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Zum Artikel Michael Boddenberg, hessischer Finanzminister über Nachtragshaushalte und Gitarrespielen in Coronazeiten

Michael Boddenberg im Landtag

Michael Boddenberg ist derzeit ein gefragter Mann. Hessens neuer Finanzminister hat in der Coronakrise alle Hände voll zu tun. Ein Gespräch über die aktuellen Herausforderungen, Pflichtbewusstsein und Gitarrenmusik.

Es gibt für Michael Boddenberg ein Leben jenseits der Politik – auch wenn es derzeit nur kurze Momente sind. Das Gesicht des 60-Jährigen hellt sich auf, wenn er eine Gitarre in die Hand nimmt. "Knocking on heaven’s door" sei einer seiner Lieblingssongs, sagt er.

Schon von Jugend an spielt der neue hessische Finanzminister Gitarre, tritt sogar gelegentlich mit Bands auf. Wie es scheint, ist das eine Möglichkeit für ihn abzuschalten. In Zeiten der Corona-Krise ist Boddenberg als Finanzminister besonders gefordert.

Keine lange Bedenkzeit

Drei Wochen ist er jetzt im Amt. Die Umstände seiner Ernennung waren tragisch. Der Christdemokrat musste nach dem Tod von Ex-Finanzminister Thomas Schäfer in sehr kurzer Zeit entscheiden, ob er das Amt übernehmen will. "Da ich aus dem bürgerlichen Milieu, selbständig bin und so erzogen wurde, dass man 'Ja' sagen muss, wenn die Pflicht ruft, habe ich mich bereit erklärt", sagt er.

Boddenberg ist schon lange im politischen Geschäft. Er wusste, welche Herausforderung in Krisenzeiten auf ihn wartet. Vorbei die Zeit ausgeglichener Haushalte, Verschuldung ist wieder angesagt. So kündigt der Finanzminister unter anderem an, dass es bis zum Sommer einen weiteren Nachtragshaushalt geben müsse.

Mehr Ausgaben, weniger Einnahmen

Mit viel Geld versucht man derzeit, die Liquidität von kleinen und mittleren Unternehmen in der Krise zu sichern. Unternehmen können sich darüber hinaus Steuervorauszahlungen erstatten oder Nachzahlungen stunden lassen. Allein diese steuerlichen Maßnahmen schlagen laut Boddenberg mit 1,6 Milliarden Euro zu Buche, die dem Fiskus natürlich fehlen.

Das Land hat deutlich weniger Einnahmen, muss aber gleichzeitig erheblich mehr Geld ausgeben, um die Krise wenigstens einzudämmen. Große Probleme, die sich ihm stellen, sind die Finanzlage der Kommunen in Krisenzeiten und die Zukunft von Lufthansa und Condor. Ganz zu schweigen von den notleidenden Gastronomen, die endlich wieder öffnen wollen, weil viele eine Pleite befürchten.

Ein Fleischermeister auf Bouffiers Spuren

Boddenberg hat viel Erfahrung in seinen neuen Job mitgebracht. Zu Roland Kochs Zeiten war er CDU-Generalsekretär, später Minister für Bundesangelegenheiten, zuletzt Fraktionschef der Christdemokraten im Landtag. Von Hause aus ist er gelernter Fleischermeister und meint, dass er die Sorgen des Mittelstandes in der Krise besonders nachvollziehen könne.

Ein Thema will er gar nicht an sich heranlassen: Michael Boddenberg gilt als erster Kandidat für die Nachfolge von Volker Bouffier als Ministerpräsident, wenn dieser eines Tages abtritt. Im Amt des Finanzministers muss er sich beweisen.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 23.04.2020, 19.35 Uhr

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