Fünf Jahre musste Astronautin Samantha Cristoforetti vor ihrem ersten Flug warten und trainieren.

200 Tage war die Italienerin Samantha Cristoforetti auf der Internationalen Raumstation ISS. Im Interview spricht sie über das Glück, ins All zu fliegen, Kaffeetassen für die Schwerelosigkeit und die Gefahr von Asteroiden.

Wenn Samantha Cristoforetti in der Öffentlichkeit auftaucht, bilden sich sofort Menschentrauben um sie. Die nur 1,65 Meter große italienische Astronautin mit dem burschikosen Kurzhaarschnitt ist eine Ikone der Raumfahrtfans. Doch sie wirkt bescheiden und erzählt fast ein wenig ehrfürchtig, wie sie die Nacht im November 2014 erlebt hat, als sie mit einer Sojus-Raumkapsel ins All startete.

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Samantha Cristoforetti mit hr-iNFO-Weltraumexperte Dirk Wagner
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Es sei ein Moment des vollkommenen Glücks für sie gewesen: "Ich habe schon seit meiner Kindheit davon geträumt, in den Weltraum zu fliegen", sagt die gebürtige Mailänderin. Inspiriert habe sie als Jugendliche die Figur der Kapitänin Kathryn Janeway aus der Star Trek-Reihe "Voyager".

Fünf Jahre Training bis zum ersten Flug

Zunächst machte Samantha Cristoforetti, die fünf Sprachen spricht und unter anderem in München studiert hat, eine Ausbildung zur Kampfpilotin bei der italienischen Luftwaffe. Fasziniert habe sie, dass die Fliegerei "Technik, Abenteuer, körperliche und psychologische Leistung" erfordere. 2009 wurde sie dann als einzige Frau für das neue Astronauten-Team der europäischen Raumfahrtbehörde ESA ausgewählt.

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Buchtipp

"Die lange Reise: Tagebuch einer Astronautin"
von Samantha Cristoforetti
Penguin Verlag

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Bis zu ihrem ersten Flug musste sie allerdings fünf Jahre lang warten und trainieren. Die Jahre der Vorbereitung beschreibt sie ausführlich in ihrem Buch: Man begleitet sie in ein Schwerelosigkeits-Flugzeug, steigt mit ihr in den Raumanzug oder in ein Tauchbecken, wo sie Manöver in der Schwerelosigkeit trainiert. Denn als Astronaut oder Astronautin arbeitet man die meiste Zeit am Boden. Als Samantha Cristoforetti dann zur Internationalen Raumstation flog, habe sie das Gefühl gehabt, endlich "angekommen zu sein".

Samantha Cristoforetti in Star Trek Uniform auf der ISS

Ein Labor in der Schwerelosigkeit

Doch bei der Mission der Astronauten geht es nicht um persönliche Lebensträume: Auf der rund 100 Milliarden teuren Raumstation soll das Verhalten von Stoffen, Zellen, kleinen Tieren und Menschen in der Schwerelosigkeit untersucht werden. "Was wir tagtäglich auf der Raumstation machen, ist Wissenschaft zu betreiben", sagt Cristoforetti. "Die Weltraumstation ist ein Labor in der Schwerelosigkeit." Die Experimente reichen von der Medizin bis zu Materialforschung und Grundlagenphysik. Als Astronaut oder Astronautin werde man dabei auch oft selbst zum "Versuchsobjekt".

Zitat
„Wieso sollten wir als Menschheit auf Ewigkeit auf der Oberfläche der Erde leben? Das ist ja auch sehr langfristig betrachtet gefährlich, denn da kann jederzeit ein Asteroid eintreffen."“ Zitat von Samantha Cristoforetti
Zitat Ende

Ein besonderes Highlight für die Italienerin war das Experiment mit einer Espresso-Maschine an Bord der Raumstation, erzählt sie. Der Clou: Der Kaffee wurde in speziell designten, herzförmigen Kaffeetassen zubereitet, aus denen man ihn direkt trinken konnte. Das ist normalerweise in der Schwerelosigkeit nicht möglich, denn die Flüssigkeit würde wie eine Kugel vor einem schweben. Die Kaffeetasse sei speziell berechnet worden, damit das eben nicht passiert, erzählt die 42-Jährige.

Erst zum Mond, dann zum Mars

Sie versteht sich als eine Art Botschafterin für die bemannte Raumfahrt und ist überzeugt, dass die Arbeit der Wissenschaftler auf der ISS auch dafür da sei, der Menschheit das Überleben zu sichern: "Wieso sollten wir als Menschheit auf Ewigkeit auf der Oberfläche der Erde leben? Das ist ja auch sehr langfristig betrachtet gefährlich", meint Cristoforetti. "Denn da kann jederzeit ein Asteroid eintreffen."

Umso wichtiger sei es, dass man erste Schritte gemacht habe, um die Erdoberfläche zu verlassen. "Wir können jetzt robust und zuverlässig in der Erdumlaufbahn leben und arbeiten. Und der nächste Schritt ist der Mond und dann Richtung Mars."

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Dirk Wagner (l) und Oliver Günther (r)
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Das Interview führte Dirk Wagner.

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Sendung: hr-iNFO Das Interview, 30.10.2019, 19:35 Uhr

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