Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt
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Fischer hat seine Kritik an der AfD bei der Mitgliederversammlung bekräftigt. Im Anschluss wurde er mit 99 Prozent der Stimmen erneut zum Präsidenten gewählt. Im Interview spricht er über Drohungen gegen seine Familie, gesellschaftliches Engagement und darüber, wie wichtig ihm gerade jetzt die Unterstützung der Fans ist.

Peter Fischer füllt den Raum aus, wenn er ihn betritt. Nicht nur, weil er ein sehr großer Mann ist.  Vor allem, weil er derzeit selber so erfüllt ist von Emotionen, von der Überzeugung, als Präsident von Eintracht Frankfurt eine Debatte führen zu müssen, die er mit einer Aussage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Dezember letzten Jahres angestoßen hat. Es geht um die AFD und ihre Wähler: "Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt."

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 Als wir unser Gespräch im Hörfunk-Studio von hr-iNFO beginnen, spürt jeder etwas von dem Willen, von der Kraft des Mannes, der am Wochenende mit 99 Prozent der Stimmen für vier weitere Jahre zum Präsidenten der Eintracht gewählten wurde. Mehrfach schlägt seine Hand auf den Tisch. Schnell wird klar: Peter Fischer steht zu dem was er gesagt hat. Gleichzeitig Eintracht-Mitglied zu sein und eine rechtspopulistische Partei zu wählen, ist aus seiner Sicht unvereinbar. "Ich habe nichts zu relativieren und nichts zurück zu nehmen", bekräftigt er.

"Protest kann man äußern, ohne diese Partei zu wählen"

Eine Art Gesinnungsprüfung werde es bei der Eintracht nicht geben, sagt Fischer. Jeder müsse aber sich selber prüfen, ob das, was er denkt und vertritt, zu dem Geist und zu der Satzung der Eintracht passe. Gibt es bei Fischer aber auch Verständnis für Menschen, die AFD wählen – vielleicht aus Protest? Er habe grundsätzlich Verständnis dafür, dass "wir in einem Land leben, in dem sich die großen Volksparteien sicherlich auch in den letzten Jahren nicht besonders gut verhalten haben."

Es gebe Sorgen, Nöte und Probleme, die er sehe. Aber - und das sage er ohne populistischen Ansatz: "1933 haben elf Millionen Leute NSDAP gewählt. Niemand oder wenige von diesen Wählern wollten ihre Söhne und ihre Väter an der Ost- oder der Westfront verlieren, in Stalingrad. Niemand wollte Juden ins Gas schicken! Aber mit ihrer Stimme haben sie den Weg frei gemacht. Von daher sage ich: Protest kann man anders und ganz deutlich üben und äußern, ohne diese Partei zu wählen!"

Politisches Engagement ist wichtig, nicht wählen zu gehen ist dumm, sagt Fischer. Engagieren kann sich aus seiner Sicht jeder, allerdings viel besser in den demokratischen Volksparteien - zum Beispiel an der Basis in den Ortsverbänden. "Da kann man dafür sorgen, dass die mal wach werden!"

"Dialoge mit AfD derzeit nicht möglich"

Die Möglichkeit, persönlich mit Vertretern der hessischen AfD in einen Dialog zu gehen, sieht der Präsident der Eintracht derzeit nicht. Das habe in erster Linie mit Hassmails, Beschimpfungen und Drohungen gegen seine Söhne, Partnerin und ihn selbst zu tun, die er erhalten habe und noch immer erhalte. "Und nachdem ich weiterhin die Nachrichten verfolge und bewusste Fake News lese, denke ich, dass es im Moment überhaupt nicht möglich ist, Dialoge einzugehen."

Für den Vorwurf, er verurteile alle AfD-Wähler und Mitglieder pauschal, hat Fischer kein Verständnis: "Ich habe doch niemanden ausgeschlossen, ganz im Gegenteil. Hier sitzt ihnen doch der Oberdemokrat der Bundesrepublik Deutschland gegenüber, wenn ich mich so bezeichne. Ich habe gesagt: 'Prüft Euch, ob das eine mit dem anderen zusammengeht. Niemand hat gesagt, 'Du kannst nicht und du darfst nicht!'"

"Tut gut zu wissen, wo die Eintracht-Familie steht"

Und wieder pocht die Faust vernehmlich auf den Studiotisch. Was dem Eintrachtpräsidenten derzeit Kraft und Zuversicht gibt, sind die große Unterstützung aus breiten Teilen der Bevölkerung. Und die klare Zustimmung, der große Beifall bei der Mitgliederversammlung der Eintracht: "Es tut natürlich gut. Ich mach doch aus meinem Herzen keine Mördergrube. Es tut gut, in so einer Sache zu wissen, wo eine Eintracht-Familie steht. Das trägt mich im Moment auch. Das Adrenalin ist weiterhin in mir und das ist das, was ich im Moment ganz stark brauche."

Peter Fischer freut sich über seine Wiederwahl als Präsident von Eintracht Frankfurt.
Peter Fischer freut sich über seine Wiederwahl als Präsident von Eintracht Frankfurt. Bild © picture-alliance/dpa

Das Interview mit Peter Fischer führten Stefan Bücheler und Martina Knief.   

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