Stefan Bücheler (l.) mit Ralf Groene
Unser Redakteur Stefan Bücheler (links) ist beeindruckt: Das Telefon im hr-iNFO-Studio hat Ralf Groene designt. Bild © hr

Er trägt die Verantwortung für alle Design-Entscheidungen bei Microsoft. Im Interview spricht der ehemalige Werkzeugmacher darüber, was ein erfolgreiches Design für ihn ausmacht.

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Als Ralf Groene nach dem Interview aus dem Studio in die Regie kommt, deutet er spontan auf ein Telefon neben dem großen Mischpult. "Das habe ich auch designt!" In das ungläubige Lachen und Fragen hinein sagt er ein bisschen beschämt: "Naja, wenn man das so lange macht wie ich, dann kann das schon mal passieren."

Das Telefon-Design stammt aus dem Leben vor Microsoft, als Groene unter anderem bei Firmen wie Palo Alto Design als Industriedesigner arbeitete. Die Begegnung mit dem Designer, der seit 2015 den beeindruckenden Titel "Head of Industrial Design Microsoft Device" und damit die Verantwortung für alle Designentscheidungen bei Microsoft trägt, ist wohltuend unspektakulär.

"So wenig Design wie möglich"

Groene gehört zu den Menschen, die nicht versuchen müssen, etwas darstellen. Er ist ganz entspannt er selbst und das spiegelt sich in seiner Design-Philosophie: "Ein erfolgreiches Design ist, wenn man eine Idee hat, diese Idee entwickelt und irgendwann nichts mehr reduzieren kann. Wenn man eine Geschichte entwickelt, sie aufschreibt und sie so reduziert, dass wenn man einen Satz aus dem Geschriebenen rausnimmt, es keine Geschichte mehr ergibt. Und dann legt man ihn wieder rein, dann ist die Geschichte wieder da und dann hat man genau die Balance gefunden. Es ist so eine Art Reduktion auf das Essenzielle von der ursprünglichen Idee."

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Zur Person

Ralf Groene wurde 1968 in Wolfsburg geboren. Nach einer Lehre als Werkzeugmacher studierte er Industriedesign an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Noch während seines Studiums zog es Groene in die Vereinigten Staaten. Ab 1996 arbeitete er dort als Industriedesigner bei unterschiedlichen Firmen wie Palo Alto Design, frog design oder IDEO.  

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Mit dieser Philosophie hat Ralf Groene dem "Surface Book", dem ersten Laptop des Software-Riesen Microsoft seine Form gegeben. Inzwischen ist klar: Die Hardware der Surface-Reihe, die Tablets und Laptops haben das Zeug, dem großen Konkurrenten Apple Paroli zu bieten. Für Ralf Groene und sein Team war das aber nicht die stärkste Motivation bei der Entwicklung der Hardware. "Wir entwickeln unsere Geräte, um das digitale Medium zu den Kunden zu bringen. Wir orientieren uns relativ wenig an der Konkurrenz. Bei Computern ist es so, dass die Hardware eine Bühne ist für die Software. Wir sagen 'Stage for Software' und das heißt: So wenig Design wie möglich."

Der Computer als Bestandteil der Persönlichkeit

Wenn Ralf Groene über seine Ideen spricht, wird deutlich, dass er von der Design-Philosophie des Bauhaus inspiriert ist:  "Schön ist, was funktioniert." Dabei ist dem Industrie-Designer klar, dass Computer heute eine ganz andere Bedeutung im Leben der Kunden haben als die Plastik-Kisten des letzten Jahrhunderts. Sie seien als Objekt im Leben eines Kunden ein "Bestandteil einer Persönlichkeit." Den Laptop trage man immer mit sich herum und er beinhalte nicht nur technische Dinge, sondern "ein ganzes Leben von sozialen Netzwerken, Bankverbindungen, E-Mails, Business-Pläne bis hin zur Kunst. Der Computer ist heutzutage ein sehr spannendes Objekt."

Zitat
„Ein erfolgreiches Design ist eine Art Reduktion auf das Essenzielle von der ursprünglichen Idee.“ Zitat von Ralf Groene
Zitat Ende

Und eins, das sich schnell entwickelt. Ralf Groene glaubt, dass wir zukünftig ganz selbstverständlich auf vielfältige Weise mit den Rechnern kommunizieren werden - per Sprache, mit Gesten oder Stift, ganz klassisch über eine Tastatur. Die Maschinen werden uns erkennen, wenn wir den Raum betreten und ihre Intelligenz wird nicht mehr in einem einzelnen Gerät liegen, sondern in Netzwerken, auf die wir von dort, wo wir gerade sind, mit ganz unterschiedlichen Geräten zugreifen können. Die große Herausfdorderung könnte dabei sein, den "Ausschalter" zu finden, aber "den designen wir dann auch noch", sagt Groene und lächelt.

Sendung: hr-iNFO, 21.11.2018, 19.35 Uhr

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