Tobias Friedrich fotografiert im Meer einen Fisch
Tobias Friedrich (links) ist Unterwasserfotograf des Jahres 2018. Bild © Kirsty Andrews

Tobias Friedrich schießt spektakuläre Fotos von Meerestieren und Schiffswracks. Ein Gespräch über Freiheitsgefühle beim Tauchen, eine Begegnung mit einem Buckelwal und Klimawandel unter Wasser.

Erst vor ein paar Tagen ist Tobias Friedrich aus Ägypten zurückgekommen. Er hat einen kleinen Zwischenstopp zuhause in Hessen eingelegt und fliegt nach dem Interview direkt weiter nach Island zu einem Filmdreh, an dem er mitarbeitet. Es geht um die noch weitgehend unbekannte Unterwasser-Welt im Ozean dort – zum Beispiel wurde in einem Fjord an einem sogenannten "weißen Raucher" gedreht.

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Das ist ein untermeerischer Kamin, der heißes Wasser speit. "Drumherum hat sich unheimlich viel Leben angesammelt," sagt Friedrich, "mit Seewölfen, Seehasen, Seesternen, ganz vielen Dorschen – also auf einem ganz kleinen Raum ganz, ganz viel Leben und das haben wir schon durch etliche Tauchgänge dokumentiert."

Zitat
„Jeder sollte in der nächsten Zeit mal den Kopf unter Wasser stecken und diese Welt sich selber anschauen, um zu sehen, was so schützenswert daran ist.“ Zitat von Tobias Friedrich
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Als selbständiger Unterwasser-Fotograf ist er viel unterwegs und reist um die ganze Welt, um tolle Aufnahmen zu machen. Er habe zwar auch schon mal im heimischen Weiher in Niedernhausen den Krötenlaich fotografiert, erzählt er schmunzelnd, "aber mein Herz brennt für die Ozeane". Dabei gehört Tauchen und Fotografieren für ihn zusammen. Er könne sich nicht mehr vorstellen, einfach nur so zum Spaß tauchen zu gehen, sagt Friedrich: "Meine Leidenschaft macht wirklich auch aus, dass ich während eines Tauchgangs ein gutes Bild machen kann. Dieses Verlangen danach, immer bessere und schönere Bilder unter Wasser mitzubringen, ist auch so ein bisschen mein Motor."

Ein "Hallo-wach"-Moment

Kaum vorstellbar, dass der große und sportliche Mann noch vor wenigen Jahren ganz normal in einem Büro gearbeitet hat – als Anwendungsentwickler und Projektmanager in einer IT-Firma. Die Unterwasser-Fotografie war damals nur ein Hobby für ihn. Aber dann war es ausgerechnet eine Krebserkrankung, die Tobias Friedrich darin bestärkte, aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Er hatte einen Tumor in der Nase, wusste nicht, ob er den Krebs überleben würde, geschweige denn je wieder tauchen könnte.

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Er hat den Krebs besiegt und das sei für ihn ein "Hallo-wach"-Moment gewesen, erzählt Tobias Friedrich, "um sich einfach mehr drauf zu konzentrieren: Was will ich denn wirklich im Leben? Und einfach keine Zeit zu verlieren, die man vielleicht nicht so gerne mag oder sich auf Dinge bevorzugt zu stürzen, die einem gut tun. Und das war eben für mich die Unterwasser-Fotografie."

Viele seiner Fotos wurden mit Preisen ausgezeichnet. Friedrich veröffentlicht seine Aufnahmen in Tauchermagazinen, schreibt Bücher, gibt Foto-Workshops. Im Februar wurde der Hesse bei einem internationalen Wettbewerb zum "Unterwasser-Fotografen des Jahres 2018" gekürt. Den Preis gewann er mit einem Schiffswrack-Panorama eines britischen Kriegsschiffes, das während des Zweiten Weltkriegs beladen mit Fahrzeugen, Panzern, LKW und Motorrädern im Roten Meer gesunken war.

Schiffswrack-Panorama eines britischen Kriegsschiffes
Preisgekröntes Foto: Für dieses Schiffswrack-Panorama eines britischen Kriegsschiffes bekam Friedrich 2018 die Auszeichnung "Unterwasser-Fotograf des Jahres". Bild © Tobias Friedrich

Eines seiner liebsten Fotos aber entstand 2012 vor der Küste des Oman, als er einem 16 Meter langem Buckelwal begegnete: "Der kam mir so nahe und hat mir dann scheinbar aus Spieltrieb einen Schlag mit seiner Schwanzflosse verpasst auf meine Hand, was ziemlich weh getan hat." Dennoch schaffte Tobias Friedrich es, ein spektakuläres Foto zu schießen, eine sogenannte Halb-Halb-Aufnahme. Das sind Fotos, die knapp an der Wasseroberfläche gemacht werden und die damit einen ungewöhnlichen Blick auf beide Welten erlauben: unter Wasser und über Wasser.

Buckelwal vor der Südostküste des Oman
Buckelwal vor der Südostküste des Oman Bild © Tobias Friedrich

Auch wenn er als Unterwasser-Fotograf für genau solche Momente lebt, stimmen ihn der Klimawandel, die Vermüllung der Meere und die Veränderungen, die er sonst noch unter Wasser wahrnimmt, sehr nachdenklich. Vor allem Haie seien durch den Menschen sehr dezimiert worden, berichtet er. Das ziehe große Veränderungen in den Ozeanen nach sich – genau wie die Zerstörung der Korallenriffe. Tobias Friedrich möchte nicht nur schöne Bilder machen, sondern auch zum Nachdenken anregen: "Gerade aufgrund der Klimaerwärmung gibt es diese Korallengärten in der Art vielleicht nicht mehr in den nächsten Dekaden. Das heißt, jeder, der die Chance hat, sollte eigentlich in der nächsten Zeit einfach mal den Kopf unter Wasser stecken und diese Welt sich selber anschauen, um zu sehen, was so schützenswert daran ist."

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Die hr-iNFO Sommer-Interviews

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Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 3.8.18, 19:35 Uhr

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