Tobi Rosswog

Tobi Rosswog ist ausgestiegen. Raus aus der "normalen" Arbeitswelt, rein in eine Welt, die mehr Raum bietet für das, was ihm wirklich wichtig ist. Dieses Wissen möchte er teilen und so gibt der Aktivist Workshops , in denen er Alternativen zur 40-Stunden Woche aufzeigt.

Als Tobi Rosswog sein Studium abbrach und seinen Besitz verschenkte, hatte er das Gefühl, nicht mehr warten zu können: "Ich wollte mich nicht verwerten müssen", sagt der 28-Jährige. Er wollte raus aus einem System, das aus seiner Sicht zu sehr bestimmt ist von Konsum, Geld und Ausbeutung. Seitdem versucht Tobi Rosswog, anders zu leben: möglichst unabhängig von Geld, frei von Drogen, ökologisch und solidarisch.

"Ein Utopist ist ein Mensch, die die Realität schon jetzt versucht, radikal zu verändern, um sie noch überlebensfähig für zukünftige Generationen zu machen." Tobi sagt: "ein Mensch, die" – die weibliche Form als Zeichen von Solidarität mit Frauen, die aus seiner Sicht noch immer keine Gleichberechtigung erleben. Tobi Rosswog kann damit leben, als Utopist bezeichnet zu werden, wenn das meint: Einer, der heute schon lebt wie in einer besseren Zukunft. "Ein utopisch, optimistisch, idealistisch, träumendes, hoffnungsvolles Wesen."

Eine neue Form des Zusammenlebens

Aber nur Träumen ist Rosswog zu wenig. Seitdem er seinen Besitz verschenkt hat, lebt er in einem Haus in der Nähe von Hannover, im "Kollektiv für gelebte Utopie". Das ist eine Art Versuchslabor für eine neue Form des Zusammenlebens, die aber auch Ideen der guten alten Kommune weiterträgt.

Dazu gehört, "tauschlogikfrei" zu leben: "Tauschlogikfrei heißt, dass Menschen dieses Haus einfach so nutzen können, ohne eine Leistung erbringen zu müssen. Also dass wir versuchen, das Prinzip von Leistung und Gegenleistung zu überwinden." Man müsse also nichts dafür bezahlen, um dort leben zu dürfen. Und wer nichts zahlt, müsse auch nicht "mindestens drei mal mehr die Wäsche waschen als die Person, die Geld reingibt. Auch das wollen wir versuchen zu überwinden. Das heißt, dass da ein Raum ist, in dem Menschen einfach so sein dürfen." Um sich dann aus eigenem Antrieb einzubringen, jeder nach seinen Möglichkeiten.

Zitat
„Ich wollte mich nicht verwerten müssen.“ Zitat von Tobi Rosswog
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Bislang funktioniert das. Wer Geld verdient, zahlt es in eine Gemeinschaftskasse ein, aus der jeder nehmen kann, was er braucht. Strom und Wasser können so auch bezahlt werden. Zu essen gibt es Lebensmittel, die in den Supermärkten weggeschmissen werden oder das, was der Garten hergibt. Kleidung, Werkzeug … alles steht allen zur Verfügung und wird geteilt. Die Utopisten kommen mit deutlich weniger aus als der Durchschnitts-Konsument.

Raus aus dem Kreislauf von Arbeit, Konsum und Ausbeutung

Die Idee ist, sich so weit wie möglich rauszunehmen aus dem Kreislauf von Arbeit, Konsum, Ausbeutung und Leben auf Kosten der Umwelt. "Und zwar geht es mir darum, dass ich eine Gesellschaft möchte, in der wir nicht mehr arbeiten müssen und stattdessen endlich wieder tätig werden dürfen. Sinnvoll eben", sagt Rosswog. "Zu gucken, was ist wirklich mein Talent und nicht, was haben mir Mama und Papa gesagt, was hat mir meine Lehrerin gesagt, dass ich das doch angeblich kann und mich dementsprechend auf dem Arbeitsmarkt verhökern kann, sondern gucken: Was sehe ich wirklich als wichtige Dinge an?"  

Für Rosswog heißt das derzeit, Vorträge und Workshops zu halten und möglichst viele Menschen zum Nachdenken zu bringen. Er hat ein Buch geschrieben über seine Vision einer Gesellschaft ohne Arbeit. Es geht ihm darum, wie sich Menschen tatsächlich sinnvoll und zum Wohle aller beschäftigen können und nicht einer Arbeit nachgehen müssen, die sie eigentlich gar nicht machen wollen.  Arbeit im klassischen Verständnis will Rosswog abschaffen, die Menschen sollen aus eigenem Antrieb "tätig werden".

Weitere Informationen

Buchtipp

"After Work - Radikale Ideen für eine Gesellschaft jenseits der Arbeit."
Oekom Verlag
15,00 €

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Der junge Mann mit den langen Haaren und dem Bart glaubt, dass seine Utopie Wirklichkeit werden kann und er sagt: Ein großer Gewinn für alle wäre ein Mehr an Zeit für das, was wirklich wichtig ist im Leben. Er hat sich im vergangenen Sommer die Zeit genommen, um im Hambacher Forst zu sein. Er wollte Widerstand leisten: "Also Sand im Getriebe und Zucker im Tank der Megamaschine, würde Fabian Scheidler sagen, die aktuell Fakten schafft, die spätestens künftigen Generationen eine Erde hinterlässt, die nicht mehr lebenswert, nicht mehr bewohnbar ist."

Nicht zuletzt der Klimawandel hat Tobi Rosswog dazu gebracht, sein Leben so radikal zu verändern. Er ist davon überzeugt: Um die Folgen der Erderwärmung noch in Grenzen zu halten, muss sich auch unsere Gesellschaft radikal verändern. Wie das gehen kann, probiert er schon aus.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 18.1.19, 19:35 Uhr

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