Rolf Seelmann-Eggebert

Keine Hochzeit bei Königs ohne ihn: Seit 40 Jahren berichtet Rolf Seelmann-Eggebert über die europäischen Könighäuser. Weniger bekannt ist, dass er davor als ARD-Korrespondent in Westafrika unterwegs war. Ein Gespräch über die Faszination für Königshäuser, Leben in Krisengebieten und den Brexit.

Dass das norwegische Kronprinzenpaar Mette-Marit und Haakon mit einem "Literatur-Zug" zur Frankfurter Buchmesse kam, Schriftsteller aus ihrer Heimat mitbrachte und sich sehr volksnah präsentierte, hat Rolf Seelmann-Eggebert nicht überrascht. Denn "die jungen Royals, die eines Tages die Krone tragen werden, sind alle viel besser als ihr Ruf", sagt er.

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Und sie erregen Aufsehen. Die Faszination für Königshäuser sei ungebrochen, meint Seelmann-Eggebert. Schließlich gäbe es in Deutschland ja auch keinen König oder Kaiser mehr. "Und wir borgen uns diesen Glanz von Zeit zu Zeit - in der Gewissheit, dass wir dafür nicht so viel zu bezahlen haben."

"Königshäuser müssen sich weiterentwickeln"

Der Adelsexperte der ARD blickt nach 40 Jahren Berichterstattung unaufgeregt auf die Welt der Reichen und Blaublütigen, sagt aber auch: "Ich gebe zu, dass mich gelegentlich Glanz und Pomp erreichen, aber es ist relativ selten, dass es noch passiert."

Ein Fan der Monarchie sei er definitiv nicht. Für ihn sei es aber spannend gewesen zu sehen, wie gut diese altmodische Institution noch funktioniere. Aber auch die Königshäuser müssten sich weiter entwickeln und für die Zukunft aufstellen, sonst hätten sie Probleme, meint der Journalist: "Also die Monarchie muss mit der Zeit gehen."

Reporterleben in Krisen- und Kriegsgebieten

Für die meisten ist Rolf Seelmann-Eggebert der Adelsexperte schlechthin. Doch seine Karriere als Journalist hat ganz anders angefangen: als Afrika-Korrespondent der ARD. Ende der 60er Jahre, als die ARD noch ganz jung und das Radio noch Leitmedium war, ging er mit seiner Familie als Hörfunkjournalist nach Abidjan an die Elfenbeinküste, später arbeitete er als Fernsehkorrespondent im ARD-Studio in Nairobi. In seinem Buch "In Hütten und Palästen", das er zusammen mit seiner Tochter Adele Seelmann-Eggebert geschrieben hat, erinnert er sich an sein Reporterleben in Afrika, wo er vor allem als Krisen- und Kriegsreporter im Einsatz war.

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"Journalisten müssen auch helfen"

Nach 1960, als die meisten Kolonien aufgelöst wurden, sei eine Zeit des Aufbruchs in Afrika gewesen und es habe damals die Hoffnung gegeben, dass sich ein freies Afrika positiv entwickeln würde, erzählt der Journalist. Aber es kam anders und überall flammten Bürgerkriege zwischen verfeindeten Stämmen auf. Der Biafra-Krieg in Nigeria, die Völkermorde in Burundi, die tägliche Berichterstattung über Tod, Zerstörung, Hunger und Elend, das habe ihn sehr geprägt.

Für ihn war klar, dass man in solchen Situationen als Journalist nicht nur die Pflicht habe zu berichten, sondern auch zu helfen. "Wir haben dann von Hamburg aus einen Tag für Afrika veranstaltet, der die ganz große Hungersnot damals in Äthiopien beschrieb", erzählt er. Bei der Spendenaktion wurden Hilfsgüter und Geld für Afrika gesammelt.

Kaum einer kam den Royals so nahe

Auch wenn man damals nicht sicher sein konnte, ob die Hilfe auch wirklich bei den Menschen ankomme, sei sein Credo immer gewesen: "Ein paar Menschen zu retten ist besser, als gar keinen zu retten." Die Jahre in Afrika hätten auch seine ganze Familie geprägt, erzählt Rolf Seelmann-Eggebert. Seine drei Kinder verbrachten dort einen Großteil ihrer Kindheit und hätten sich bei der Rückkehr nach Deutschland ein wenig fremd gefühlt.

Seelmann-Eggebert Mariela


Viel Zeit dort anzukommen, hatte die Familie nicht, denn Rolf Seelmann-Eggebert wurde schon bald als ARD-Korrespondent und Studioleiter nach London geschickt. Dort begann 1978 seine Karriere als Adelsexperte, als der 30. Geburtstag von Prinz Charles gefeiert wurde und er regelmäßig über das englische Königshaus berichtete. Kaum einer kam den Royals im Buckingham-Palace so nahe wie er. Die Queen verlieh Rolf Seelmann-Eggebert sogar einen Ritterorden.

"Queen ist Lautsprecher der Regierung"

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„Insgeheim habe ich mir gewünscht, dass die Queen mal sagt: 'Lasst den Quatsch.'“ Zitat von Rolf Seelmann-Eggebert zum Brexit
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Wenn man ihn auf die Rolle der Queen im Streit um den Brexit anspricht, analysiert er nüchtern: "Die Queen ist ein Lautsprecher für die Regierung des Tages". Bei der "Queens-Speech" vergangene Woche im britischen Parlament wurde es deutlich, als sie die politische Agenda von Premierminister Boris Johnson verlas.

Ihrem Image könne das aber nichts anhaben, ist Seelmann-Eggebert überzeugt. Insgeheim habe er sich aber gewünscht, dass die Queen mal zum Brexit sagen würde: "Lasst den Quatsch."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 21.10.2019, 19.35 Uhr

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