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Zum Artikel Sabine Frank – Deutschlands erste Nachtschutzbeauftragte aus Fulda

Sabine Frank

Sie ist die erste und einzige Nachtschutzbeauftragte Deutschlands: Sabine Frank schlägt sich in Fulda und in der Rhön die Nacht um die Ohren und setzt sich für weniger künstliche Beleuchtung ein.

"Retterin der Nacht" wurde sie schon genannt. Sie selber sagt, sie sei verliebt in die Nacht. Und wenn sie Nachteule genannt wird, dann sei das für sie keine Beleidigung. Sabine Frank ist ganz offiziell Nachtschutzbeauftrage beim Kreis Fulda. Sie koordiniert die Aktivitäten des Sternenparks in der Rhön und berät Kommunen und Firmen in Sachen Beleuchtung von Straßen, Parkplätzen oder Gebäuden.

Sie ist die Vorreiterin eines neuen Denkens: Beim Licht ist weniger mehr. "Derzeit sehe ich tagsüber auch aus wie eine Eule", sagt sie, lacht und erzählt, dass sie ohnehin selten früh ins Bett kommt. Derzeit aber ist sie noch nachtaktiver als sonst. Es sind "Sternenparkwochen" in der Rhön und Sabine Frank ist eine der Führerinnen durch die Nacht.

"Ich bin letzte Nacht um zwei Uhr in’s Bett gegangen und um fünf wieder aufgestanden", sagt die Sozial- und Kulturwissenschaftlerin und Hobbyastronomin. Es folgt ein gedehntes "Jaaaa", als müsse sie kurz drüber nachdenken, wie wenig Schlaf das eigentlich ist. Dann sagt sie "So ist das halt im Sommer".

Die Begeisterung für die Nacht

Der August ist die Zeit der Sternschnuppen, der Perseiden, die am 12. August ihren Höhepunkt erreichen. In der Rhön kann man derzeit Planeten sehen, die Milchstrasse bewundern oder ein bisschen mondsüchtig werden. Eine Mondführung auf der Wasserkuppe gehörte zum Programm dieser Woche: "Wenn man den Mondaufgang am dunklen Himmel sieht, das ist ein Anblick, den kann ich kaum beschreiben. Der ist tief rot. Erst mal sieht man nur den Horizont brennen und dann auf einmal: tief orange, rosa schon fast, erscheint da der Mond in seiner Mächtigkeit. Das ist ein atemberaubendes Spektakel!"

In jedem Wort der Hobby-Astronomin klingt die Begeisterung für die Nacht und das Licht, mit dem der Mond und die Sterne die Rhön dann verzaubern. Es ist aber auch etwas von der Kraft einer Kämpferin zu spüren, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass in der Stadt Fulda und in der Rhön inzwischen sehr darauf geachtet wird, das Dunkel der Nacht zu erhalten.

Vor sechs Jahren wurde das Biosphärenreservat Rhön von der International Dark Sky Association mit dem Titel "Sternenpark" ausgezeichnet. Eine der Voraussetzungen dafür war, dass 80 Prozent der Kommunen eine Beleuchtungsrichtlinie mit dem Ziel beschließen, den Lichtausstoß zu verringern. Dafür kämpfte Sabine Frank schon, bevor der Landkreis sie schließlich einstellte und so die einzigartige Stelle einer Nachtschutzbeauftragten schuf.

Helle Nächte irritieren die Natur

Tatsächlich geht es Sabine Frank auch bei ihren Führungen um mehr als um die Schönheit der Nacht. Es geht auch um das, was sie "Lichtverschmutzung" nennt. Darum, dass ultrahelle LED-Scheinwerfer die Dunkelheit sezieren und den natürlichen Rhythmus stören. Darum, dass über den Städten Lichtglocken entstehen, die noch in 100 Kilometern zu sehen sind. Das irritiert nicht nur Zugvögel, sagt Sabine Frank.

"Licht bei Nacht ist ein ganz starker Umwelt-Stressfaktor, der sehr viel Leid über die Tiere bringt. Wir wissen doch alle, dass die Insekten – die, die noch da sind – an die Lampen fliegen und dort verenden. Meistens durch Erschöpfung, weil sie kreisen und kreisen, sie können dann auch keine Nahrung aufnehmen und oftmals sterben sie dann an Erschöpfung".

Nachtfalter können dann auch ihre wichtige Rolle bei der Bestäubung von Blüten nicht erfüllen. Nach einer Studie der Universität Mainz verenden an deutschen Straßenlaternen durchschnittlich eine Milliarde Insekten pro Nacht.

Das – und auch dafür kämpft "Die Retterin der Nacht" – lässt sich ändern, wenn weniger stark, weniger lange oder mit einem weniger hellen Licht ausgeleuchtet wird. In Fulda und in der Rhön kann man sich anschauen, wie das geht.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 7.8.20, 19:35 Uhr

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