Ulrich Tukur

Der Schauspieler und Musiker hat nun seinen ersten Roman geschrieben. "Der Ursprung der Welt" ist ein Thriller, der in einem dystopischen Europa 2033 und zugleich vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs spielt.

Drei Jahre lang hat Ulrich Tukur an seinem ersten Roman gearbeitet. Das Schreiben sei mehr Lust als Last gewesen und habe ihn "sehr strukturiert", sagt er. In "Der Ursprung der Welt" erzählt er die Geschichte von Paul Goullet, einem jungen Deutschen, der sich in seinem Land nicht mehr zu Hause fühlt und nach Frankreich geht. Der Plot spielt zunächst in der nahen Zukunft, im Jahr 2033.

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Als Goullet bei einem Pariser Bouquinisten ein altes Fotoalbum entdeckt und darin Fotos eines Mannes findet, der ihm täuschend ähnlich sieht, begibt er sich auf die Spuren dieses Mannes. Die Reise in die Vergangenheit führt Goullet in die 1940er Jahre nach Frankreich. Dabei springt der Romanheld mühelos von der Zukunft in die Vergangenheit und verwandelt sich immer mehr in seinen Doppelgänger aus dem Fotoalbum, der ein schauriges Geheimnis hat.

Spiel zwischen Sein und Schein

Sein Romanheld Paul Goullet begibt sich nicht nur auf eine Zeitreise, sondern auch auf eine Reise zu sich selbst. Er taumelt zwischen Traum und Wirklichkeit. Ein Thema, das viel mit Ulrich Tukur persönlich zu tun hat: Schon als Kind habe er sich immer weggeträumt in andere Welten. Und auch in seinen Rollen spielt das eine wichtige Rolle.

Die Figur des Kommissar Murot im hr-Tatort wurde Tukur zum Beispiel auf den Leib geschneidert. Er sei eine "anachronistische, eine aus der Wirklichkeit gefallene Figur". Das Spiel zwischen Sein und Schein, Traum und Wirklichkeit, das Surreale und Reale, das reizt ihn. Sein "Lebensthema" sei die Frage: "Wo komme ich her und wie ungeheuer tief ist das alles unter mir? Und was flüstern in mir für dahingegangene Generationen?" Das klingt anstrengend, ist es auch. Entspannt sei er nie, meint Turkur grinsend. "Ich bin immer unter Strom."

Wie gehen Menschen gegen totalitäre Systeme vor?

Im Interview outet sich Ulrich Tukur als Fan von Gruselbüchern und fantastischen Romanen des frühen 19. Jahrhunderts. "Ich liebe E.T.A. Hoffmann und ich habe die Erzählungen von Edgar Allan Poe verschlungen", erzählt er. In seinem Roman ist das deutlich zu spüren. Er wollte einen fantastischen Thriller schreiben, der dem Leser auch Gruselmomente beschert.

Das Spiel mit den zwei Zeitebenen 2033 und die 1940er Jahre habe ihn gereizt, weil er versucht habe durchzuspielen, wie es in Europa in der nahemn Zukunft aussehen könnte. "2033 habe ich deshalb genommen, weil es 100 Jahre nach der sogenannten Machtergreifung Adolf Hitlers in Deutschland ist."

Seine Vision im Buch ist düster: "Ein Europa im Zerfall, totalitäre Systeme machen sich auf, uns zu beherrschen." In seinem Roman spiegeln sich totalitäre Systeme der Zukunft in den totalitären Systemen der Vergangenheit. Die Frage, die ihn dabei interessiert habe, war: Wie gehen Menschen dagegen vor? Und wie könnte der Widerstand in der nahen Zukunft aussehen?

Bei den klassischen Demokratien wackelt alles

Aus Ulrich Tukurs Roman kann man nicht nur seine Faszination für Schauerliteratur ablesen, sondern auch sein großes Interesse für Geschichte. Bevor er Schauspieler wurde, hatte er neben Germanistik und Anglistik auch Geschichte studiert. Für sein Buch, das vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs und der Résistance in Frankreich spielt, hat er intensiv recherchiert. Er ist sogar mit seiner Frau Katharina John auf alten Fluchtrouten in den Pyrenäen unterwegs gewesen.

Weitere Informationen

Buchtipp

Ulrich Tukur: "Der Ursprung der Welt"
S. Fischer Verlag
22 Euro

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Glaubt er, dass sich Geschichte wiederholt? Nein, sagt er, aber "wenn man nicht kämpfend für die Demokratie eintritt und auch weiß, wie fragil das Ganze ist, dann haben wir irgendwann das Nachsehen." Das sei eine Gefahr, die er sehe und ein Szenario, das ihm Angst mache: "Die großen, klassischen Demokratien in den USA oder in England, das wackelt alles. Der Zustand in Osteuropa, der Totalitarismus, der sich in China aufmacht, die Überbevölkerung, die wir nicht unter Kontrolle kriegen, die fortsetzende Naturzerstörung, das sind alles Dinge, die einem schon große Sorgen machen."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 23.10.2019, 19:35 Uhr

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