Babylon Berlin
Am Dienstag, den 25.09.2018 fand im ehemaligen Stumfilmkino Delphi in Berlin die Vorführung der Dokumentation "1929 - Das Jahr Babylon" von Volker Heise zur Serie "Babylon Berlin" statt. Zum Fotocall auf dem Roten Teppich versammelten sich die Schauspieler mit den Regisseuren und Programmverantwortlichen. Bild © ARD Ralf Succo

Es ist das TV-Ereignis des Jahres: Ab dem 30. September startet "Babylon Berlin" endlich im Ersten. Die preisgekrönte Serie spielt im Berlin der Weimarer Republik und ist ein Sittenbild der Metropole jener Zeit, aber auch ein Lehrstück über eine zerfallende Demokratie.

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zum Artikel Tom Tykwer und Achim von Borries - Regisseure von "Babylon Berlin"

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Als "Babylon Berlin" vor einem Jahr beim Bezahlsender Sky gezeigt wurde, war der Medienrummel schon groß. Und jetzt kurz vor der Ausstrahlung im Ersten erleben die Macher der Serie eine Art  Déjà-vu. Nur scheint die Aufmerksamkeit noch größer geworden zu sein, nachdem die Serie mit Preisen überhäuft (u.a. Deutscher Fernsehpreis, Goldene Kamera, Grimme-Preis) und in rund 100 Länder verkauft wurde. Volker Kutscher, der mit seinen Kriminalromanen die Vorlage lieferte zur Serie, liebt "Babylon Berlin" und hat dem Autoren- und Regietrio Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten praktisch freie Hand gelassen beim Schreiben der Drehbücher.

Große Freude über "Tatort"-Sendeplatz

Es könnte also gar nicht besser laufen für die Macher, die bereits an der dritten Staffel arbeiten, während die ersten beiden nun endlich ins öffentlich-rechtliche Fernsehen kommen. "Seit fünf Jahren haben wir uns dieses Projekt um die Ohren gehauen", sagt Tom Tykwer, und doch sei der Start von "Babylon Berlin" am 30. September im Ersten auf dem traditionellen "Tatort"-Sendeplatz um 20:15 Uhr etwas ganz Besonderes. "Wir haben einen Luxustermin", sagt Tom Tykwer, es sei toll, dass am Sonntagabend wirklich viele Leute gleichzeitig einschalten würden, "auch aus dem unbewussten sozialen Impuls heraus, dass man am nächsten Tag mit ganz vielen Leuten darüber reden kann."

Tom Tykwer und Mariela
Achim von Borries, Mariela Milkowa und Tom Tykwer Bild © hr

"Babylon Berlin", das Sittengemälde der späten 20er Jahre in Gewand eines Kriminalfilms, liefert ohnehin viel Gesprächsstoff. Es ist mit 40 Millionen Euro nicht nur die bisher teuerste deutsche TV-Produktion, sondern der Zuschauer bekommt auch eine TV-Serie in Kinoqualität – aufwendig produziert und mit herausragenden Schauspielern besetzt, wie z.B. Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Matthias Brandt und Lars Eidinger.

Für die Macher ist "Babylon Berlin" vor allem auch spannend, weil sie Parallelen sehen zwischen heute und der Weimarer Zeit, in der die Serie spielt. Sie zeigt ein Berlin im Auf- und Umbruch, eine Gesellschaft, die gespalten ist und geprägt von politischen Spannungen einerseits und rauschhaften Festen andererseits, eine Stadt zwischen Luxus und großer Armut. Für Kunst und Kultur sind es goldene Jahre, noch ahnt keiner, in welche Katastrophe der aufkommende Nationalsozialismus führen wird.

Die Serie zur Stunde

"Es war ein Balance-Akt zwischen Revolution und Reaktion", erklärt Regisseur Achim von Borries - und wie das ausgegangen sei, wüssten alle. Diese Epoche der Geschichte sei reizvoll gewesen, weil sie in Vergessenheit geraten sei im Vergleich zur Hitler-Zeit danach. "Da die Nazis nicht als Nazis von den Bäumen fielen 1933, sondern dazu wurden in einer Zeit davor, haben wir uns gesagt, wir gucken uns diese Zeit an", so von Borries. "Babylon Berlin" sei die Serie zur Stunde, loben auch viele Kritiker. Die Macher seien allerdings beim Schreiben und Drehen dann doch erstaunt gewesen, wie aktuell der Stoff ist. "Während wir das schrieben, passierten um uns herum in Europa diese ganzen bizarren Kollapse von scheinbar unverwundbaren Systemen", sagt Tom Tykwer, "also Brexit oder die französische Beinahe-Wahl von Le Pen. Es gab vor allem auch ökonomische Krisen, die waren ja damals auch sehr relevant, um eine Stimmung zu wenden."

Babylon Berlin 2
„Babylon Berlin“ spielt 1929. Berlin ist eine Metropole in Aufruhr, eine zerrissene Stadt im radikalen Wandel. Die Dokumentation zur Serie wirft ein Blick hinter die Kulissen der Fiktion. Erzählt wird das Jahr anhand von Tagebüchern, Protokollen und Briefen: das Kaleidoskop einer taumelnden Großstadt aus der Sicht ihrer Bewohner. Bild © rbb/zero one film GmbH

Die Serie ist nicht nur ein spannend gemachter Krimi im Berlin der späten 20er Jahre, sondern eben auch ein Lehrstück über eine zerfallende Demokratie. Und genau darin sieht Tom Tykwer mehr denn je eine Parallele zu heute: "Wir wissen nicht genau, wie stark unsere Demokratie grade dasteht und was aus unseren Parlamenten wird." Achim von Borries beschreibt dieses Gefühl so: "Ich komm nicht umhin, mit den Augen der 20er auf die Gegenwart zu sehen und das erschrickt mich." Und Tom Tykwer fügt hinzu: "Das ist glaube ich auch das Besondere an Babylon Berlin, dass man das Gefühl hat, man befindet sich in einer Epoche, die sich so akut und so direkt ans Heute angliedern lässt, dass sozusagen wir selber uns reflektieren können in einer anderen Zeit."

Zukunft der Serie

Momentan schreibt das Autoren- und Regie-Trio an der dritten Staffel, gedreht werden soll ab November. Das Projekt soll auf jeden Fall weitergehen, insgesamt sechs Staffeln haben sich Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten vorgenommen. Auch wenn die Arbeit als Trio wie in einer Art "Ehe zu dritt" nicht immer so einfach sei, erzählt Tykwer: "Wir sind schon drei sehr unterschiedlich geartete Alphatiere, aber das Schöne ist eben, dass unsere Kapazitäten halt so verschieden sind." Das Bild vom Filmemacher als einsamer Star sei sowieso überholt, erzählen die beiden. Teamwork sei angesagt – gerade bei so einem Mammutprojekt wie "Babylon Berlin". Jetzt heißt es einfach weiterarbeiten an der Serie. Denn, sagt Tom Tykwer, "wir wollen einen 60- oder 70-stündigen Film machen und haben grade mal erst zwölf Stunden erledigt. Also weiter geht's!"

Weitere Informationen

Sendetermine "Babylon Berlin"

Folge 1-3                    Sonntag, 30.9. 20:15 Uhr
Folge 4-6                    Donnerstag, 4.10. 20:15 Uhr
Folge 7/8                    Donnerstag 11.10. 20:15 Uhr
Folge 9/10                  Donnerstag 18.10. 20:15 Uhr
Folge 11/12                Donnerstag 25.10. 20:15 Uhr
Folge 13/14                Donnerstag 1.11. 20:15 Uhr
Folge 15/16                Donnerstag 8.11. 20:15 Uhr 

Mehr Infos zur Serie gibt es hier [daserste.de].

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 28.9.2018, 19:35 Uhr

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