Schwester Katharina Ganz

Wie geht es nach dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche weiter? Darüber beraten Bischöfe und Laien beim "Synodalen Weg". Katharina Ganz war an den Vorbereitungen beteiligt. Sie fordert mehr Mitwirkung von Frauen - auch als Priesterinnen.

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Schwester Katharina Ganz
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Das mit den Kloster-Klischees funktioniert bei ihr nicht: Wer Schwester Katharina Ganz begegnet, merkt sehr schnell, dass er sein Bild von einer Nonne neu justieren muss. Da ist eine strahlende Frau, kein Schleier bedeckt ihre blonden Haare und sie trägt keinen Habit, das Ordenskleid der Nonnen.

Das habe ihre Gemeinschaft vor über 20 Jahren entschieden, sagt sie. Es ist freigestellt, ob sie in zivil gehen oder sichtbar als Ordensfrauen. "Ich sage immer: Nicht die Kleider machen die Leute, sondern die Überzeugung", meint Ganz. Und da ist es wieder, dieses strahlende Lächeln. Schwester Katharina steht inzwischen an der Spitze ihrer Gemeinschaft, sie ist die Generaloberin der  Franziskanerinnen von Zell am Main.

Zu "aufmüpfig" für Benediktinerinnen

Sie hat sich sehr bewusst für den Orden der Franziskanerinnen entschieden. In ihrer Jugend hatte sie über eine Tante das Leben der Benediktinerinnen kennengelernt und darüber nachgedacht, in diesen Orden einzutreten. Das habe sich aber für sie "nicht ergeben", weil die Schwestern ein bestimmtes Bild davon gehabt hätten, wie man als Ordensfrau zu sein habe. Und dafür habe sie sich selbst als zu aufmüpfig oder kritisch empfunden.

"Ich war immer, auch im Studium schon, kritisch dem Patriarchat in der Kirche gegenüber." Sie habe damals feministische Theologie studiert und Fragen gestellt - und hatte den Eindruck, dass das den Schwestern "nicht so passt."

Als sie später die Oberzeller Franziskanerinnen kennenlernte, habe sie gleich eine größere Verbundenheit gespürt: "Ich hatte das Gefühl, da gibt es selber so revoluzzerische Schwestern, die aus diesem Apostolat, was wir haben - also an der Seite mit Mädchen und Frauen -, so einen emanzipatorischen Impetus haben und selber versuchen, in die Gesellschaft und in die kirchlichen Strukturen hineinzuwirken."  

"Frage nach Machtverteilung muss gestellt werden"

Nach einem Aufenthalt in Afrika entschloss sich die junge Frau dann, Franziskanerin zu werden - eine durchaus emanzipierte Nonne. Heute setzt sie sich für die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche ein und für eine Zulassung zum Weiheamt. Für sie ein wichtiger Schritt in einer Kirche, die sich reformieren muss: "Nachdem in der Letztverantwortung 100 Prozent geweihte Männer die Gestaltungsmacht innehaben, sind Frauen von vorneherein in dieser Situation ausgeschlossen. Man könnte auch von einer Geschlechter-Diskriminierung sprechen."

Schwester Katharina fordert, dass die Frage nach der Machtverteilung in der katholischen Kirche gestellt wird - bei den Beratungen des "Synodalen Wegs" in Frankfurt und auch vor dem Hintergrund des Missbrauchs-Skandals. Die Franziskanerin ist davon überzeugt, dass es neben der Schuld der einzelnen Täter auch systemische Gründe für das Ausmaß der sexuellen Gewalt in der Kirche gibt: "Geschlossene Systeme sind eben anfälliger in gewisser Hinsicht: zur Vertuschung oder dass man das unter sich ausmacht." Beim Synodalen Weg müsse deshalb auch darüber nachgedacht werden, "wie wir diese männerbündischen, männerdominierten Strukturen aufbrechen können."

Für Schwester Katharina ist klar: Mehr Beteiligung von Frauen, von Laien beiderlei Geschlechts können der katholischen Kirche nur gut tun. Dazu gehören dann in letzter Konsequenz auch Priesterinnen. Eine Frau wie Schwester Katharina hätte das Zeug dazu.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 30.1.2020, 19:35 Uhr

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