Sabine Lautenschläger

Seit der Finanzkrise 2008 werden Banken schärfer überwacht. Diese Bankenstresstests gehören zu Lautenschlägers Geschäft. Im Interview stellt sie sich einem persönlichen Stresstest und blick auf Europa und den Brexit.

Das Brexit-Debakel verfolge sie mit Bedauern, erzählt Sabine Lautenschläger. Dass die Briten glaubten, sie hätten in Zukunft mehr Gestaltungsmöglichkeiten, wenn sie ihren Weg alleine gingen, hält sie für falsch. Auf der anderen Seite sei sie überzeugt, dass der Brexit die anderen Länder näher zusammen gebracht habe.

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Sie glaube, "dass wir nur im Zusammenhalt in der Europäischen Union noch Bedeutung im globalen Kontext behalten werden." Man müsse einfach "mehr erklären, welche Vorteile Europa bringt, welchen Wohlstand, wie wichtig Frieden ist und dass Europa daran einen ganz großen Anteil hat, dass wir so viele Jahre jetzt Frieden haben."

Gut vorbereitet auf den Brexit - soweit möglich

Die 1964 in Stuttgart geborene Juristin ist eine überzeugte Europäerin, das habe auch mit ihrer Familiengeschichte zu tun, erzählt sie. Das Thema Krieg sei zu Hause sehr präsent gewesen: "Meine Mutter, ihre Schwester und meine Großmutter sind in Dresden gewesen, als die Stadt ausgebombt wurde, die sind als einzige lebend aus dem Keller gekommen." Geprägt hat sie aber auch ein Auslandsjahr in den USA, wo sie Anfang der 80er Jahre nach dem Abi als Austauschülerin in Debate-Clubs am College die europäischen Werte erklären und verteidigen musste.

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Zur Person

Sabine Lautenschläger ist seit Januar 2014 Mitglied des Direktoriums der EZB und seit Februar 2014 stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht. Mitte Februar wird sie das Amt als Bankenaufseherin aufgeben.

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Im Interview mit hr-iNFO berichtet Sabine Lautenschläger auch darüber, wie man im EZB-Direktorium in den vergangenen Wochen und Monaten kurz-, mittel- und langfristige Szenarien über die wirtschaftlichen Folgen eines Brexit diskutiert habe. Durch den Brexit würden bestimmte Dinge zwar erschwert werden im Finanzmarkt - zum Beispiel werde es Banken geben, die hier eine Lizenz bräuchten -, aber "wir fühlen uns, soweit man das kann, gut vorbereitet." Man könne allerdings nie genau vorhersehen, wie die verschiedenen Markteilnehmer im Ernstfall reagierten.

Lernkurve in Krisenzeiten "besonders steil"

Bevor Sabine Lautenschläger 2014 zur Europäischen Zentralbank kam, war Sie für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BAFIN tätig und anschließend Vize-Präsidentin der Deutschen Bundesbank und auch dort zuständig für die Bankenaufsicht. Die erfahrene Aufseherin hat turbulente Zeiten erlebt: Während der Finanzkrise 2008 war Sie oberste Bankenaufseherin bei der BAFIN und an den Krisenverhandlungen beteiligt.

In Krisenzeiten sei die Lernkurve "besonders steil“, sagt sie. Die Aufseher hätten dabei vor allem gelernt, dass die Märkte sehr viel mehr miteinander vernetzt seien als man vorher geglaubt habe. Die Finanzkrise habe sie als Aufseherin härter und strenger gemacht. Mit der Faust muss sie dabei aber nicht auf den Tisch hauen, um sich in der "Männerdomäne" durchzusetzen. Vielmehr seien ihr im Umgang mit Bankmanagern "Transparenz und klare Ansagen" wichtig.

"Europäische Banken sind krisensicherer geworden"

Zu den vorrangingen Aufgaben der EZB gehört es, die Preisstabilität im Euroraum zu wahren und in der Bankenaufsicht zur Finanzstabilität beizutragen. Auch Bankenstresstests, mit denen die Stabilität der Geldhäuser geprüft wird, gehören zu Sabine Lautenschlägers Alltagsgeschäft.

Im Interview stellt sie sich einem ganz persönlichen Stresstest und muss auf Stress-Szenarien reagieren wie beispielsweise einen Pilotenstreik, der eine wichtige Dienstreise unmöglich macht, oder ein Hackerangriff auf ihren Dienstrechner. Den Test besteht sie mit Bravour.

Mitte Februar wird Sabine Lautenschläger ihr Amt als Aufseherin bei der EZB beenden und "nur" noch Direktoriumsmitglied in der Europäischen Zentralbank sein. Ihre Bilanz als Bankenaufseherin fällt positiv aus: "Europäische Banken sind krisensicherer geworden, ganz sicherlich", sagt Sabine Lautenschläger.

Man habe dafür gesorgt, dass die Banken mehr Kapital und mehr Liquidität vorhalten müssen und ein besseres Risikomanagement haben. Das bedeute aber nicht, dass man sich zurücklehnen und sagen könne, jetzt sei alles perfekt. Die scheidende EZB-Bankenaufseherin warnt: "Ich würde nie behaupten wollen, dass es keine Krise mehr gibt."

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