Peter Kriechel

Peter Kriechel hat das Hochwasser im Ahrtal hart getroffen: Allein 40.000 Liter Fasswein des Winzers riss die Flut fort, die Familie stand vor dem Nichts. Doch dann kam die Hoffnung - und viel Engagement. Zusammen mit anderen kreierte Kriechel den "Flutwein" - eine Idee aus der Not, die zur Erfolgsgeschichte wurde.

Seinen Optimismus hat Peter Kriechel nie verloren. 38 Jahre, Winzer im Ahrtal, zupackender Typ. Schon am Tag nach der Hochwasser-Katastrophe im Juli war ihm klar: "Aufgeben ist keine Option". Dabei hätte ihm der Gedanke durchaus kommen können. Das Weingut Peter Kriechel, benannt nach seinem Großvater, der das Gut gründete, war schwer getroffen. 40.000 Liter Fasswein hatte die Ahr mitgerissen, 30.000 Flaschen zerstört. Noch dazu die besten Weine. "Das waren die Champions", erzählt Kriechel im Interview mit hr-iNFO.

Das Lebenswerk von Vater und Großvater sieht Peter Kriechel in Trümmern. Und doch krempelt die Familie die Ärmel hoch. "Wir können an der Situation, was passiert ist, nichts ändern. Aber wir können jetzt das Beste geben, um alles wieder aufzubauen, um alles wieder gut zu machen."

hr-iNFO-Redakteur Christoph Scheld (links) und Peter Kriechel

"Flutwein" hilft Winzern in den ersten Wochen

Viele Helfer kommen aus der ganzen Republik, selbst aus Luxemburg und Frankreich. Vor allem die Weinszene hält zusammen, Peter Kriechel berichtet von einer unglaublichen Solidarität. "Wer den Glauben an die Menschheit verloren hat, der soll ins Ahrtal kommen". Doch nicht alle Erfolgsgeschichten kommen von allein. Kriechel arbeitet auch an noch mehr Unterstützung und kreiert mit Freunden die "Flutwein"-Kampagne. Schließlich hat fast jedes Weingut nun verschlammte Weinflaschen im Keller, die sich so kaum verkaufen lassen, obwohl der Inhalt unbeschädigt ist.

Peter Kriechel und seine Mitstreiter machen daraus eine Tugend, es entsteht Deutschlands größte Crowdfunding-Kampagne. Fast 50.000 Weinliebhaber ordern eine Zufallsauswahl verschlammter Flaschen, es kommen 4,5 Millionen Euro zusammen - die erste Liquiditätsspritze für die geschädigten Weinbetriebe im Ahrtal. Während die Politik noch längst nicht über Hilfen entschieden hat und die Versicherungen erst noch die Schäden aufnehmen.

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"Da zerbricht das Herz"

Zur Ruhe kommen, nachdenken über das, was da passiert ist, das konnte Peter Kriechel bis heute nicht. "Zu viel zu tun", sagt er. Denn als das Hochwasser kam, da waren es nur noch gut acht Wochen bis zum Beginn der Weinlese. Doch im Keller war keine Maschine mehr intakt, das Wasser stand bis zur Decke, kein Strom. In die Altstadt von Bad Neuenahr-Ahrweiler hat sich Kriechel erst nach drei Monaten getraut. Auch er geschockt, wie viel immer noch kaputt ist. "Da zerbricht das Herz. Wenn man diese lebensfrohe Stadt kennt und geht da durch und sieht einfach nur die blanke Zerstörung".

Freude an Genuss nicht weggeschwemmt

Die Freude am Genuss hat die Flut Peter Kriechel nicht nehmen können. Schließlich sei der Wein nicht nur Existenz, sondern auch Kultur und Lebensfreude. Doch die Genuss-Momente genieße er nun bewusster. Denn von der Flut bleibe auch, "dass man hier jetzt ganz anders über das Leben denkt. Dass das Materielle in den Hintergrund rückt und die Familie noch mehr in den Mittelpunkt. Ja", sagt Peter Kriechel mit einem Kloß im Hals, "man denkt ganz anders übers Leben".

Zerstörung und Wiederaufbau im Ahrtal
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