Reinhard Ernst
Bild © Reinhard & Sonja Ernst−Stiftung

Die Wilhelmstraße in Wiesbaden ist die Prachtstraße der Landeshauptstadt. Hier soll ein Museum für abstrakte Kunst entstehen, gestiftet von Reinhard Ernst. Die Sammlung des gelernten Speditionskaufmanns ist einzigartig, sagen Experten - und ziemlich wertvoll. Und es gibt sie nur, weil es an einem Wochenende in Paris vor vielen Jahren regnete ...

Ein großes schwarzes Tableau, darauf wilde Linien und Spritzer in Weiß und Rot. Das ist eines der Bilder, die Reinhard Ernst in seinem Büro hängen hat. Gemalt hat es der Franzose Georges Mathieu – und zwar innerhalb weniger Minuten, weiß der Sammler: "Diese Bilder sind wunderschön, weil der Künstler am Anfang selbst nicht wusste, wie das Bild wird."

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Abstrakte Formen, die Kombination der Farben, die Art des Pinselstrichs – das ist es, was ihn an einem Gemälde anspricht. "Bei abstrakter Kunst muss ich mir überhaupt nichts vorstellen können", sagt Ernst. "Ich kann einfach sagen, es gefällt mir oder es gefällt mir nicht." Und deshalb sammelt Reinhard Ernst ausschließlich abstrakte Malerei aus Deutschland, Europa, den USA und Japan, entstanden nach 1945. Etwa 600 Bilder hat er zusammengetragen, der Gesamtwert wird auf 50 bis 70 Millionen Euro geschätzt. Eine einzigartige Sammlung, sagen Experten.

Entwurf für das Ernst-Museum in Wiesbaden
Der Entwurf für das neue Museum in Wiesbaden stammt vom japanischen Stararchitekten Fumihiko Maki. Bild © wiesbaden.de / Maki and Associates

"Zu Hause hieß es 'brotlose Kunst'"

Dabei hatte Reinhard Ernst als junger Mann mit Kunst gar nichts am Hut. "Bei uns zu Hause hieß es 'brotlose Kunst'", erinnert er sich. "Damit kannst Du nix verdienen, also lass es!" Aufgewachsen im Westerwald, lernte Ernst Speditionskaufmann. Durch Zufall stieg er in eine Firma für moderne Antriebstechnik ein, die er später übernahm und zu weltweitem Erfolg führte. Ein zweites Unternehmen kam hinzu, beide in Limburg, mit hunderten Mitarbeitern und vielen Geschäftsreisen für Reinhard Ernst. Ein verregnetes Wochenende in Paris führte ihn ins Museum und zu einer neuen Leidenschaft, die bis heute anhält.

Jetzt  ist Reinhard Ernst 72. Er und seine Frau haben keine Kinder, die Firmen sind verkauft. Seine Stiftung fördert soziale und künstlerische Projekte und sie wird das Museum für abstrakte Kunst in Wiesbaden bauen. Die Stadt überlässt Reinhard Ernst dafür das wertvolle Grundstück an der Wilhelmstraße 1, der Vertrag dazu wurde kurz vor Weihnachten unterzeichnet. Alles andere bezahlt Ernst: den Entwurf des japanischen Stararchitekten Fumihiko Maki, den Bau und den Betrieb des fertigen Museums.

Bilder oft zu teuer für öffentliche Museen

Ernst sieht es als seine Verpflichtung an, seine Sammlung der Öffentlichkeit zu zeigen. "Bei den Preisen heute können es sich öffentliche Museen leider oft nicht mehr leisten, Bilder zu kaufen. Da müssen private Sammler in die Lücke springen", meint Ernst. Er wäre jedenfalls nie auf die  Idee gekommen, ein Bild nur für sich zu kaufen, um es zu Hause aufzuhängen. Dennoch: Ein Geschenk an die Stadt Wiesbaden ist das Museum für abstrakte Kunst nicht, betont Reinhard Ernst. Seine Stiftung wird es bauen und betreiben, wird die Entscheidungen treffen über architektonische Form, Inhalt und Präsentation. Dass das ein Gewinn für die Stadt sein wird, davon hat der Kunstsammler in Wiesbaden die meisten Bürger, Politiker und Experten überzeugt.

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