Thomas Gutberlet, Chef der Supermarktkette tegut

Corona hat auch unser Verhältnis zum Einkaufen in Supermärkten verändert. Was sich hinter den Kulissen getan hat, erklärt Tegut-Chef Thomas Gutberlet.

Mitte März, das neuartige Coronavirus hat Deutschland längst erreicht. Schulen und Kitas schließen, Homeoffice wird für viele zur Pflicht. Und auch die Supermärkte spüren eine Veränderung. Konserven, Nudeln, Mehl und auch Klopapier werden knapp. "Die Kunden reagieren auf das, was sie vorfinden", sagt Gutberlet.

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Beim Anblick leererer Regale hätten viele Kunden dann eben den Gedanken gehabt: "Wenn das hier leerer wird, dann kaufe ich eins mehr. Dann wurde darüber berichtet, dass das eine Gefahr ist. Und dann wurde erst Recht noch mal mehr gekauft." So etwas verstärke sich aus einem gewissen Schutzbedürfnis heraus, meint Gutberlet. Und dann bekomme man die Bestätigung der Richtigkeit seines Handelns - eben dadurch, "dass nachher berichtet wurde: 'Ja, die anderen, die nachher kamen, haben nichts mehr bekommen'."

Heute kann Thomas Gutberlet schmunzeln über die Sache mit dem Klopapier - und weiß auch so ungefähr, wie groß der Vorrat zu Hause noch ist. Die Lieferkette sei nie in Gefahr gewesen.

Mehr Bio, weniger Fertiges

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Bio-Laden
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"Gute Lebensmittel" will Tegut nach eigener Aussage verkaufen. Damit wirbt die Supermarktkette mit Sitz in Fulda schon lange. Aber interessiert das die Kunden im Moment überhaupt? Wenn der Einkauf ein mit Angst besetzter Akt ist, wenn es ums "schnell durchkommen" statt ums gemütliche Schlendern geht? Durchaus, erzählt Gutberlet. In seinen gut 280 Märkten wurde mehr Bioware und weniger vorgefertigtes Essen gekauft.

Viel mehr sei selbst zu Hause "produziert" worden. "Weil die Leute wieder mehr gekocht haben, eigenes Brot gemacht haben, eigene Kuchen gebacken haben." Viele hätten in der Krise offenbar auch Wert auf gesunde Ernährung oder eben auch "Bio" gelegt, das lasse sich an den Verkaufszahlen ablesen.

Unternehmer mit christlichem Wertegerüst

"TG", wie der 50 Jahre alte Chef in der Firmenzentrale in Fulda genannt wird, führt die Geschäfte in dritter Generation. Zwar gehört das Handelsgeschäft inzwischen zur Schweizer Migro-Gruppe. Den Charme des Familienbetriebs, des Underdogs im hart umkämpften deutschen Supermarktbusiness, pflegt aber Thomas Gutberlet weiter. Und er pflegt die Werte, die er mitbekommen hat.

Als Fuldaer Katholik sind das auch christliche. "Ich glaube schon, dass es etwas anderes ist, ob ich etwas als Schöpfung und etwas Besonderes wahrnehme, oder nur als eine materielle Natur, wo es dann eigentlich fast schon egal sein könnte, wie ich damit umgehe". Yoga, Heilfasten, Meditation: Für den früheren Waldorfschüler Thomas Gutberlet trägt all das zu einem widerstandsfähigen Körper bei. Und den könne in Corona-Zeiten ja jeder gebrauchen. Genauso wie "gute Lebensmittel".

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 22.5.2020, 19.35 Uhr

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