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Zum Artikel Susanne Panter – Personensucherin und Herkunftsberaterin

Susanne Panter

Susanne Panter spürt Menschen auf: ob es um die Suche nach dem leiblichen Vater geht oder die verschollene Jugendliebe. Sie gründete vor 20 Jahren den ersten privaten Personensuchdienst Deutschlands.

Lachend erinnert sich Susanne Panter an die Zeit in ihrer Kindheit, wo sie zusammen mit einer Freundin als Detektivinnen-Duo "Die Spürnasen" unterwegs war und ihre ersten Fälle löste. Ein detektivisches Talent war also schon mal vorhanden, vielleicht hat sich damals auch bereits ihr späterer Beruf als "Menschenaufspürerin" und "Herkunftsberaterin" abgezeichnet. Ihren Beruf hat sie dann erst mit knapp 30 Jahren selbst erfunden.

Nachdem sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht und ein Abendstudium zur Kommunikationswirtin angeschlossen hatte, merkte sie schnell, dass sie sich damit nicht wohl fühlte und gründete vor 20 Jahren Deutschlands ersten privaten Personensuchdienst.

Menschen zur Klarheit zu verhelfen

Heute stöbert sie in Archiven, durchkämmt das Internet, löchert Standesbeamte und Friedhofsangestellte oder fragt ehemalige Nachbarn aus, um Menschen zu finden, die von ihren Angehörigen gesucht werden. Ein typischer Suchauftrag sei zum Beispiel, dass jemand endlich seinen leiblichen Vater finden möchte, erzählt Susanne Panter. Manchmal wird sie auch beauftragt, eine alte Jugendliebe ausfindig zu machen.

Viele ihrer Klienten seien aber auch auf der Suche nach verschollenen Geschwistern. "Ich ziehe Familiengeheimnisse an", sagt sie schmunzelnd, "was ich dabei interessant finde, ist, Menschen zur Klarheit zu verhelfen und wenn jemand darunter leidet, dass in der Familie ein Thema tabuisiert wurde, dann helfe ich sehr gerne, das Tabu aufzudecken."

Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung

Bei ihren Suchaufträgen hat sie bestenfalls einen Namen des oder der Gesuchten und eine alte Adresse, manchmal gibt es aber auch Fälle, wo gar keine Daten bekannt sind. Dann muss sie tüfteln und im Gespräch mit dem Klienten nach anderen Anhaltspunkten suchen. Mehr als 4000 Menschen weltweit habe sie mit ihren Personensuchdienst in den vergangenen zwanzig Jahren gesucht und die meisten davon auch gefunden.

Ihre Erfolgsquote liege bei 90 Prozent, sagt Susanne Panter: "Das hört sich ziemlich hoch an, ist aber ganz normal, weil wir in Deutschland eine sehr gute Verwaltungsstruktur haben und das sind ja Menschen, die sich nicht verstecken, die ich suche." Außerdem weiß die erfahrene Personensucherin genau, wo Dinge archiviert sind, wie man etwas anfragt und wie die Rechtsgrundlagen sind. Auch der Datenschutz stelle für sie kein großes Problem dar, sagt Susanne Panter: "Der Datenschutz ist eigentlich mein bester Freund. Ich finde, das ist fast noch zu wenig Datenschutz," meint sie. "Ich kann ja nachweisen, dass meine Klienten ein berechtigtes Interesse haben und teilweise sogar, wenn es um Herkunftssuchen geht, ein rechtliches Interesse."

Hier komme das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung zum Tragen. Gerade die Suche nach Müttern sei für sie zum Beispiel Routine, weil bei einer Geburt ja die Daten aufgeschrieben werden. Da hake es dann bei alten Akten eher manchmal an der Handschrift eines Standesbeamten, die man nicht entziffern könne.

"Im eigenen Leben zu Hause sein"

Bei den Suchen geht es meist auch darum, ein fehlendes Teil im Lebenspuzzle der Menschen zu finden. Ihr Job führt ihr täglich vor Augen, wie wichtig es für Suchende von Angehörigen ist, eine lebenslange Leerstelle in ihrem Leben zu füllen und die eigenen Wurzeln zu kennen. Susanne Panter treibt besonders das Thema Adoption um, denn "der Großteil der Klienten, der die leiblichen Eltern sucht, ist adoptiert", sagt sie. Sie habe durch ihre Arbeit erfahren, dass die Adoptionspraxis früher "recht grausam war: Es wurden den Kindern einfach die Wurzeln abgeschnitten."

In vielen Fällen, die sie bearbeitet habe, sei es adoptierten Kindern nicht erlaubt worden, "ihre biologische Abstammung weiter zu leben oder da überhaupt einen Zugang zu behalten." Durch diesen Kontinuitätsverlust erfahren Betroffene ein Trauma, das ihnen ein Leben lang zu schaffen mache.

Wenn Susanne Panter dann die leiblichen Eltern findet und ihre Klienten bei der ersten Kontaktaufnahme auch begleitet, beginne ein längerer Prozess: "Es ist dann erstmal im Kopf, dann kommt es ins Herz und dann in den Bauch, und dann vermischt sich das alles, und dann sind sie angekommen." Eine Betroffene habe das mal als "im eigenen Leben zu Hause sein" bezeichnet, erzählt Susanne Panter, seitdem verwende sie diesen Satz als Untertitel ihrer Informationsplattform im Netz "Herkunftsberatung".

Die Brücke so angenehm wie möglich zu gestalten

Im Interview erzählt Susanne Panter, dass ihr Beruf auch sehr viel mit ihrer eigenen Vita zu tun hat, denn sie habe ihren leiblichen Vater erst richtig mit 18 Jahren kennengelernt. Sie habe aber einen sehr liebevollen Stiefvater gehabt und gewusst, dass "der Onkel, der immer zu Besuch war" ihr leiblicher Vater war. Inzwischen habe sich eine "richtige Vater-Kind-Bindung" zwischen den beiden entwickelt.

Diese persönliche Erfahrung sei "unterschwellig wahrscheinlich der große Motivator" bei ihrer Arbeit, sagt die 52-Jährige. Die ausgebildete Mediatorin möchte Menschen zusammenbringen: "Meine Rolle ist eine Brücke. Und diese Brücke zu begehen, diese Verantwortung liegt bei denen, die jeweils am anderen Ende davorstehen." Sie könne versuchen, die Brücke so angenehm wie möglich zu gestalten, "aber den Weg aufeinander zu müssen halt diejenigen gehen, die jeweils davorstehen."

Einige ihrer bewegendsten Fälle aus den vergangenen Jahren hat Susanne Panter zusammen mit der Journalistin Heidi Friedrich in Ihrem Buch "Aus den Augen, doch im Herzen" aufgeschrieben.

Weitere Informationen

Buchtipp

Aus den Augen, doch im Herzen
Wie ich Menschen zusammenbringe, die vom Schicksal getrennt wurden
Piper Verlag, 10 Euro  

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 5.8.2020, 19:35 Uhr

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