Regina Ziegler
Auch nach mehr als 500 produzierten Filmen denkt Regina Ziegler nicht ans Aufhören. Bild © Ulrike Schamoni

Als erste Frau hat Regina Ziegler vor 45 Jahren ihre eigene Produktionsfirma gegründet. Seitdem hat sie über 500 Filme produziert und wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt. Wir haben mit der 73-Jährigen über Puppenspieler, ihre Karriere und Instagram gesprochen.

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Wenn Regina Ziegler von einem Stoff überzeugt ist, gibt es für sie kein Halten mehr. "Wenn es sein muss, gehe ich dafür mit dem Kopf durch die Wand", sagt sie im Interview mit hr-iNFO. Die Stoffe für ihre Filme findet sie oft, wenn sie unterwegs ist - in Buchhandlungen, an Bahnhöfen oder Flughäfen. So war es auch mit dem Bestseller "Die Puppenspieler" von Tanja Kinkel, der bereits 1995 herauskam. Der historische Stoff, die Geschichte der Fugger und die Hexenverbrennung haben Ziegler gereizt. "Ich hatte den Anfang gelesen, da geht es darum, dass ein Junge zusehen muss, wie seine Mutter verbrannt wird."  Und dann habe sie sofort gewusst: "Das ist ne Geschichte, die mich interessiert."

Als Produzent brauche man dieses Gespür für Themen und einen guten Riecher für Stoffe, die sich verfilmen lassen. Ziegler vergleicht das mit der "Nase eines Trüffelschweins" und sagt: "Ich bin einfach unheimlich neugierig und mache gerne Filme, die ich mir vorstelle und die ich im Kopf habe." Vor fast 45 Jahren kündigte Ziegler ihren Job als Produktionsassistentin beim damaligen Sender Freies Berlin (SFB) und machte sich selbständig. Rund 500 Filme hat sie mittlerweile produziert - von Tatort über preisgekrönte TV-Serien wie "Weissensee" für die ARD bis hin zu Dokumentar- und künstlerisch anspruchsvollen Kinofilmen.

Parallelen zu Fugger

Ihre Produzenten-Nase hat sie auch bei ihrem jüngsten Projekt nicht getäuscht, denn der Zweiteiler "Die Puppenspieler" hat alles, was ein guter Festtags-Film braucht: eine fesselnde und emotionale Story, tolle Schauspieler und große Bilder. "Die Puppenspieler" spielt zu Beginn der Renaissance. Es geht um Inquisition, Hexenverbrennung und religiösen Fanatismus, die Macht der Kaufleute und ihres Geldes und die Intrigen rund um die Papstwahl 1492, aus der am Ende der spanische Kardinal Borgia als Sieger hervorging und Papst Alexander VI. wurde.

Im Mittelpunkt des Films stehen Jakob Fugger (Herbert Knaupp), der reiche Augsburger Kaufmann, und sein Ziehsohn Richard (Samuel Schneider). Der eine versucht, bei der Papstwahl mit viel Geld die Strippen zu ziehen, um seinen Einfluss auszubauen und noch reicher zu werden, der andere musste als Kind mit ansehen, wie seine Mutter als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und träumt von Rache. Der Zweiteiler läuft am 27. und 29. Dezember zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr im Ersten.

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Sendezeiten

Mi, 20.12., 19.35 Uhr
Sa, 23.12., 14.05 Uhr
So, 24.12., 10.05 & 18.35 Uhr
Mi, 27.12.2017, 19.35 Uhr

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Ziegler kann auch persönliche Parallelen zum Finanzgenie und genialen Netzwerker Jakob Fugger erkennen. Sie habe als Unternehmerin in der Männerdomäne Film ein "nice ladys network" aufgebaut, sagt sie mit Stolz. Die selbstbewusste 73-Jährige ist auch im Netz aktiv: "Ich habe Facebook und Instagram, und ich kriege viele Anfragen und habe ganz viele Follower – ich fühle mich da ganz wohl."

"Man darf sich nicht wegducken"

Sie habe etwa die "me-too"-Debatte im Netz über sexuelle Belästigung im Job verfolgt, sich aber nicht daran beteiligt. Unangenehme Avancen habe auch sie im Filmbusiness erlebt. Das sei aber auch in anderen Branchen so. "Damit kann man auch fertig werden. Man kann jemandem auf die Finger klopfen", und das müsse ein Schmerz sein, den derjenige für sein Leben nicht vergesse. "Wir Frauen können uns wehren, man darf sich nicht ducken."

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Buchtipp:

Regina Ziegler
"Geht nicht, gibt's nicht"
352 Seiten
C. Bertelsmann Verlag
22 Euro

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Regina Ziegler, die heute zusammen mit ihrer Tochter Tanja ihre Film-Produktionsfirma leitet, hat vor kurzem ihre Autobiografie vorgelegt: "Geht nicht, gibt’s nicht". Darin erzählt sie Geschichten aus Ihrem filmreichen Leben, von den anfänglichen Geldproblemen als selbständige Produzentin und auch von ihrem ganz privaten Glück, das sie mit ihrem zweiten Mann, dem Regisseur Wolf Gremm gefunden hatte. Er starb vor zwei Jahren an Krebs. Im Gespräch mit hr-iNFO spricht Ziegler zudem über das, was sie als Filmemacherin antreibt, und warum sie nicht ans Aufhören denkt.

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hr-iNFO, Das Interview, 20.12.2017, 19.35 Uhr

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