Werner D'Inka und Mariela Milkowa

Werner D’Inka geht Ende März in den Ruhestand – in schwierigen Zeiten. Wir haben mit ihm über die Rolle des Qualitätsjournalismus in Zeiten von Corona gesprochen und darüber, wie es sich anfühlt, als "Senior" plötzlich zur Virus-Risikogruppe zu gehören.

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Werner D’Inka ist seit 40 Jahren Journalist, aber so etwas wie die Corona-Krise habe er noch nie erlebt: "Wir hatten den RAF-Terrorismus, wir hatten Tschernobyl, aber das ist alles nicht vergleichbar mit dem, was wir jetzt erleben", sagt er.

Das alles habe "etwas Unwirkliches" und bei ihm komme noch hinzu, dass er sich den Abschied aus seinem Berufsleben natürlich anders vorgestellt habe. Die geplante Abschiedsfeier muss ausfallen, soll aber nachgeholt werden.

"Bevölkerung reagiert überwiegend angemessen"

Im Moment arbeite ein Großteil der Frankfurter FAZ-Redaktion im Home Office. "Das geht erstaunlich und wohltuend gut", erzählt der 65-Jährige, denn schreiben könne man ja überall, nur die Themenabsprache laufe jetzt etwas anders ab.

Auch im normalen Alltag habe er sich so gut es geht mit den Einschränkungen durch die Corona-Krise arrangiert und findet auch, "dass die Bevölkerung überwiegend angemessen reagiert." Wenn er in diesen Tagen einen Kommentar zur Corona-Krise in Deutschland schreiben müsste, würde seine Schlagzeile trotzdem lauten: "Leute, seid vernünftig!"

Apelle zu starten sei zwar sonst nicht die Aufgabe von Journalisten, sagt Werner D’Inka, "aber im Moment sollte man das tun." Auch die Medien sind in Zeiten der Corona-Krise stark gefordert und Informationen sind stark nachgefragt.

Chance für den Qualitätsjournalismus

"Ich glaube, dass in so einer Situation wieder deutlicher wird, was die Aufgabe, Bedeutung und Wichtigkeit von seriösem, ernst zu nehmendem Journalismus ist. Das ist in erster Linie: das zu veröffentlichen, was man vertreten kann, nicht zur Panikmache beizutragen, die Dinge aber auch nicht zu verharmlosen und vor allem alles zu prüfen vor der Veröffentlichung."

Seriöse Medien würden eigentlich immer so arbeiten, sagt D’Inka, die aktuelle Situation sei jetzt noch ein "zusätzlicher Stresstest." Vor allem auch, weil sich viele Fake News über Social Media rasant verbreiten. Umso wichtiger sei es da, dass seriös arbeitende Journalisten jetzt versuchten, Ihrer Aufgabe nachzukommen.

Der langjährige Mitherausgeber der FAZ glaubt, dass die Corona-Krise auch eine Chance für den Qualitätsjournalismus sein kann und dass Leute sagen: "In dieser ganzen Informationsvielfalt, in allem, was da auf uns einstürzt, gibt es doch ein paar Absender, denen wir glauben, vertrauen zu können, weil die wissen, was sie tun und weil sie nach bestem Wissen und Gewissen überprüfen, bevor sie etwas auf die Leute los lassen."

Leben nach dem Job

Auch als Rentner wird Werner D’Inka das aktuelle Geschehen weiter verfolgen, obwohl er sich selbst nicht als den "allergrößten Nachrichten-Junkie" bezeichnet. Er wird an der Uni Siegen weiter den journalistischen Nachwuchs trainieren und auch weiter Bücher schreiben.

Zusammen mit seinem Journalisten-Kollegen Rainer M. Gefeller arbeitet er einem neuen Buch, das den Titel trägt: "Ey Alter – Die wahren Lebenskünstler sind 60plus". Eigentlich sollte es ein humoriges und lebensbejahendes Buch über die eigene Generation werden, aber dem Buchprojekt kommt jetzt das Corona-Virus in die Quere. Denn die Infektionskrankheit ist besonders für die Älteren gefährlich.

Nicht in eine Depression hineindenken

Wie geht Werner D’Inka damit um, plötzlich zur Corona-Risikogruppe zu gehören und auf Solidarität der jüngeren Generation angewiesen zu sein? D'Inka bewahrt da einen kühlen Kopf, sagt er: "Man wacht nicht morgens auf und denkt, oh Gott oh Gott, ich bin Teil einer Risikogruppe. Ich glaube, man darf sich jetzt nicht in eine Depression hineindenken und sich völlig beherrschen lassen von dem Thema."

Außerdem nehme er auch wahr, dass sich die Gesellschaft durch die Krise grade verändere. "Es gibt mehr Rücksichtnahme auf andere", stellt Werner D’Inka fest, "ich glaube auch, dass es unsere Gesellschaft so ein bisschen zusammenschweißt, obwohl wir Distanz halten sollen. Ich glaube, dass wir auf gute und angemessene Weise auf diese Situation reagieren."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 21.3.2020, 19:35 Uhr

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