Mit "Willi wills wissen" wurde Willi Weitzel zu einem der bekanntesten Gesichter des deutschen Kinderfernsehens. Er stammt gebürtig aus Stadtallendorf und ist Botschafter der Region Mittelhessen. Der Streit um den Ausbau der A 49 begleitet ihn seit seiner Kindheit.

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Willi Weitzel umarmt einen Stein
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Woher kommt das Trinkwasser? Wie kommt der Strom aus der Steckdose? Oder: Wie löscht die Feuerwehr einen Brand? Viele solcher Fragen hat er früher in "Willi wills wissen" beantwortet. Die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Sendung machte Willi Weitzel zu einem der bekanntesten Gesichter des deutschen Kinder-Fernsehens. Und obwohl es das ARD-Format seit über zehn Jahren gar nicht mehr gibt, sind die lustigen und lehrreichen Videos von "Willi wills wissen" auf Youtube noch immer angesagt bei Kindern und Eltern.

Auch Lehrer und Lehrerinnen nutzen die Wissenssendungen für ihren Unterricht. Es mache ihn stolz, "dass das, was wir früher so aus dem Bauch heraus gemacht haben, von Pädagogen wertgeschätzt wird, weil sie sehen, die Kinder profitieren davon", sagt Weitzel.

Erwachsen nur für die Kinder

Der Moderator, Reporter und Filmemacher ist mittlerweile 48 Jahre alt, aber ein bekennender "Kindskopf". Seine Stärke sei es, "die Ebene, die Augenhöhe, den Horizont von Kindern aufzunehmen" und auf diese Weise ihre Fragen zu beantworten. Das mag vielleicht damit zu tun haben, dass Weitzel mal auf Lehramt studiert hat, wobei er eigentlich nie Lehrer werden wollte. Vielleicht liegt es aber auch an seinen jugendlichen Genen: "Ich behaupte immer, dass in meiner Brust das Herz eines Achtjährigen schlägt", sagt Weitzel, "aber meine Kinder, die sind jetzt drei, sechs und zwölf, die zwingen mich immer wieder in diese Rolle, dieser Erwachsene zu sein."

Obwohl er sich auch heute noch gern mit "Willi wills wissen" identifiziert, sind die Themen, mit denen er sich inzwischen beschäftigt, anspruchsvoller geworden. Er hält Multimedia-Vorträge über seine Reise-Abenteuer "Willis wilde Wege", wie zum Beispiel die Wanderung mit einem Esel von Nazareth nach Bethlehem, weil seine Tochter wissen wollte, wie das damals war mit Maria und Josef und der Weihnachtsgeschichte. Er schreibt Bücher, tritt mit Konzerten auf, moderiert eine Wissenssendung im BR-Fernsehen und engagiert sich mit viel Herzblut für das Thema Bildung – er hat unter anderem eine Schulfilmreihe gestartet, die "Willi macht Schule" heißt und sich an Lehrinnen und Lehrer richtet.

Von Fake News über Demokratie bis zum Dannenröder Forst

In den Filmen beschäftigt er sich mit aktuellen Themen, "von Fake News bis Corona über Gesundheit bis zur Demokratie – also für alle möglichen Fächer", sagt Weitzel. Und dann arbeitet er grade auch an seinem zweiten großen Kinofilm. In "Willi und die Wunderkröte" geht es um vom Aussterben bedrohte Amphibien und Naturschutz. Ein Thema, das den Filmemacher und Wissensvermittler auch persönlich umtreibt.

Denn Willi Weitzel lebt zwar heute in Bayern, kommt aber gebürtig aus Stadtallendorf und ist Botschafter für die Region Mittelhessen. Die Waldrodungen für den umstrittenen Ausbau der A 49 – für ihn ein hochemotionales Thema: "A 49, das habe ich schon als Kind vor Augen gehabt und es ist unglaublich aufwühlend und es ist schwierig. Mein Patenonkel Willi, von dem ich den Namen geerbt habe, ist ein absoluter Befürworter der A 49, seine Enkeltochter, die mit im Haus bei ihm wohnt, die ist dagegen. Ich finde, wir müssen da einfach im Gespräch blieben, es ist ganz wichtig, im Gespräch zu bleiben und nicht Gräben aufzuziehen."

Verständnis für beide Seiten

Weitzel hat das Gespräch gesucht mit allen Seiten. Während der Rodungen im Dannenröder Forst hat er einen Film gedreht für seine Schulfilmreihe, um am Beispiel der A 49 zu erklären, wie Demokratie funktioniert: "Ich habe da alle möglichen Parteien, die da involviert sind, interviewt, von den Aktivisten bis zu Politikern und Anwohnern", erzählt er. Die Gespräche haben ihn nachdenklich gemacht, er fühlt sich ein wenig hin- und hergerissen, weil er einerseits Botschafter der Region Mittelhessen ist, als Privatperson aber den Ausbau der A 49 ablehnt. Deswegen habe er schon "schlaflose Nächte" hinter sich.

Jede Seite habe wichtige Argumente. "Ganz ehrlich, wenn ich mit den Anwohnern rede, die da in ihren Dörfern wohnen – an Straßen, wo jede 30 Sekunden ein Vierzigtonner durchbrettert, das ist kein schönes Leben, da gibt’s keine gute Lebensqualität und da muss tatsächlich etwas geschehen." Daher kann Weitzel auch nachvollziehen, dass im aktuellen Hessentrend, den der Hessische Rundfunk bei Infratest dimap in Auftrag gegeben hatte, 53 Prozent der Bevölkerung die Rodungen und den Autobahnausbau für richtig halten, in der betroffenen Region Mittelhessen ist die Zustimmung mit 57 Prozent sogar noch etwas höher.

Er frage sich allerdings beim Thema Ausbau der Autobahn: "Würde man heutzutage immer noch so brachial vorgehen? Man würde es nicht machen - mit dem heutigen Wissen, der heutigen Situation, die rund um den Klimawandel besteht, würde man immer sagen: Wir müssen der Natur da alle Wertschätzung geben und minimal invasiv eingreifen. Und andere Lösungen finden."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 11.12.2020, 19.35 Uhr

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