Wolfsexpertin Susanne Jokisch mit ihrem Hund im Wald

Der Wolf kehrt nach und nach zurück in deutsche Wälder. Auch in Hessen gibt es Anzeichen, dass das Raubtier sich wieder niedergelassen hat. Susanne Jokisch ist ihnen auf der Spur: Sie ist die hessische Wolfs-Beauftragte.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Susanne Jokisch – Hessische Wolfsbeauftragte

Wolf
Ende des Audiobeitrags

Der Wolf ist ein ganz scheues Tier, sagt Wolfsexpertin Susanne Jokisch. Und so ist es auch kein Wunder, dass sie auch nach zehn Jahren auf der Spur der Wölfe selbst noch kein Tier in freier Natur gesehen hat.

"Ich bin aber sicher, dass ein Wolf mich schon mal gesehen hat", sagt die Biologin vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). In der Lausitz habe sie als Wolfs-Beauftragte Schulungen gemacht und die Spur der dort lebenden Wölfe verfolgt. Da sei sie bestimmt aus der Ferne von Wolfsaugen beobachtet worden.

Wölfe unterwegs in Hessen

Jokisch, Jahrgang 1964, ist beim HLNUG für Säugetiere zuständig. Feldhamster seien ihr genauso wichtig wie der Wolf. Aber das Raubtier beschert ihr derzeit besonders viel Arbeit. Der Wolf hat sich in den letzten Jahren schon in mehreren Bundesländern wieder fest niedergelassen, auch mit Rudeln, so unter anderem im Nachbarland Niedersachsen.

In Hessen habe es 2019 immer mehr Nachweise gegeben: beispielsweise mehrere Fotos aus dem Vogelsbergkreis und Risse von Wild- und Nutztieren in Nord-Ost-Hessen. Dazu Kotproben oder sonstige Spuren – all dies sind für Jokisch und viele Ehrenamtliche Hinweise darauf, dass verschiedene Wölfe auch in Teilen Hessens unterwegs sind. Solche Daten werden gesammelt und ausgewertet.

Unbegründete Ängste

"Hessen ist Wolfs-Erwartungsland", sagt die Expertin in hr-iNFO. Es gebe aber noch kein Rudel. Allerdings sei es möglich, dass zum Jahresbeginn 2020 ein oder zwei Wölfe für sich jeweils ein Territorium in Hessen gefunden haben könnten: "Das ist zum einen der Vogelsberg und zum anderen der Bereich Hersfeld-Rotenburg/Schwalm-Eder, wo wir regelmäßig genetische Nachweise von zwei verschiedenen Tieren haben". Territorium finden, Partnersuche, Rudelbildung – so wird der Wolf laut Jokisch seßhaft.

Mit den Problemen hat sie schon jetzt zu tun. Schäfer und Landwirte fürchten um ihre Tierbestände. Es werden immer wieder Schafe gerissen. "Wir müssen auf jeden Fall wieder lernen, mit dem Wolf zu leben", sagt die Biologin in hr-iNFO. Sie will mit ihrer Arbeit zur Versachlichung beitragen. Schafsherden müssten durch sachgerechte Elektrozäune  besser geschützt werden als früher. Dass aber ein Spaziergänger im Wald einem Wolf wirklich begegne, sei sehr unwahrscheinlich: "Es ist in den zwanzig Jahren, seit wir wieder Wölfe in Deutschland haben, kein einziges Mal vorgekommen, dass ein Wolf sich einem Menschen aggressiv genähert hat".

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 04.12.2019, 19.35 Uhr

Jetzt im Programm