Eine Szene aus der Dokumentation "Die Hälfte der Welt gehört uns"
En garde: Frauen mussten für ihr Wahlrecht kämpfen. Bild © ARD

Damit Frauen in Deutschland, England und Frankreich vor 100 Jahren zum ersten Mal wählen durften, haben sie gekämpft, gestreikt und gehungert. Vom damaligen Kampf erzählt Annette Baumeisters ARD-Doku-Film "Die Hälfte der Welt gehört uns".

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zum Artikel Annette Baumeister - Drehbuchautorin und Filmregisseurin

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Am 12. November 1918 führten die Gründer der Weimarer Republik in Deutschland das Frauenwahlrecht ein. Und am 19. Januar 1919 konnten Frauen dann in Deutschland zum ersten Mal wählen und sich wählen lassen. So wie die SPD-Politikerin Marie Juchacz (im Film verkörpert von Paula Hans), die als eine von 37 Frauen in die Weimarer Nationalversammlung gewählt wurde und dort als erste Frau eine Rede hielt. Sie ist eine der vier Frauen, die in Annette Baumeisters Film "Die Hälfte der Welt gehört uns – als Frauen das Wahlrecht erkämpften" eine tragende Rolle spielt - neben Emmeline Pankhurst (gespielt von Esther Schweins), britische Suffragetten-Anführerin, der deutschen Juristin Anita Augspurg (gespielt von Johanna Gastdorf), und Maguerite Durand (gespielt von Jeanette Hain), einer führenden französischen Frauenrechtlerin der Zeit.

Das Vorgehen dieser Frauen aus Deutschland, England und Frankreich sei so unterschiedlich gewesen wie ihre Charaktere. Aber gemeinsam standen sie an der Spitze des Kampfes Tausender Frauen um das Wahlrecht – quer durch Europa. Annette Baumeister sagt, es sei ihr wichtig gewesen, eine Gesamtschau zu zeigen: "Es gibt nicht nur die eine Sicht auf das Frauenwahlrecht, sondern es gibt viele und es gibt unterschiedliche Wege dafür zu kämpfen." Der Film zeigt auch: Frauen wurden in ihrem Kampf um Gleichberechtigung verspottet, eingesperrt, gefoltert. Einige starben sogar für die Sache. Als Antwort darauf gingen einige der Streiterinnen auch gewalttätig vor, legten Brandsätze und schlugen Scheiben ein.

Am Set wurde viel diskutiert und gestritten

Das, was die Filmemacherin Annette Baumeister aber am meisten überraschte, als sie sich mit dem Thema beschäftigte, war, wie "modern" die Frauen damals waren, erzählt sie: "Sie hatten die gleichen Probleme und Herausforderungen wie wir Frauen heute: Manche von ihnen waren alleinerziehend, bei Pankhurst war der Mann verstorben, sie musste sich alleine um die Kinder kümmern, und alle Frauen mussten ihre Berufung, den Beruf und das Privatleben miteinander vereinbaren."

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Sendezeiten

Dienstag, 13.11.2018, 20.15 Uhr bei ARTE
Montag, 26.11.2018, 23.30 Uhr im Ersten

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Beim Schreiben des Drehbuchs gemeinsam mit ihrem Mann und später auch beim Drehen sei viel diskutiert und gestritten worden, aber genau das habe dem Film gutgetan, meint die Filmregisseurin: "Am Set war die Stimmung unglaublich energiegeladen und ich glaube, alle, die an diesem Projekt teilgenommen haben, waren berührt von der Kraft dieser Frauen und von ihrem Wunsch, dass ihnen die Hälfte der Welt gehört."

Rollen vorleben ist wichtig

Wenn Pankhurst und ihre drei Mitstreiterinnen allerdings auf die Situation heute schauen könnten, wären sie nicht ganz zufrieden, glaubt Baumeister. Es sei zwar einiges geschafft auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, aber man müsse doch noch weiterkämpfen. "Der größte Handlungsbedarf ist das Vorleben von Rollen für unsere Kinder", so Baumeister. Das sei ein zentraler Punkt für Veränderungen in der Gesellschaft.

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In "Das Interview" spricht Annette Baumeister, die in Berlin und Los Angeles lebt, auch darüber, was die #Metoo-Debatte und die Women's Marches gegen Präsident Donald Trump in den USA bewegt haben.

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Die Beschäftigung mit den Anfängen der Frauenbewegung vor 100 Jahren habe sie selbst verändert, erzählt die Mutter eines Sohnes. Ihr sei klar geworden, dass sie selbst auch immer eine Art Streiterin für Frauenrechte war – allerdings ohne es selbst zu realisieren –, weil sie eine "Macherin" sei. Durch den Film sei ihr dann klar geworden, "dass wir auf den Schultern von Riesinnen stehen - von Frauen, die für uns unglaublich gestritten, gekämpft und gefochten haben." Man könne von den Pionierinnen der Frauenbewegung lernen, den Mund aufzumachen, sich zu äußern und zu streiten. Nur so könnten Ziele erreicht werden, meint Baumeister.

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Sendung: hr-iNFO, 7.11.2018, 19.35 Uhr

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