Hajo Seppelt
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Hajo Seppelt ist berühmt für seine Dopingberichterstattung, in Russland ist er unerwünscht. Nun hat er das Bundesverdienstkreuz bekommen. Wird er die Fußball-WM begleiten?

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The Show must go on! Bei der Tour de France, bei Olympia und auch jetzt bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Dabei sollen Berichte über Doping, womöglich eine öffentliche Debatte darüber, die schönen Bilder der Hochglanz-Veranstaltungen nicht stören. Dieses Muster erkennt der ARD-Dopingexperte Hans-Joachim Seppelt immer wieder.

"Der Weltsport hat vor allem ein Interesse immer gehabt: The Show must go on! Das ist das Wichtige", sagt Seppelt. "Es geht darum, dass eine negative Debatte über Sport dem Sportereignis und der Vermarktung, der Kapitalisierung des Sports schadet. Ergo: Eine Debatte über Doping – öffentlich –  ist schlecht fürs Image. Deswegen ging es nach meinem Eindruck vor allem immer darum, diese öffentliche Debatte zu verhindern und nicht das Doping selbst zu verhindern. Ich gehe noch einen Schritt weiter – und auch das kann man belegen anhand der Historie des Sports, an unglaublichen Vertuschungsfällen in der Leichtathletik oder im Radsport – denken wir an Lance Armstrong – es ist ja am Ende eine Win-Win-Situation für den Sport, wenn herausragende Leistungen zustande kommen und sich keiner so recht die Frage stellt: Wie kommen diese eigentlich zustande?"

Im Sinne des nationalen Pathos

Dass sie zustande kommen ist wichtig für all die, die mit den Großveranstaltungen des Sports zu tun haben, sagt Seppelt. Das sind die Athleten selber, die mit größerem Erfolg auch mehr Geld verdienen und lukrative Sponsorenverträge abschließen können. Immer neue Rekorde und Spitzenleistungen sind wichtig für das Geschäft mit dem Sport.   

"Davon profitieren die Fernsehanstalten mit höheren Einschaltquoten, damit können sie auch die Werbezeiten besser verkaufen. Die Sponsoren können sich besser präsentieren, weil die Übertragungszeiten länger werden, dadurch sind sie in der Situation, dass sie ihre Produkte besser verkaufen können. Andererseits können natürlich diejenigen, die Sportveranstaltung inszenieren, auch höhere Preise für die Bandenwerbung nehmen. Dann gibt's die Manager, die von den Einnahmen der Athleten mit ihren Provisionen profitieren. Die Ärzte, die in der Entourage dabei sind, bekommen mehr Geld. Der Verband hat etwas davon und die Politik kann sich freuen, dass das Geld offensichtlich optimal eingesetzt wurde im Sinne des nationalen Pathos."

Zufällig verprügelt werden

Kurz: Zu viele profitieren von einem gut laufenden internationalen Sportgeschäft, zu dem aufwendig inszenierte Großveranstaltungen wie die "FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft Russland 2018" gehören. Störungen, wie kritische Berichte über den Verdacht, dass auch Spieler der aktuellen russischen Fußball-Nationalmannschaft gedopt haben, passen nicht zum Geschäftsmodell.

Das hat Hajo Seppelt nach der Veröffentlichung seines Films "Geheimsache Doping - Russlands Fußballfreunde" erfahren müssen: In Russland ist er eine "unerwünschte Person", seitdem er über die möglichen Verstrickungen des ehemaligen russischen Sportminister Witali Mutko in die Vertuschung von Dopingfällen berichtet hat.

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Ein zunächst ausgestelltes Visum für die Reise des Journalisten zur Fußball WM wurde zurückgezogen und erst nach der Intervention deutscher Politiker und der FIFA wieder erteilt. Der Vorsitzende des russischen Journalistenverbandes Wladimir Solowjow sagte, dass für Seppelt Personenschutz bereitgestellt werden müsse, "damit Kenner seines journalistischen Talents ihn nicht zufällig verprügeln."

Ob Hajo Seppelt tatsächlich nach Russland reist, hat er noch nicht entschieden.  

Sendung: hr-iNFO, 7.6.2018, 19.30 Uhr

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