sogar zwei Radfahrer nebeneinander fahren und sich unterhalten können, während ein dritter sie überholt, weil er schnell zur Arbeit muss.“ Nur mit bequemen Radwegen, auf denen sich auch alte Menschen und Kinder sicher fühlen, lässt sich das Radfahren zum Massenphänomen machen, sagt Norbert Szép. Und genau das will er. Denn die Stadt als ganze profitiert von gesunder Luft und von einem lebenswerten Stadtraum, in dem man ohne Gefahr flanieren und spielen kann. Städte wie Kopenhagen oder Amsterdam sind die großen Vorbilder.

Te Ara I Whiti, Auckland/Neuseeland, 2016
Lichtweg für Radfahrer und Fußgänger in Auckland/Neuseeland, 2016: Zu sehen in der Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum Bild © Monk Mackenzie Architects

Mittlerweile sei Fahrradfahren bei den Jüngeren längst hip geworden, meint Norbert Szép, das Auto habe als Status- und Feiheitssymbol bald ausgedient: „Wir erleben immer mehr, dass Kinder gar keinen Führerschein mehr machen, weil sie in der Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad super vorankommen. Und das Bedürfnis nach einem großen, dicken Schlitten haben sie nicht mehr. Sie erkennen, dass Lebensqualität mit Bewegung auf dem Fahrrad zu tun hat.“ Jetzt müssen nur noch Verkehrspolitiker und Stadtplaner die Voraussetzungen dafür schaffen. Das Bürgerbegehren für mehr Radwege müssten mindestens drei Prozent der Wahlberechtigten in Frankfurt mit ihrer Unterschrift unterstützen, dann könnte der Radentscheid stattfinden. Norbert Szép peilt dafür das Datum der Landtagswahl im Oktober an, dann werden die Bürger ohnehin in die Wahllokale gerufen.

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Sendung: Freitag, 20.4.2018, 19.30 Uhr

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