Sven Simon

Nationalisten und Rechtspopulisten könnten im neuen Europaparlament sehr stark werden, warnt der Professor für Völkerrecht. Als Wissenschaftler bringt er einen differenzierten Blick auf die Europapolitik mit, als Wahlkämpfer müsse er sich allerdings noch ein wenig üben, verrät er im Interview.

Sven Simon spricht leise, fast sanft, er hebt die Stimme nicht, haut erst recht nicht mit der Faust auf den Tisch. Der Professor für Völkerrecht an der Marburger Philipps-Universität vertraut auf die Kraft seiner Argumente, wenn er über Europa spricht. In der Rolle des Wahlkämpfers übt er noch, sagt er, auch sprachlich. Die Nominierung von Sven Simon als Spitzenkandidat der hessischen CDU für die Europawahl war eine Überraschung. Der 40-Jährige folgt auf den altgedienten Abgeordneten Thomas Mann, der ein Vierteljahrhundert für die CDU im Straßburger Parlament saß.

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Als Wissenschaftler bringt Simon einen differenzierten Blick auf die Europapolitik mit. Zum Beispiel, wenn er über weit verbreitete Vorurteile gegenüber der EU spricht. Verliert Deutschland seine Souveränität, wenn alles aus Brüssel diktiert wird? Das ist so eine Frage. "Wir Deutschen sind ein Prozent der Weltbevölkerung. Da können wir überhaupt nur souverän sein, wenn wir uns mit anderen zusammenschließen", sagt Simon. Oder die berühmt-berüchtigte Gurkenkrümmungsverordnung? Für Sven Simon ist sie alles andere als Unsinn. Denn wenig gekrümmte Gurken kann man platzsparender verpacken, das spart Energie beim Transport und schont das Klima.

Mit Parolen der Populisten auseinandersetzen

Dass Politiker im Wahlkampf von einer Schicksalswahl sprechen, das passiert immer wieder. "Diesmal stimmt es aber", meint Simon. Denn Nationalisten und Rechtspopulisten könnten im neuen Europaparlament sehr stark werden. Was Parteien wie die AfD vertreten, habe "nichts mehr mit rechtsgerichtet oder konservativ zu tun", betont Simon: "Das ist völkisch, das ist national, das ist antieuropäisch und das wird zwingend ins Verderben führen." Das müsse man klar sagen, sich zugleich aber sehr konkret mit den Parolen der Populisten auseinandersetzen.

Zitat
„Was Parteien wie die AfD vertreten, hat nichts mehr mit rechtsgerichtet oder konservativ zu tun.“ Zitat von Sven Simon
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Der drohende Brexit macht Sven Simon besonders traurig, denn er hat ein Jahr lang im englischen Warwick studiert. Dass die Briten ein viel distanzierteres Verhältnis zu Europa haben, war ihm schon damals aufgefallen. In einer englischen Zeitschrift hatte er ein Preisausschreiben entdeckt, bei dem man eine "Reise nach Europa" gewinnen konnte.

Er selbst fühle sich als Europäer, seit er in seiner Jugend mit Freunden auf dem Fahrrad in Frankreich unterwegs war. Straßburg sei eine Stadt mit so viel europäischer Symbolik, dass sie ein Sitz des Europaparlaments bleiben müsse, erklärt Simon und widerspricht damit einer Forderung von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Für den Marburger Professor Sven Simon dürfte Straßburg der Ort werden, an dem er als Berufspolitiker weiter für sein Bild von Europa streiten kann.

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Reihe: Interviews zur Europawahl

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Sendung: hr-iNFO, 9.4.2019, 19:35 Uhr

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