Tupoka Ogette

Tupoka Ogette wird nicht müde, weißen Menschen beizubringen, wie sich rassistische Denkweisen und Sprache erkennen lassen und wie sich etwas daran ändern lässt. Auch und gerade in Tagen, wo andere Themen die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Mit Anfang 20 hatte Tupoka Ogette das, was sie als ihr "Schwarzes Coming-out" oder ihre Politisierung bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Tochter einer Deutschen und eines Tansaniers bereits Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Als sie aber für ein Studium wieder in ihre Geburtsstadt Leipzig zurückkehrt, spricht sie in einem Café eine andere junge Schwarze Frau an und lädt sie zu einem Treffen Afrodeutscher Menschen ein. Sie habe zuerst nicht so richtig etwas damit anzufangen gewusst - doch sie folgte ihr. "Das war der Start, dass ich begonnen habe, mich mit andern Schwarzen Menschen auszutauschen über meine Erfahrungen als schwarze Person, wo ich angefangen habe Worte zu finden."

Worte, um das zu erklären, was sie erlebte. Dort lernte sie auch, dass es bereits einen langen Diskurs gibt über das, was Schwarze Menschen an Rassismus erleben und dass das, was ihr widerfahren war, so etwas wie eine kollektive Erfahrung ist.

"Auch abseits vom Scheinwerferlicht"

Heute ist Tupoka Ogette Antirassismus-Trainerin, Autorin und Bürgerrechtlerin, das Thema Rassismus für sie ein Lebensthema. Eines, das auch in Tagen, wo Pandemie und Krieg die Aufmerksamkeit auf sich lenken, allgegenwärtig ist: "Das Traurige oder Tragische ist ja, dass Rassismus auch nicht Halt macht vor Kriegen." Zum Beispiel, wenn über die flüchtenden Menschen aus der Ukraine jetzt ganz anders gesprochen werde als zum Beispiel über fliehende Menschen aus Afghanistan. "Und andererseits hören wir natürlich viele Hilfeschreie von Schwarzen Menschen und ‚People of Color‘ in der Ukraine, die jetzt rauswollen" – und genau daran gehindert würden.

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Antirassismustrainerin Tupoka Ogette: "Du bist richtig, Du bist wichtig!"

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Und auch wenn es diese Verwebung aktueller Ereignisse und rassistischer Vorkommnisse nicht so offensichtlich gibt, ist das kein Grund für die stolze Kreuzbergerin, um das Thema links liegen zu lassen. "Ich und auch viele Menschen, die gegen Rassismus ankämpfen, führen diese Kämpfe unabhängig von dem medialen Scheinwerferlicht." Immer wieder begegnen ihr dabei auch weiße Menschen, die verunsichert sind, ob ihr handeln rassistisch ist, oder so wahrgenommen werden könnte. Sie könne ihnen das Gefühl zwar nicht nehmen, aber "diese Unsicherheit ist ein gutes Zeichen. Das bedeutet nämlich, dass wir in Bewegung sind."

"Das ist für mich Heilung"

Ihre Energie zieht Tupoka Ogette aus verschiedenen Quellen, "Musik ist auf jeden Fall ein Aspekt, wo ich auftanken kann, wo ich Kraft finden kann." Zum Beispiel mit der Musik der amerikanischen Künstlerin Lizzo. "Gerade auch, weil sie als Schwarze dicke Frau präsent ist, sich Raum nimmt, sich feiert." Ein Vorbild, das sich Tupoka Ogette als Kind selbst gewünscht hätte: "Ich bin ein kleines, dickes Schwarzes Mädchen gewesen und hätte solche Vorbilder auf jeden Fall dringend gebraucht." Dass es sie jetzt gibt, freut Tupoka Ogette.

Ob sie selbst auch ein Vorbild sei? Diese Plakette möchte sie sich nicht selbst anheften. Aber dass es scheinbar viele Menschen gibt, die inspiriert sind durch ihre Arbeit, Bücher und Podcasts, das freut sie. "Das gibt mir einfach ganz viel zurück und das ist für mich auch Heilung."

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Das Interview führte Anne Baier

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