Sebastian Herkner
Sebastian Herkner ist mit dem Bell Table berühmt geworden. Bild © Evelyn Dragan

Sebastian Herkner pfeift darauf, was gerade in ist und was nicht. Der Designer aus Offenbach setzt vielmehr auf interkulturellen Austausch – und Nachhaltigkeit.

Eine Tischplatte aus Glas, darunter Füße aus Metall – so sehen üblicherweise Beistelltische aus. Sebastian Herkner hat die Dinge auf den Kopf gestellt: Ein Fuß in Form einer Glocke aus mundgeblasenem Glas, darüber eine massive, runde Messingplatte. Das Schwere oben, das vermeintlich Zerbrechliche unten, eine ungewöhnliche Kombination von Materialien – das ist die Idee hinter seinem "Bell Table", mit dem Herkner berühmt geworden ist.

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Zwischen Mailand, Paris und Offenbach

Mittlerweile ist der 38-Jährige ein gefeierter Star bei den Möbelmessen in Mailand, Köln oder Paris, wo er gerade als "Designer des Jahres 2019" und mit dem deutsch-französischen Preis der Kultur- und Kreativwirtschaft ausgezeichnet wurde. Seine Möbel werden von führenden Herstellern wie ClassiCon oder Thonet in Frankenberg produziert. Für das hessische Traditionsunternehmen hat Herkner gerade eine moderne Interpretation des klassischen Wiener Kaffeehausstuhls entworfen.

Das Spiel mit Materialien und die Lust am gut gemachten Handwerk sind bis heute prägend für Herkners Arbeit. In seinem Studio in einem Offenbacher Hinterhof, das er schon während seines Studiums an der dortigen Hochschule für Gestaltung gegründet hat, stehen überall kleine Modelle von Sesseln und Sofas in den Regalen, liegen Materialproben von gefärbtem Glas oder verschiedenen Metallen herum. Dazu Mitbringsel von seinen Reisen, die ihn in den letzten Jahren unter anderem nach Zimbabwe oder Kolumbien geführt haben. Traditionelles Korbflechterhandwerk hat er bei Frauen in Zimbabwe kennengelernt, mit Handwerkern in Kolumbien hat er eine intensive Zusammenarbeit begonnen.

"Zeitloses Design - das kann man nicht planen"

Dabei entstehen farbenfrohe Teppiche, bunte geflochtene Gartenstühle und ausdrucksstarke Keramiken. "Design ist Kommunikation", sagt Sebastian Herkner. Der interkulturelle Austausch und die faire Begegnung mit den Handwerkern sind ihm wichtig. Dabei will er nicht die lokalen Traditionen abkupfern, will kein "Ethno-Design" machen, sondern moderne europäische Entwürfe verbunden mit handwerklicher Qualität.

"Als Designer müssen wir viel mehr über Nachhaltigkeit nachdenken", sagt Herkner. Das heißt für ihn: recycelbare Materialien und Entwürfe, die sich nicht nach der letzten kurzlebigen Mode richten. "Zeitloses Design – das kann man nicht planen", weiß Herkner. Ob ein Entwurf zum Klassiker werde, das zeige sich erst nach Jahrzehnten.

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Sendung: hr-iNFO, 24.05.2019, 19.30 Uhr

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