Sophia Thiel

Lange war Sophia Thiel für viele vor allem eines: Vorbild, eine topfitte junge Frau, die scheinbar das perfekte Leben lebt. Vor zwei Jahren zog sich die erfolgreiche Influencerin überraschend aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt ist sie wieder zurück und spricht offen über ihren inneren Kampf, der zu einer Essstörung wurde, und die Schattenseiten als Social Media Star.

Heute ist Sopia Thiel vor allem eines: "Glücklich!" Wenn sie in den Spiegel blicke, dann verurteile sie sich heute nicht mehr.

Dass sie das sagen kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn auch, wenn die 26-Jährige eine erfolgreiche Fitness-Influencerin ist, hatte sie hinter den Kulissen lange mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen: "Es war so, dass ich sehr stark danach gemessen habe, wie ich aussah."

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Das Aussehen spielte schon früh eine Rolle in ihrem Leben. In ihrer Kindheit wurde Sophia Thiel wegen ihrer Figur gemobbt. Irgendwann kam der Entschluss abzunehmen. Ihr sei klar gewesen, dass sie um Sport nicht herumkommen würde, aber für Sport begeistern konnte sie sich bis dahin nie. "Dann habe ich den Kraftsport für mich entdeckt." Der brachte nicht nur den gewünschten Effekt, sondern wurde zur Leidenschaft. "Der Sport hat mir so enorm viel Spaß gemacht, bis heute." Sie hatte es gefunden, "genau mein Ding".

"Essen, bis man körperliche Schmerzen hat"

Doch mit dem Kraftsport und ihrer erfolgreichen Karriere als Social-Media-Influencerin kamen auch Schattenseiten: Zunehmend spürte sie den Druck, sich immer weiter pushen zu müssen, begann sich nur noch über die eigene Leistung zu definieren. Die Folge waren immer härtere Trainingspläne, immer extremere Diäten – und die Quittungen, die ihre Gesundheit ihr immer wieder präsentierte. Zum Beispiel bei der Ernährung: "Wenn man sich durchweg permanent alles verbietet, sozusagen immer wieder Kontrolle ausübt, sich zurückhält, dann kommt irgendwann der Kontrollverlust und es artet aus in einem Essanfall."

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Buchtipp

Come back stronger - Meine lange Suche nach mir selbst
Von Sophia Thiel
ZS Verlag

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Nach dem Kontrollverlust folgte das Gefühl, diesen "Ausrutscher" wieder kompensieren zu müssen, mit noch härteren Trainings, noch extremeren Diäten, ein Teufelskreis. "Der Ausschlag wird immer heftiger." Zunehmend versuchte Sophia Thiel ihre negativen Gefühle in Essen zu ersticken. "Wenn es wirklich schlimm ist, isst man, bis man körperliche Schmerzen hat. Das hat dann auch nichts mehr mit dem physischen Hunger zu tun."

Der Preis des Erfolgs

2019 zieht Sophia Thiel dann schließlich die Reißleine, zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und begibt sich in Therapie. Die Diagnose: Bulimia Nervosa, auch Ess-Brech-Sucht genannt. Sie lernt sich selbst, ganz unabhängig von Leistung zu lieben und einen gesunden Umgang mit dem Essen. Dabei gehe es nicht darum, nie wieder Süßigkeiten oder Knabberzeug zu essen, sondern viel mehr darum zu lernen, in Maßen zu genießen und keine Angst vor diesen Lebensmitteln zu entwickeln.

Heute ist sie wieder in den Sozialen Netzwerken aktiv und berichtet in ihrem Buch "Come back stronger" über ihre Essstörung und die Schattenseiten von Social Media. Denn auch wenn sie viel Spaß hatte, "den Preis, den man dafür zahlt, das zeigen viele ungern." Und sie mahnt, sich nicht zu lange Zeit zu lassen, wenn man eine Therapie nötig hat. Und auch der Erfolg scheint ihrer neuen Einstellung recht zu geben: "Es läuft jetzt besser als vorher."

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Das Interview führte Mariela Milkowa

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 Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 15.06.2021, 20:35 Uhr

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