Verena Pausder

Noch sind die meisten Schulen offen - und die Politik setzt alles daran, dass das auch so bleibt. Doch der Protest der Schülerinnen und Schüler wird lauter. Für echten hybriden Unterricht sind die meisten Schulen jedoch noch immer nicht ausgerüstet. Pausder hat viele Ideen, wie es besser laufen könnte.

Verena Pausder weiß, wie „Machen“ geht. Denn sie ist die Art Frau, die nicht lange drumrum redet. Ihr erstes Start-up gründete die Unternehmertochter direkt nach dem Studium. Und scheiterte. Die Gastronomiekette für gesundes Fastfood wurde nie Wirklichkeit.

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Aufstehen, Weitermachen, aus den Fehlern lernen. Beim nächsten Mal lief es besser. Mit „Fox & Sheep“ wollte sie vor acht Jahren vom Tablet-Boom profitieren und sinnvolle Lern-Apps für Kinder und Jugendliche entwickeln. Mit Erfolg. Auch die „HABA-Digitalwerkstatt“ brachte sie zum Laufen – und zog sich Ende vorigen Jahres zurück.

Lehrpläne entrümpeln für neue Unterrichtsformen

2020 sollte dann ein ruhigeres Jahr werden, doch dann kam Corona. Als Expertin für digitale Bildung überlegte Pausder im ersten Lockdown im März, wie sie helfen kann. Und stellte in Windeseile eine Plattform für Homeschooling in Coronazeiten online – in wenigen Wochen „hunderttausendfach geklickt“, wie sie sagt.

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„Es soll nicht heißen: Geht nicht mehr raus, spielt nicht mehr im Wald, trefft nicht mehr eure Freunde. Sondern lasst uns diese digitale Welt nicht immer nur verteufeln.“ Verena Pausder Verena Pausder
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Seit dem Frühjahr habe sich viel getan, sagt Pausder, vor allem bei der Infrastruktur: Mehr Schulen hätten inzwischen schnelles Internet, mehr Lehrkräfte Laptops und dienstliche Mailadressen. Doch für die Konzepte zur Digitalisierung vergibt Verena Pausder eine 4 minus: "Es ist ja jetzt nicht per se besserer Unterricht, weil in jedem Klassenraum Tablets liegen. Sondern wir müssen die Lehrpläne entrümpeln, damit wir überhaupt Platz haben für neue Formen des Unterrichts: mehr Kreativität, mehr projektübergreifende Sachen.“

Und die Lehrerinnen und Lehrer entsprechend ausbilden, sagt Pausder. Denn die digitale Bildung sei so doch so enorm wichtig – für die Zukunft der Kinder und die des Landes. "Aber es soll nicht heißen: Geht nicht mehr raus, spielt nicht mehr im Wald, trefft nicht mehr eure Freunde. Sondern lasst uns diese digitale Welt nicht immer nur verteufeln. Sondern lasst mal gucken, was wir mit ihr alles kreieren können. Denn das werden im Zweifel die Sachen sein, die wir morgen und übermorgen anwenden können.“

"Unternehmerbuch des Jahres"

Verena Pausders Energie und Tatendrang ist in jedem Satz ihrer Antworten zu hören. Und doch sind da auch nachdenkliche Momente. Denn sie denkt weiter. Nicht nur bei digitaler Bildung müsse sich in Deutschland viel verändern. Auch in der Arbeitswelt. Warum müssen Vorstände großer Unternehmen ihr Mandat niederlegen, wenn sie Elternzeit nehmen müssen? Wie organisiert man häufigere Seitenwechsel zwischen Politik und Wirtschaft? Verena Pausder denkt groß.

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Buchtipp

"Das Neue Land – Wie es jetzt weitergeht"
Von Verena Pausder
Murmann-Verlag

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Ihre Visionen hat sie in einem Buch zusammengefasst, ausgezeichnet als „Unternehmerbuch des Jahres“. „Das neue Land“ ist geschrieben wie eine politische Rede. Eine Bewerbungsrede? Eher nicht, sagt Pausder. Auch außerhalb der Politik könne man heute viel verändern. Aber mehr Austausch zwischen Politik und Wirtschaft sei schon wünschenswert.

"Ich wollte schon immer gerne Erste sein"

Verena Pausder ist schnell. War sie schon immer. Den 400-Meter-Lauf als Sechsjährige gewann sie, obwohl sie als Einzige die ganze Runde auf der Außenbahn blieb. Und ihre kleine Schwester Viktoria – heute auch erfolgreiche Gründerin und Unternehmerin – diente ihr als Partnerin, um ihr Verhandlungsgeschick zu üben. Im Kinderzimmer tausche Verena ihre Zwei-Pfennig-Münzen gegen Viktorias Fünfer ein. Aus ihrer Sicht ein guter Deal für beide. Zwar seien die Fünfer mehr wert, aber die Zweier ja schließlich auch größer.

Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 4.12.2020, 19:35 Uhr

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