Walter Werzowa

Können Computer so genial komponieren wie Beethoven? Walter Werzowa hat den Beweis angetreten. Der österreichische Komponist und Produzent vollendet Beethovens unvollendete 10. Sinfonie mit Hilfe von Algorithmen - mit unerhörten Ergebnissen.

Wenn Walter Werzowa Filmmusiken für Hollywood oder Werbejingles für Großkonzerne komponiert, tut er das nicht unter einer Palme in der Sonne, während er auf den musikalischen Genius wartet. Werzowa muss Musik konstruieren, Wiedererkennbarkeit schaffen, Gefühle erzeugen.

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Das "Beethoven-Experiment"
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Er weiß um die Wirkung von Musik. Umso überwältigender war es für ihn, Beethoven-Musik zu hören, die nicht der Meister selbst, sondern ein Computer komponiert hat: "Ich glaube, dass die Künstliche Intelligenz den Menschen mehr und mehr versteht, sich einfühlen und etwas lernen kann – und damit auch etwas komponieren kann, das uns zutiefst berührt und berührend ist."

Werzowa, der selbst Komponist ist, spricht von "schönen, fantastischen Fehlern", die der Computer absichtlich errechnet und kalkuliert. Und genau das sei die Kunst, sagt Werzowa: "Ich bin überzeugt, dass kein Mensch außer Beethoven selbst das so gemacht hätte."

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Das Interview führte Uli Höhmann.

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Kalkulierte musikalische Explosionen

So zu klingen wie Beethoven ist eine schwierige Sache, erklärt Werzowa. Denn auf der einen Seite komponiere er sehr logisch, "aber dann sprengt er irrsinnig die Zwänge". Damit hätten Menschen ein Problem: "Wenn ich jetzt ein guter Musikstudent bin und versuche, wie Beethoven zu komponieren, komme ich dorthin. Aber es wird wahrscheinlich jeder gleich erkennen, das ist jetzt nicht wirklich dieses beseelte Beethoven."

Der Computer dagegen sehe auch "die Aussprünge", wie Werzowa das nennt, "die Explosionen, die immer wieder vorkommen" und die eine Komposition erst interessant machen. Ist vom Computer errechnete Musik also auch Kunst? Das sei letztendlich egal, findet Werzowa: "Es fasziniert mich und es berührt mich – und das ist es, was Musik machen soll."

Beethoven hätte es gefallen

Im Jubiläumsjahr, in dem Beethoven seinen 250. Geburtstag gefeiert hätte, arbeitet der österreichische Komponist und Musikproduzent im Auftrag der Telekom daran, gemeinsam in einem Team von Musikwissenschaftlern und KI-Experten Beethovens unvollendete 10. Sinfonie zu vollenden. Im April soll das Werk fertig sein.

Derzeit wird daran gearbeitet, die Algorithmen möglichst gut auf Beethoven zu trainieren. Denn als Beethoven starb, waren nur ein paar Skizzen der Sinfonie fertig. Nun werden die Computer mit allen Beethoven-Werken und Komponisten, die ihn beeinflusst haben, gefüttert: "Als die ersten Werke vom Computer ausgespuckt wurden, waren sie noch ein bisschen steif. Aber je mehr der Computer lernt, desto interessanter wird es. Es klingt so toll nach Beethoven und es ist so faszinierend, was da rauskommt."

Beethoven hätte sicher nicht genau so komponiert wie die Computer, sagt Werzowa. Aber es sei eine "Möglichkeit, die Beethoven zumindest gefallen hätte."

Walther Werzowa ist bereits seit den 80er Jahren in der Musikbranche unterwegs, hat in Wien klassische Gitarre und Elektromusik studiert, hat 12-Ton-Opern mit Otto M. Zykan komponiert, Erfolge gesammelt und sich einen Namen in Hollywood gemacht. Er wird auch "Mozart der Jingles" genannt, seit er das Audio Branding von Intel komponiert hat  und das musikalische Logo von T-Mobile erfunden hat. Er hat Filmmusik in Los Angeles studiert und Musik für Blockbuster wie "Minority Report" von Steven Spielberg komponiert.

Irrsinniges Glück mit Edelweiß

Und woher kennt man den Namen Werzowa in Europa? Mit dem Dance-Song "Bring me Edelweiss" hat er mal einen Nummer 1-Hit gelandet, basierend auf dem ABBA-Song SOS. Das war in den 80er Jahren. Eine verrückte Zeit, erzählt Werzowa: "Ich habe irrsinniges Glück gehabt. Ich lache, wenn ich zurückschaue."

An einem Freitagnachmittag habe man in einem Musikverlag in Schweden angerufen, ob man das ABBA-Zitat verwenden dürfe. "Da war ein Herr am Telefon, der offensichtlich betrunken war", erzählt Werzowa. Er war der letzte, der noch im Verlag war - und schickte schließlich das schriftliche Okay. Als "Edelweiß" zum Hit wurde, schickte ABBA eine Unterlassungsaufforderung, die Schweden wollten selbst eine Platte herausbringen, erinnert sich Werzowa: "Die haben gar nicht gewusst, dass der Verlag uns das unterschrieben hat." Die ABBA-Platte jedenfalls ist nie veröffentlicht worden.

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Hier hören Sie einen Ausschnitt der von KI komponierten Beethoven-Sinfonie.

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Sendung: hr-iNFO Das Interview, 5.2.2020, 19:35 Uhr

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