Olga Witt
Olga Witt vor ihrem "Unverpackt-Laden" in Köln Bild © Stephanie Kunde

Handbrause statt Klopapier, Stoffbeutel statt Plastiktüte: Olga Witt versucht, Müll zu vermeiden. Sie ist Vorreiterin der "Zero Waste"-Bewegung, die immer mehr Anhänger findet. Ihren Job als Architektin hat sie an den Nagel gehängt und betreibt heute den ersten "Unverpackt-Laden" in Köln. Denn es sei "Zeit, dass wir endlich mal Verantwortung übernehmen".

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"Tante Olga" - bei diesem Namen hat man sofort das Bild vom "Tante-Emma-Laden" im Kopf. Aber ihr Geschäft sei die moderne und zeitgemäße Variante, erklärt Olga Witt. Man kriegt dort alle Waren unabgepackt und in loser Form – von trockenen Lebensmitteln wie Reis, Nudeln, Hülsenfrüchten, Mehl oder Kaffee bis zu Haushaltsartikeln wie Seife oder Zahnpasta-Tabletten. Dazu gibt es Brot, Eier, Gemüse und Obst aus biologischem Anbau. Wer dort einkauft, muss Stoffbeutel, Dose oder Glas mitbringen, um die Waren darin zu verstauen. Sogar eine Coffee-to-go-Ecke gibt es im Laden, aber natürlich wird der Kaffee nicht in Pappbecher gefüllt, sondern in mitgebrachte Tassen oder beispielsweise in wiederverwertbare Becher aus Bambus, die man bei "Tante Olga" kaufen kann. Die Kunden wären sehr offen und ließen sich leicht umerziehen", sagt Witt: "Es gibt sehr viele Menschen, die dieses Bewusstsein dafür haben, dass es keine gute Idee ist, 230.000 Kaffeebecher in der Stunde wegzuschmeißen."

Weniger Konsum, mehr Glück?

Olga Witt
Im "Tante Olga" gibt's nur Waren ohne Wegwerfverpackung Bild © Olga Witt

Der Unverpackt-Laden ist das Ergebnis eines langen Veränderungsprozesses, den die frühere Architektin durchlaufen musste. Mehrere Reisen nach Südostasien hätten ihr vor Augen geführt, dass die Menschen, die oft weniger haben, viel glücklicher seien als wir in unserer Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Als sie dann noch von der Bewegung "Zero Waste" aus den USA hörte, fand sie das, wonach sie gesucht hatte. Seit einigen Jahren versucht Olga Witt, konsequent Müll zu vermeiden und fand auch den passenden Mann, der sie im Privatleben und auch bei der Idee unterstützte, einen Unverpackt-Laden zu gründen.

Toilettenpapier kommt nicht ins Haus

Vor acht Monaten bekam das Paar das erste gemeinsame Kind. Kein Wunder, dass sie nun auch das spannende Experiment "Zero Waste Baby" durchführen. Denn gerade Einwegwindeln erzeugen riesige Müllberge, die man vermeiden könnte, ist Olga Witt überzeugt. Pro Kind fielen rund 5.000 weggeworfene Windeln an, umgerechnet seien das etwa 1.400 Kilogramm Müll. Die junge Mutter benutzt Mehrwegwindeln mit waschbaren Einlagen. Feuchte Tücher kommen ihr gar nicht erst ins Haus. Genauso wenig wie Toilettenpapier, diesen Zweck erfüllt bei Familie Witt eine Handbrause direkt neben dem Klo. Olga Witt ärgert sich auch nicht mehr über unsinnige Plastikverpackungen in Supermärkten, denn dort geht sie ohnehin nicht mehr einkaufen. Das könne sie ausblenden. In kleineren Bio-Läden bekomme sie alles, was sie brauche, erzählt sie.

"Viele Menschen verschließen die Augen"

Weitere Informationen

Buchtipps:

"Ein Leben ohne Müll - Mein Weg mit Zero Waste"
von Olga Witt
Tectum Verlag
18,95 Euro

"Zero Waste mit Baby - Kleines Leben ohne Müll"
von Olga Witt
Tectum Verlag
20 Euro

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Olga Witt, die sich als eine Vorreiterin der Bewegung "Zero Waste" in Deutschland sieht, möchte vor allem zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Es geht ihr nicht nur um bewusstes Einkaufen und Vermeiden von Müll. "Zero Waste" sei vielmehr eine ganzheitliche Lebensphilosophie für sie geworden. Ein wichtiges Stichwort dabei sei Konsumverzicht: "Die meisten Produkte, die wir konsumieren, hängen mit der Ausbeutung der Natur, anderer Menschen und Regionen zusammen. Eigentlich wissen wir das ja, aber wir verschließen die Augen davor."

Daher lässt sie sich auch ungern neue Dinge schenken, sondern verwertet bereits Gebrauchtes. Und Sie zeigt anderen auf ihrer Homepage, wie man viele Dinge für die Küche und den Haushalt selbst herstellen kann - beispielsweise Spüllappen aus alten Handtüchern, Geschenkpapier aus Stoffresten oder flüssiges Waschmittel aus gehobelter Kernseife. Olga Witt ist überzeugt: "Man muss das große Ganze sehen, es geht um Ressourcen, die verbraucht, verschwendet und weggeworfen werden. Ich säe einen Gedanken und die Menschen kommen und informieren sich, und das ist das Wichtige, dass die Message verbreitet wird, dass wir langsam mal Verantwortung übernehmen müssen."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 31.7.19, 21:35 Uhr

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