Mann mit kurzen dunklen Haaren, Stoppelbart und grauem Jacket sitzt vor dunklem Hintergrund

Vor vier Jahren fühlte er sich nach der Wahl Donald Trumps wie ein "Zombie". Heute ist der deutsch-amerikanische Politikwissenschaftler Yascha Mounk optimistisch, dass es Trump nicht gelingt, die Demokratie zu beschädigen.

Als Politikwissenschaftler weiß Yascha Mounk zweierlei: In den USA werden die Präsidenten fast immer für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Und überall auf der Welt sind autoritäre Populisten auch beim zweiten Antritt erfolgreich. Also sprach aus Mounks Sicht alles dafür, dass Donald Trump im Amt bleibt.

In den USA akzeptiert und zugehörig

Jetzt aber - zwei Tage nach der Wahl - sieht es zumindest so aus, als könne Trump scheitern. Selbst wenn Joe Biden die US-Präsidentenwahl am Ende aller Auszählungen nicht gewinnen sollte, ist Yascha Mounk überzeugt, dass die Demokratiebewegung der USA "Heroisches geleistet" habe. Zwar trete Trump demokratische Prinzipien mit Füßen, doch die Institutionen der USA seien stabil geblieben: Es gebe freie und faire Wahlen, eine freie Presse und eine unabhängige Justiz, ist Mounk überzeugt. Einen Putsch Trumps werde es nicht geben. Sollte am Ende tatsächlich Biden die Wahl gewinnen, wäre dies der "größte Sieg der Demokraten gegen autoritäre Populisten" weltweit, sagt Mounk. "Wenn wir einen solchen Etappensieg erzielen, sollten wird das auch feiern."

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Yascha Mounk, der 1982 in München geboren wurde, kam zum Studium in die USA und blieb. Heute lehrt der 38-jährige Politikwissenschaftler an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies und lebt in New York. Im Jahr 2017 - da war Trump schon Präsident - nahm er neben der deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an. Mehr als in Deutschland fühlte sich Mounk, der aus einer jüdischen Familie kommt, in den USA akzeptiert und zugehörig. Noch immer sieht er die USA als ein "Modell der multiethnischen Demokratie", in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft "an einem großen Projekt zusammenarbeiten".

Nicht auf die andere Hälfte des Landes herabblicken

Auch die Tatsache, dass ethnische Minderheiten in den USA - vor allem Latinos - sich in dieser Wahl verstärkt Trump zugewandt hätten, sieht Yascha Mounk durchaus positiv. Gleichzeitig hätten nämlich viele weiße traditionelle Wähler der Republikaner diesmal für Biden gestimmt. Das bedeute, dass man die politische Orientierung künftig nicht mehr an der Hautfarbe erkennen könne - ein Fortschritt! Wichtig sei es ihm, die Motive der Trump-Wähler zu verstehen und "auf die andere Hälfte des Landes nicht herabzublicken". Das müsse man auch in Deutschland lernen. Die USA seien schon immer "ein wahnsinnig kompliziertes, diverses Land" gewesen, das man nicht so leicht einen könne, so Mounk. "Wonne und Eierkuchen" seien das falsche Ziel.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 05.11.2020, 19:35 Uhr

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