"Denkmal der Schande" in Sichtweite des AfD-Politikers Höcke
"Denkmal der Schande" in Sichtweite des AfD-Politikers Höcke Bild © picture-alliance/dpa

Das Berliner Kollektiv "Zentrum für politische Schönheit" wählt für seine Botschaften einen ästhetischen Rahmen. Provokation und Eskalation gehören zu den Aktionen. Aber welche Ziele verfolgen die Aktionskünstler und wo sind ihre Grenzen?

Wo genau das „Zentrum für politische Schönheit“ seinen Sitz hat, soll geheim bleiben. Zu oft schon sind Aktivisten bedroht worden. Ich treffe Stefan Pelzer auf einem belebten Platz mitten in Berlin und er führt mich in die hohen Räume eines Altbaus. An den Wänden hängen Fotos von Aktionen: Da ist die Beerdigung einer syrischen Frau, die auf der Flucht nach Europa starb. Das Zentrum hatte ihren Leichnam nach Berlin geholt. Da sind die weißen Kreuze vom Mahnmal für die Mauertoten, von den Aktivisten abmontiert und symbolisch an den scharf bewachten Grenzen Europas aufgestellt.

Stefan Pelzer, Zentrum für politische Schönheit
Stefan Pelzer im Gespräch, Zentrum für politische Schönheit Bild © hr

Ist das jetzt Kunst, oder Politik? Für Stefan Pelzer ist sowohl die Politik, als auch die Kunst "unser Spielfeld" – und zwar zu gleichen Teilen. Das Zentrum für politische Schönheit sei eine Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, erklärt der Künstler.

Das ist die Theorie und das Wort Sturmtruppe eine Provokation. Aber was ist politische Schönheit? Die Antwort wird lang. Ich behalte mir: „Wenn die Gleichgültigkeit in der Gesellschaft überwunden wird, wenn sich die Menschen fragen, wie sie den Staat, die Gesellschaft humaner gestalten können.“ Philip Ruch, der Gründer des Zentrums hat mal gesagt: „Das Zentrum wurde gegründet, um Hetzern das Leben zur Hölle zu machen.“ 

Bildgewaltiger Coup und Medientrubel

Darauf zielt die letzte Aktion des Zentrums. Pelzer und seine Mitstreiter haben 2017 einen Nachbau des Holocaust-Mahnmals vor das Haus des AfD-Politikers Björn Höcke in die Thüringische Provinz gesetzt. "Er hat damals seine sogenannte Dresdner Rede gehalten, in der er gesagt hat, dass die Deutschen das einzige Volk sind, dass sich ein Mahnmal der Schande in die eigene Hauptstadt gebaut hat. Spätestens zu dem Zeitpunkt – also wir hatten ihn schon früher auf dem Schirm – aber ab dem Zeitpunkt war völlig klar, dass wir uns um den Mann ein bisschen besser kümmern müssen", erzählt Pelzer.

Tatsächlich gelingt es den Aktivisten, den Nachbau auf einem angemieteten Nachbargrundstück unbemerkt zu errichten. Bis er dann in den frühen Morgenstunden enthüllt wird: "Davon gibt es diese Bilder die mittlerweile per Gerichtsentschluss verboten sind, wie Björn Höcke um 6:30 Uhr aufsteht und aus dem Fenster guckt und denkt – auf das Mahnmal herunterguckt", sagt Pelzer.

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Das Zentrum für politische Schönheit hat einen bildgewaltigen Coup gelandet. Medien berichten, es wird diskutiert. Später veröffentlichen die Aktivisten ihre Recherchen zu Landolf Ladig: Einem Pseudonym, unter dem Björn Höcke nach Überzeugung des Zentrums für rechtsextreme Zeitungen geschrieben hat. Am Ende meines Gespräches wirkt Stefan Pelzer zufrieden. Er macht linke Politik seit seiner Jugend in Frankfurt. Und er sagt: Während die meisten seiner Mitstreiter inzwischen resigniert haben, habe er es geschafft, "ein politisches Feld zu finden, wo ich mich engagieren kann, wo man auch ab und zu mal gewinnt."

Sendung: Freitag, 13.4.2018, 19.30 Uhr

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