Sophie Passmann

Wer viel auf Twitter und Instagram unterwegs ist, kennt sie längst: Sophie Passmann hat dort mit ihren ironischen Posts eine ständig wachsende Fangemeinde. Mit viel Witz hinterfragt die junge Feministin die klassischen Bilder von Männlichkeit und Weiblichkeit.

Frauen sind nicht lustig. Das ist ein gängiges Vorurteil und es wird scheinbar bestätigt durch die männliche Übermacht auf den Comedy-Bühnen. Autorin und Moderatorin Sophie Passmann ist gerade dabei, in dieser Szene ihren Weg ganz nach oben zu machen. Sie gehört zum Team von Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale". Mit ihren ironischen Posts auf Twitter und Instagram erreicht sie jeden Tag mehr als 100.000 Menschen. Trotzdem musste die 25-Jährige ankämpfen gegen ein Frauenbild, "das Frauen dafür belohnt, hübsch, niedlich und ein bisschen lustig, aber eher harmlos zu sein".

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Wer erzählt die Weltgeschichte?

Um sich gegen mittelmäßige Männer durchzusetzen, müssen Frauen brillant sein, meint Passmann. Und das gilt in allen Bereichen der Gesellschaft. Deshalb hat sie sich auf den Weg gemacht zu den Mächtigen und Privilegierten im Land – zu den "alten weißen Männern" –, um deren Selbstbild zu erforschen.

"Dieser Typus Mensch – der einflussreiche, wohlhabende, gut gebildete, weiße, nicht-behinderte, christliche Mann -, der hat das Monopol auf die Erzählung unserer Welt und unserer Geschichte", stellt Passmann fest. Und: Er besetzt die Schlüsselpositionen in Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Passmann hat für ihr Buch "Alte weiße Männer" 16 Vertreter dieser Spezies getroffen - von Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt bis Fußball-Kommentator Marcel Reif, vom Politikwissenschaftler Werner Patzelt bis zu Grünen-Chef Robert Habeck. Und sie hat festgestellt: Die wenigsten sind sich ihrer Privilegien wirklich bewusst. "Es ist ja auch erst mal nicht schön, von einem Gegenüber gesagt zu bekommen: Das, was du bist, bist du zum Teil auch wegen deiner Hautfarbe und deines Geschlechts!"

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Buchtipp

„Alte weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch“
von Sophie Passmann
Kiepenheuer & Witsch
12 Euro (Taschenbuch)

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In der Freizeit ist das Handy aus

Der "alte weiße Mann" sehe sich selbst als Prototyp, als Normalfall "des Menschen" schlechthin, sagt die junge weiße Frau Passmann. Ihr Frau-Sein sei ihr immer bewusst, weil sie deshalb regelmäßig diskriminiert werde, sagt sie. Ihr Privileg als weiße Deutsche hingegen müsse auch sie sich immer wieder bewusst machen. Denn sie habe es "immer noch besser als eine Muslima, die Kopftuch trägt und deren Name irgendwie türkischstämmig klingt und die deswegen Jobs, Wohnungen und andere Dinge nicht bekommt". Wenn Feminismus bedeute, "dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten und Chancen haben sollen", dann müsse man "alles anpacken und auch antirassistisch denken", fordert Passmann.

Witz und Humor sind ihr Mittel, um gegen Diskriminierungen zu kämpfen. Das Leben zu genießen, vergisst sie dabei auf keinen Fall. Und in ihrer Freizeit stellt sie, die scheinbar immer online ist, sogar das Handy aus. Ein guter Weißwein gehört für sie dazu. Und obwohl sie in Baden aufgewachsen ist, gibt sie einem hessischen Wein aus dem Rheingau den Vorzug: "Riesling ist das Instrument, mit dem ich die Welt ertrage. Riesling und Ironie – das sind die beiden Dinge, von denen ich lebe."

Sendung: hr-iNFO, 8.3.2019, 19.30 Uhr

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