Sandro Pé mit seinem Großvater

Alte Menschen vor Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, das ist eines der Ziele der Kontaktverbote. Doch gerade die Alten leiden besonders unter der Isolation, sagt der Altenpfleger Sandro Pé aus der Eifel.

Seinen Opa hat Sandro Pé schon seit Monaten nicht gesehen. Er lebt in einer Senioreneinrichtung, Besuche waren lange nicht möglich, nur Videocalls. Und das kann den persönlichen Besuch mit Körperkontakt nicht ersetzen: "Der Opa vermisst mich total."

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In seinem Beruf als Altenpfleger ist Sandro Pé selbst derjenige, der die fehlenden sozialen Kontakte ersetzen soll. "Das geht eine Weile mit Humor", so Pé. Aber mit Maske ist auch das nur eingeschränkt möglich. "Die Leute sagen mir: Pack‘ doch mal die Gardine da weg", sagt er. "Gestik und Mimik sind das A und O in der Altenpflege."

 "Man darf nicht undankbar sein"

Soziale Kontakte seien gerade für alte Menschen wichtig. Daher müsse es trotz der Corona-Gefahr auch in den Senioreneinrichtungen wieder mehr Besuchsmöglichkeiten geben, meint Pé. "Alte Menschen können auch an Vereinsamung sterben."

Für den Altenpfleger hat die Pandemie auch eine positive Folge: Endlich begreife die Gesellschaft, wie wichtig die Pflegeberufe sind. So freut er sich über abendlichen Applaus von den Balkonen für seine Berufsgruppe und auch über die angekündigte Prämie. "Man darf nicht undankbar sein", meint Pé. Aber natürlich sei das alles nur ein "kleiner erster Schritt" hin zu einer angemessenen Bezahlung der Pflegekräfte.

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Viel mehr als "Arschabputzer"

Auch das schlechte Image seines Berufs habe sich gebessert. Als Pé nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung zum Altenpfleger begann, hätten seine Freunde gefragt, ob er ein Leben lang "Arschabputzer" sein wolle. Dabei sei die Altenpflege viel mehr als Intimpflege. Es gehe gerade bei Menschen mit Demenz darum, sich in deren Welt einzufühlen, auch mal eine ganz bestimmte Rolle zu spielen oder deren Wahrnehmungen zu teilen: "Das ist der Schlüssel zum Herz dieser Menschen." Erst dieser Beruf habe ihn zu einer Persönlichkeit gemacht, sagt Pé rückblickend.

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Buchtipp

Sandro Pé: "Wir dürfen alte Menschen nicht allein lassen - Wie wir den Pflegenotstand beenden", Rowohlt Taschenbuch, 192 Seiten, 12 Euro.

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Seit 2013 ist er als Altenpfleger tätig. Und er macht sich auf Youtube, Facebook und Instagram stark für seine Kolleginnen und Kollegen. Über 100.000 Follower erreicht der 29-Jährige aus Weibern in der Eifel mit seinen Posts und Videos, in denen er aus seinem Berufsalltag erzählt und für bessere Arbeitsbedingungen streitet: Mehr Zeit für persönliche Gespräche, weniger Bürokratie, bessere Bezahlung, weniger Stress mit dem Dienstplan - so lauten die Forderungen, die Pé da erhebt.

Aber warum ändert sich nichts?

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe einmal gesagt, er finde diese Videos gut. "Nur warum wird dann nichts geändert?", fragt sich Pé. Vielleicht hilft ja das Buch, das er jetzt geschrieben hat. Der Titel passt in Corona-Zeiten besonders gut: "Wir dürfen alte Menschen nicht allein lassen". 

Weitere Informationen

Sandro Pé ist bei Youtube, Facebook und Instagram aktiv.

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 27.5.2020, 19.35 Uhr

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