Tobias Richter

Wie heißt eigentlich eine männliche Hebamme? Richtig: Hebamme. Für Tobias Richter ein Traumjob, auch wenn er dafür einiges in Kauf nehmen musste: hohe Arbeitsbelastung, wenig finanzielle Anerkennung - und Menschen, für die sein Job immer noch ein "Frauenberuf" ist.

Tobias Richter, 22 Jahre alt, ist seit 2018 Hebamme und hat inzwischen gut 400 Geburten betreut. Und ja: In der Berliner Klinik, in der er arbeitet, stellt er sich immer als Hebamme vor. Die anderen Berufsbezeichnungen haben bei den werdenden Eltern einfach nicht so funktioniert: "Ich bin sehr dafür, Hebamme zu sagen, damit die Frauen überhaupt wissen: Was bin ich denn überhaupt? Ich bin eine Hebamme!" Immer wenn er sich als "Entbindungspfleger" vorstellte, habe niemand gewusst, was er mache. "Seitdem ich Hebamme sage, wissen die: Wenn’s zur Sache geht, dann ist diese Person für mich da." 

 "Der schönste Moment"

Für die Frauen da sein, helfen, unterstützen, aufpassen – kennengelernt hat Tobias Richter das bei seiner Mutter, die seit 40 Jahren Hebamme ist. Jetzt ist es auch für den Sohn der Traumjob: "Die aktive Geburtsbegleitung, wenn das Kind auf die Welt kommt – das ist der schönste Moment. Geburten sind für mich das Schönste!"  

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Tobias Richter
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Ein Kind ist da, ein neues Leben, Zukunft, Hoffnung und ganz oft großes Glück. Für Richter, den alle Tobi nennen, ist das was ganz Großes. Und dafür nimmt er einiges in Kauf - Unverständnis etwa, das es manchmal noch gebe: "Das ist schon nervig, dass es immer noch Leute gibt, die sagen: 'Männer haben in diesem Beruf nichts verloren!' Das ist anstrengend und nervig und das ärgert mich auch."     

 Ablehnung von kirchlichen Trägern

40 Bewerbungen hat er geschrieben, als er 2015 seine Ausbildung beginnen wollte, Ablehnung gab es oft von kirchlichen Trägern - obwohl es zu wenig Hebammen in Deutschland gibt.

Das hat aus Tobis Sicht auch was damit zu tun, dass sein anspruchsvoller Job nicht angemessen entlohnt wird: "Wir haben eine unglaublich hohe Verantwortung, wir sind immer für mehrere Menschenleben gleichzeitig verantwortlich. Geburtshilfe kann ganz schnell mal eine Notfall-Situation ergeben in der Klinik, da muss man schnell sein und handeln können - und das ist nicht das, was sich im Gehalt und im Lohn widerspiegelt."  

Was sich ändern muss

Das muss sich ändern, sagt Tobi, und das ist nicht seine einzige Forderung. Er will, "dass wir einfach wertgeschätzt werden. Dass wir eine Anerkennung bekommen für unsere Arbeit, die wichtig ist - finanzielle Anerkennung und mehr ausgebildete Hebammen in den Kliniken, auch eine Mindestbesetzung in jeder Klinik." Denn nur so kann die Arbeitsbelastung besser verteilt werden. Und das ist jetzt nach den schwierigen Monaten mit den zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie dringend notwendig.

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Das Interview führte Mariela Milkowa.

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Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 5.5.2021, 20:35 Uhr

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